ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2016Börsebius: Auf leisen Sohlen

GELDANLAGE

Börsebius: Auf leisen Sohlen

Dtsch Arztebl 2016; 113(51-52): A-2389 / B-1961 / C-1937

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Das Filigrane, das zwischen den Zeilen Gesagte gehört zum Handwerkszeug eines Währungshüters, will er Schockwellen der Weltbörsen vermeiden. Auf leisen Sohlen daherkommen und doch die richtigen Signale zu setzen, diese Klaviatur beherrscht Janet Yellen wahrhaft meisterlich. Es ist eine taktische Glanzleistung gewesen, wie die Chefin der US-Notenbank Federal Reserve die Finanzmärkte gut ein Jahr lang auf die Zinswende vorbereitet und sie nun Mitte Dezember auch weiter konkretisiert hat. Den 14. Dezember 2016 werden sich die Marktteilnehmer als Zeitenwende merken müssen, als Frau Yellen in der Sitzung des Offenmarktausschusses nicht nur eine Erhöhung des Leitzinses um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 0,5 bis 0,75 Prozent verkündete, sondern sogar für das kommende Jahr drei (!) weitere Zinserhöhungen postulierte. Ökonomisch war es Zeit für diesen überfälligen Schritt. Zu gut läuft die US-Konjunktur, um das historisch niedrige Zinsniveau zu rechtfertigen, extrem niedrige Zinsen führen eben auf Dauer auch zu volkswirtschaftlichen Verwerfungen.

Die spannende Frage ist in diesem Zusammenhang, wie sich die Renditen in Europa entwickeln werden. Vermutlich wird Mario Draghi für die nächsten zwei Jahre versuchen, die Zinsen hierzulande niedrig zu halten. Die gesamteuropäische Konjunktur ist zu anfällig und die Probleme mancher Banken (Italien) sind noch immer gewaltig. Mehr als Zeit gewinnt der EZB-Chef damit aber nicht. Die Lösung drängt. Spätestens 2019 kommt auch in Europa die Zinswende. So wird, was auf leisen Sohlen daherkommt, zu einer mächtigen Gegenbewegung. Die Zinswende ist definitiv da. Anleger sind also gut beraten, jetzt schon die richtigen Schlüsse zu ziehen und zu reagieren.

Die Chancen auf weitersteigende Aktienmärkte würde ich mit einem riesengroßen Fragezeichen versehen, die Börsenregel „geht Butter, geht Käse“ gilt ab sofort nicht mehr. Immer mehr kommt es auf eine gute Selektion (Stockpicking) von Qualitätswerten an. Wer Rentenfonds besitzt, sollte dringend an einen Verkauf denken und Immobilienfinanzierungen möglichst nicht auf die lange Bank schieben.

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Wie an jedem ersten Samstag des Monats können Sie auch am 7. Januar 2017 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20).

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