ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2016Kurz notiert: Wer Arbeitszeit reduzieren will, stößt oft auf Widerstand

ÄRZTESTELLEN: Kurz notiert

Kurz notiert: Wer Arbeitszeit reduzieren will, stößt oft auf Widerstand

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Fotolia/Marco2811
Foto: Fotolia/Marco2811

Eigentlich sollten Beschäftigte ihre Arbeitszeit an individuelle Bedürfnisse und ihre jeweilige Lebensphase anpassen dürfen. Doch mangelndes Verständnis, rigide Arbeitsorganisation und knappe Personalausstattung sind offenbar die Gründe, warum vor allem Männer und Hochqualifizierte auf Widerstände stoßen, wenn sie zeitweise kürzertreten wollen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) und der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung.

Dr. Christina Klenner und Dr. Yvonne Lott untersuchten anhand von 121 Interviews, wie Arbeitnehmer Optionen wie Teilzeit, Elternzeit oder Freistellungen für Ehrenämter und Bildung in der Praxis nutzen. Sie befragten dazu Beschäftigte aus zwei Industrieunternehmen, zwei Polizeibehörden und zwei Krankenhäusern. Die wichtigsten Ergebnisse:

Anzeige
  • Teilzeit nutzen fast ausschließlich Frauen, am häufigsten in mittleren Positionen. Allerdings haben auch Ärztinnen, Polizistinnen oder Ingenieurinnen mitunter Schwierigkeiten, ihre Arbeitszeit zu verkürzen.
  • Viele Männer wünschen sich kürzere Arbeitszeiten, halten das jedoch für nicht umsetzbar. Als Hindernisse nennen sie: fehlende Akzeptanz von Vorgesetzten und Kollegen, eine Arbeitsorganisation, die auf Ausfälle nicht reagiere, und das Arbeitspensum, das schon bei Vollzeit durch Personalnot kaum zu bewältigen sei.
  • Arbeitgeber akzeptieren Elternzeit von Vätern, wenn sie nur zwei Partnermonate beanspruchen. Am schwersten fällt es Hochqualifizierten, Elternzeit zu nutzen, Männern wie Frauen.
  • Eine Freistellung für Weiterbildung gewähren Arbeitgeber am häufigsten den Hochqualifizierten.

In „typisch männlichen“ Berufen und Führungspositionen falle es Arbeitnehmern nach wie vor schwer, ihre Arbeitszeit zu verkürzen oder ihre Erwerbszeit zu unterbrechen, lautet das Fazit der Wissenschaftlerinnen. Hier gelte noch das Ideal, dass insbesondere Männer in Vollzeit arbeiten, wenn nötig Überstunden machen und dem Arbeitgeber nach Bedarf zu Verfügung stehen. Wer diese Normen verletze, werde von Vorgesetzten und Kollegen oft stigmatisiert und diskriminiert. EB

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.


Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote