ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2016Antibiotika: Wurzel des Übels angehen
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Sie erwähnen hier auch den „maßlosen Einsatz an Mensch und Tier sowie die Globalisierung“ als wesentliche Ursache des Übels. Wie in allen mir bisher bekannten Darstellungen zum Thema dominiert hier als wesentlicher Lösungsansatz die Beschleunigung des Wettlaufs mit den Anpassungsmechanismen der Keime. Erstaunlich ist, dass die Wurzel des Übels (s. o.) kaum zur Disposition steht. Wäre nicht gerade hier anzusetzen? Aus meiner Sicht braucht es ein Bewusstsein bei allen (Ärzte, Bürger als Verbraucher und Patienten, Politik und Medien), dass die Jagd nach den Bakterien nicht zum Ziel führen wird.

Die Einschränkung gefährlicher Auswirkungen von Massentierhaltung und Globalisierung scheint hier der bei weitem aussichtsreichere Ansatz. Dies erfordert allerdings die Einbeziehung von Folgekosten zum Beispiel des nur scheinbar so billigen Fleischs aus der Massentierhaltungsproduktion.

Würden diese Folgekosten für den Bereich Gesundheitswesen durch Antibiotikaresistenzen mit berücksichtigt, hätten wir plötzlich ein ganz neues Bild. Es ist die Aufgabe von Medien (also auch des Deutschen Ärzteblattes) und der Politik, diese Zusammenhänge mit einzubeziehen und nicht schmalspurig auf dem Medizingleis weiterzufahren. Das Problem der Antibiotikaresistenz ist nicht nur ein Problem von Pharmaindustrie und Medizin, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Es scheint daher medizinisch, ethisch und ökonomisch unverzichtbar, das Konzept der Massentierhaltung zu hinterfragen oder zumindest zu modifizieren.

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Dr. med. Bernd Köster, 79104 Freiburg

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