ArchivDeutsches Ärzteblatt50/2016Randnotiz: Kirchgänger leben länger

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Randnotiz: Kirchgänger leben länger

Schatz, Helmut

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Wer mehrmals wöchentlich an religiösen Veranstaltungen teilnimmt, kann möglicherweise seine Lebenszeit verlängern. Im Vergleich zu Frauen, die nie zur Kirche gingen, senkte der Kirchgang die Gesamtmortalität um 33 Prozent. Das trifft zumindest auf Krankenschwestern zu, wie eine in JAMA publizierte Analyse bei 74 534 Teilnehmerinnen zeigt. Nach 20 Jahren waren 13 537 gestorben. Die Analyse berücksichtigte unter anderem den Lebensstil und andere Risikofaktoren. Soziale Unterstützung und Rauchen trugen zum Effekt mit guten 20 Prozent bei, depressive Symptome und Optimismus mit etwa zehn Prozent.

Trotz Weihnachtszeit – diese Untersuchung sollte keineswegs zu philosophischen oder theologischen Überlegungen oder gar ärztlichen Empfehlungen zum Gottesdienstbesuch Anlass geben. Die Studie lässt nicht auf pathogenetische Mechanismen schließen. Ebenso wenig darf man sie auf die Allgemeinbevölkerung erweitern, da es ausschließlich Krankenschwestern waren, die einen gehobenen Bildungsgrad aufweisen und sich freiwillig gemeldet hatten.

Apropos, die Boswelliasäuren im Weihrauch, über die im Blog der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie berichtet wurde, können als Auslöser ausgeschlossen werden. Denn der Gebrauch des säurehaltigen Weihrauchs komme selbst in katholischen Kirchen nicht häufig zum Einsatz. Zudem profitierten Kirchgänger aller Konfessionen, auch jene, die protestantische Kirchen, Synagogen und Tempel ohne Weihraucheinsatz besuchen. Eine randomisierte, prospektive Studie ist hier naturgemäß und aus ethischen Gründen nicht möglich. Interessant sind die Resultate allemal.

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