ÄRZTESTELLEN

Personalführung in der Generation Y: „Menschen führen ist ein bisschen wie Flöhe hüten!“

Dtsch Arztebl 2016; 113(51-52): [2]

Giesemann, Thomas

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Wenn es um das Führen von Mitarbeitern geht, glaubt jeder mitsprechen zu können. Aber nicht jeder, der mitspricht, ist auch ein „Menschenführer“.

Foto: 123RF/dolgachov
Foto: 123RF/dolgachov

Gerade wenn es um die Führung der Generation Y geht, dann hält man sich gerne zugeknöpft. Denn bei dieser Generation soll ja alles anders sein. Führen lassen die sich gar nicht, heißt es immer wieder einmal. Dazu ein paar persönliche Anmerkungen aus der täglichen Praxis einer Führungskraft der Babyboomer-Generation.

Skeptische, vernetzte, ichbezogene Mitarbeiter

Bekannt sind die Generationen Babyboomer (1946–1964), die Generation X (1965–1978) und die Generation Y (1979–1999). Die Generation Y, auch gerne Generation „Why“ genannt, das sollen die skeptischen, vernetzten, selbstbewussten und zum Teil auch sehr ichbezogenen Mitarbeiter sein, geprägt durch eine hohe Leistungsorientierung, die anfängt, Hierarchien zu hinterfragen.

Führungskräfte müssen auf diese unterschiedlichen Einstellungen und Erwartungen eingehen und auch in der Lage sein, falsche Erwartungen zu korrigieren. Führungskräfte müssen im Besonderen die Generation Y dazu anhalten, dass diese ihre Wünsche auch gegenüber den älteren Generationen kommuniziert. Diese Generation will einen kooperativen Führungsstil und keine eintönige und anspruchslose Arbeit, kein Befehl und Gehorsam, keine Engstirnigkeit (das haben wir immer schon so gemacht), keine Totschlagargumente.

Führung bedeutet Leitung, aber auch Zuhören

Führung bedeutet Leitung, Macht und Vorbild. Führung heißt aber auch Zuhören. Zuhören ist ein wesentlicher Teil der Kommunikation; und da sind wir bei einer der großen Herausforderungen, wenn unterschiedliche Generationen aufeinandertreffen. Wenn wir mit häufig falschen Vorstellungen von den Lebensauffassungen und Arbeitseinstellungen der anderen Generationen sprechen und daraus abgeleitet befürchten, dass die andere Generation nicht in der Lage ist oder nicht willens ist, sich zu ändern, dann klappt auch die Kommunikation nicht.

Auch der kooperative Führungsstil verlangt nach Führung. Führen heißt in diesem Zusammenhang auch, das Eigenbild der Generation Y zu korrigieren, zum Teil sind Führungskräfte sehr von sich überzeugt. Wenn man die Generation Y richtig führt, ist sie maximal motiviert. Getroffene Entscheidungen wollen dabei begründet sein, Macht als Führungsinstrument wird abgelehnt. Führungskräfte sollten Empathie und Emotionen nutzen, Wertschätzung ist unabdingbar. Immer zu beachten ist, jeder Mensch ist einzigartig und damit ist die individuelle Auseinandersetzung mit den Mitarbeitern wichtig. Die Fähigkeit andere Menschen mit ihren Eigenheiten zu respektieren, sich in sie einzufühlen und klare Absprachen zu treffen, das zeichnet Führungskräfte aus.

Ja, die Generation Y hat eine hohe Freizeitorientierung, sie fordert diese auch ein. Wenn ihr die Arbeit Spaß macht, dann ist diese Generation allerdings auch da. Sie stellt ihre Freizeitorientierung nicht über alles.

Fördern generationenübergreifender Aktivitäten

Führungskräfte sollten erkennen, dass alle Altersgruppen ein effizientes Arbeiten in generationenübergreifenden Teams als schwierig empfinden. Jede Generation hat eigene Meinungen, Methoden und Ziele. Doch Teams erreichen Ziele besser, denn hier greifen verschiedene Generationen auf unterschiedliche Erfahrungen zurück. Davon profitiert jeder in seiner Generation, das Team und letztendlich das Unternehmen. Handeln Sie als Führungskraft selbstbewusst und lassen Sie sich nicht von Vorurteilen gegenüber Teams leiten, die aus unterschiedlichen Generationen bestehen. Unterschiede in der Arbeitsmoral und in den Ansichten über die Work-Life-Balance sind nicht zwangsläufig von Nachteil. Vielmehr ist es wichtig, Möglichkeiten anzubieten, zwischen denen die Mitarbeiter wählen können – etwa Benefits oder Weiterbildungen, je nach den Präferenzen der jeweiligen Generation und persönlicher Umstände.

Das Fördern generationenübergreifender Aktivitäten sollte nicht auf Büroprojekte beschränkt werden. Wenn es das Budget und die Zeit erlauben, sind kleine gemeinsame Aktionen sinnvoll, wie Grillfeste oder ein gemeinsamer Ausflug, bei denen sich Mitarbeiter aller Altersgruppen wohlfühlen. Ältere Mitarbeiter können dann die jüngeren Kollegen coachen. Dies führt zu dauerhaften positiven Ergebnissen und größerem Respekt zwischen den Generationen. Menschen zu führen ist ein bisschen wie Flöhe hüten, das muss Spaß machen!

Wer sich selbst gut führt, kann andere gut führen

Nur wenn Führungskräfte sich selbst gut führen, sind sie auch in der Lage, andere gut zu führen. Wer als Führungskraft „strahlt“, wirkt mit seiner positiven Einstellung zur eigenen Persönlichkeit auf seine Mitarbeiter. Wer Mut hat und Selbstvertrauen zeigt, dem gelingt es besser zu motivieren. Und dann gelingt auch das Durchsetzen besser.

Eine Führungskraft, die ihre Mitarbeiter kennt, nutzt die Eigenmotivation der Generation Y. „Fördern statt Fordern“ und „Führung mit Zielvereinbarungen“, Feedback nicht zu vergessen, Fehler zulassen. Daraus lernt besonders diese Generation. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit ergibt sich aus: An die Hand nehmen, loslassen, Ergebnisse diskutieren, entscheiden lassen oder entscheiden und wieder von vorn.

Thomas Giesemann

Leitung Personalmanagement

AMEOS Gruppe

CH-8021 Zürich

Mitglied des Initiativkreises neue Personalarbeit in Krankenhäusern (InPaK)

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