VARIA: Schlusspunkt

Das starke Geschlecht

Dtsch Arztebl 1999; 96(31-32): [52]

Josten, Wilhelm Mathias

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LNSLNS Einem Angriff aller Viren war ich ausgesetzt. In meinem Körper wimmelte es von diesen Bestien. Ich wurde geschüttelt vom Gelbfieber, den Masern, den Röteln und den Windpocken, vom Fleckfieber, der Tollwut und der Grippe. In diesem Zustand kam ich, halb bewußtlos, zu Hause an und brach in den Armen meiner Frau zusammen. Diese erbleichte und schrie: "Schätzchen, was ist mit dir?" Ich klapperte mit den Zähnen einen Kastagnettenwirbel und röchelte: "Es ist aus! L-Lasse alle Ärzte, d-die K-Krankenkasse, d-den Pf-Pfarrer und d-den N-Notar kommen!"
Dann stolperte ich die Treppe hinauf. Ich konnte noch zum Bett torkeln. Meine Frau befühlte meine Stirn, verbrannte sich die Finger und jammerte: "Schätzchen, du hast ja Fieber!" Ich glühte wie ein Hochofen. Die Temperaturmessung ergab unter meiner Zunge 38 Grad im Schatten. [. . .]
Die Angriffswellen der Viren durchfluteten meinen Körper wie der Glühwein, den mir meine Gattin zwischen die klappernden Zähne träufelte. Mein Atem flog. Mein Weib auch, um Stapel von Aspirin herbeizuschaffen. Der Schweiß floß mir in Strömen vom Körper. Er vermengte sich mit dem Angstschweiß meiner Treusorgenden, die in ihrer Panik ausrief: "Schätzchen, du schwitzt ja!" Dann versank ich in tiefe Bewußtlosigkeit. Als ich am nächsten Morgen erwachte, hatte ich den Kampf gewonnen. Mein Wille hatte die Viren besiegt. Noch immer saß meine Frau auf dem Bettrand und hielt meine Hand. Sie jubelte: "Schätzchen, du hast es geschafft. Nur geschnarcht hast du wie ein Walroß!"
Am nächsten Tag kam mir meine Treusorgende verändert vor: "Nun sag’ bloß, wie siehst du denn aus? Richtig käsig!"
"Ich habe die Grippe!"
"Reiße dich zusammen! Bringe mir das Essen und mein Bier!"
"Ich habe Schüttelfrost!"
"Na klar, wenn man sich so dünn anzieht. Ziehe dir einen Pullover an und höre auf, mit den Zähnen zu klappern, man kann ja den Nachrichtensprecher kaum verstehen!"
"Sicherlich habe ich Fieber!"
"Nimm ein kaltes Bad, das treibt das Fieber runter!" [. . .]
"Ich muß ins Bett!"
"Wie denkst du dir das? Wer soll sich um den Haushalt kümmern? Soll ich das machen?"
Diese Frauen! Keine Widerstandskraft! Eine einzige kleine Bazille genügt, um sie außer Betrieb zu setzen. Fürchterlich, wie sich Frauen anstellen können. Kein Mann würde sich so gehenlassen! Wilhelm Mathias Josten
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