ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2017Hochadipöse Patienten mit buried penis
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Der Lichen sclerosus (LS) ist eine unterdiagnostizierte Erkrankung, die bei Erwachsenen und Kindern auftritt. Die Ätiologie ist multifaktoriell. Eine histologische Aufarbeitung der Exzidate sollte erfolgen, da LS mit Malignomen vergesellschaftet sein kann. Im Bereich des männlichen Genitales wird LS auch Balanitis xerotica obliterans genannt und tritt häufig im Rahmen einer Phimose auf. Eine Zirkumzision ist hier Therapie der Wahl (1). In unserem Patientenkollektiv sehen wir vermehrt LS bei hochadipösen Patienten mit Buried penis. Hierbei retrahiert der Penisschaft in die präpubische Fettschürze, so dass das warm-feuchte Milieu im Bereich der Vorhaut zu Mazerationen und Hautveränderungen bis hin zum LS führt (2). Eine Zirkumzision allein reicht nicht aus, da hierdurch der Buried penis verstärkt wird und zu Rezidiven des LS führt (2). Therapie der Wahl ist neben der Zirkumzision und Exzision der befallenen Hautareale die plastisch-chirurgische Wiederherstellung des Penisschaftes mit Entfernung der Fettschürze und Fixierung der Penisbasis (3). Nur so ist es möglich, langfristig das Rezidivrisiko des LS und Entartungsrisiko zu reduzieren. Bei einer Verdreifachung der Adipösen in den letzten 30 Jahren (4) und eine Zunahme der Anzahl Übergewichtiger in den kommenden Jahrzehnten ist auch mit einem vermehrten Auftreten des LS bei stark übergewichtigen Männern zu rechnen. Bei geringer Beachtung dieser Erkrankung in der Primärversorgung und unzureichender primärer chirurgischer Therapie mit alleiniger Zirkumzision sind eine erhöhte Rezidivhäufigkeit und ein steigendes Entartungsrisiko gegeben. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Urologen und Plastischen Chirurgen ermöglicht die effiziente und primäre Behandlung des Krankheitsbildes mit Reduktion der postoperativen Morbidität.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0024a

Prof. Dr. med. Dr. phil. Ursula Mirastschijski
Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Klinikum Bremen-Mitte
Centre for Biomolecular Interactions Bremen (CBIB), Universität Bremen
mirastsc@uni-bremen.de

Prof. Dr. med. Sebastian Wolfgang Melchior
Klinik für Urologie, Klinikum Bremen-Mitte, Bremen

Prof. Dr. med. C. Can Cedidi
Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, Klinikum Bremen-Mitte, Bremen

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Kirtschig G: Lichen sclerosus—presentation, diagnosis and management. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 337–43 VOLLTEXT
2.
Depasquale I, Park AJ, Bracka A: The treatment of balanitis xerotica obliterans. BJU Int 2000; 86: 459–65 CrossRef
3.
Alter GJ: Pubic contouring after massive weight loss in men and women: correction of hidden penis, mons ptosis, and labia majora enlargement. Plast Reconstr Surg 2012; 130: 936–47 CrossRef MEDLINE
4.
World Health Organization: Obesity and overweight. 2015. www.who.int/mediacentre/factsheets/fs311/en/ (last accessed on 10 July 2016).
1.Kirtschig G: Lichen sclerosus—presentation, diagnosis and management. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 337–43 VOLLTEXT
2. Depasquale I, Park AJ, Bracka A: The treatment of balanitis xerotica obliterans. BJU Int 2000; 86: 459–65 CrossRef
3. Alter GJ: Pubic contouring after massive weight loss in men and women: correction of hidden penis, mons ptosis, and labia majora enlargement. Plast Reconstr Surg 2012; 130: 936–47 CrossRef MEDLINE
4.World Health Organization: Obesity and overweight. 2015. www.who.int/mediacentre/factsheets/fs311/en/ (last accessed on 10 July 2016).

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