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Herzlichen Dank an Prof. Mirastschijski und Kollegen, die auf die spezielle Problematik und die Rezidivgefahr des Lichen sclerosus trotz vollständiger Beschneidung bei „buried penis“ hinweisen. Sie führen dies auf ein ungünstiges „microenvironment“ zurück. Das feuchte Milieu unter der Vorhaut, unterstützt durch Adipositas und möglichen Anomalien des Penis, wie Hypospadie, scheinen einen Lichen sclerosus bei genetischer Veranlagung zu fördern (1).

Lichen sclerosus ist eine entzündliche Dermatose unklarer Ätiologie, die zu Narbenbildung und lokalen Karzinomen führen kann. Die Evidenzlage zur Behandlung von Männern ist spärlich, eine randomisierte Studie zeigt Erfolge mit potenten lokalen Kortikosteroiden bei Jungen (2). Prospektive, randomisierte Studien zur Zirkumzision fehlen. Als Trigger, die das Entstehen bei vermutlich genetischer Prädisposition fördern, werden unter anderem hoher Body-mass-Index, mechanische Reize wie häufiges Zurückschieben der Vorhaut und lokale Infektionen beschrieben (3). Gute epidemiologische Studien hierzu fehlen. Bei Frauen verringert eine konsequente antientzündliche Behandlung die Narbenbildung und das Karzinomrisiko (4). Somit kann auch bei Männern davon ausgegangen werden, dass ein Fortschreiten der Erkrankung mit möglichem urethralen Befall, der hochkomplexe urologische Eingriffe erfordert, durch eine frühe, konsequente und anhaltende antientzündliche Behandlung mit potenten lokalen Kortikosteroiden vermieden werden kann. Insgesamt benötigen wir gut kontrollierte Studien zur Behandlung, Langzeiteffekten und möglichen Triggern. Zu untersuchen wäre, ob eine antientzündliche Behandlung mit potenten lokalen Kortikosteroiden über drei Monate eine Remission bei Jungen und Männern bewirken kann, dies könnte möglicherweise auch das Rezidivrisiko operativer Eingriffe bei florider Entzündung mindern. Non-responder sollten operiert werden, eine langfristige Nachbeobachtung könnte protokolliert erfolgen. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von mit der Krankheit vertrauten Dermatologen, Gynäkologen sowie erfahrenen Chirurgen beziehungsweise Urologen ist, wie im Beitrag gefordert, anzustreben (5).

DOI: 10.3238/arztebl.2017.024b

Dr. med. habil. Gudula Kirtschig

Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung

Medizinische Fakultät Tübingen

g.kirtschig@gmail.com

Interessenkonflikt

Dr. Kirtschig erhielt ein Honorar für einen Vortrag zum Thema Lichen sclerosus von der Firma Wolff sowie Teilnahmegebührenerstattung und Reisekosten im Rahmen dieser Fortbildung.

1.
Depasquale I, Park AJ, Bracka A: The treatment of balanitis xerotica obliterans. BJU Int 2000; 86: 459–65 CrossRef
2.
Kiss A, Csontai A, Pirot L, Nyirady P, Merksz M, Kiraly L: The response of balanitis xerotica obliterans to local steroid application compared with placebo in children. J Urol 2001; 165: 219–20 CrossRef MEDLINE
3.
Kirtschig G, Cooper S, Aberer W et al.: Evidence-based (S3) guideline on
(anogenital) Lichen sclerosus. J Eur Acad Dermatol Venereol 2015; 29: e1–43 CrossRef MEDLINE
4.
Lee A, Bradford J, Fischer G: Long-term management of adult vulvar Lichen sclerosus: A prospective cohort study of 507 women. JAMA Dermatol 2015; 151: 1061–7 CrossRef MEDLINE
5.
Kirtschig G: Lichen sclerosus—presentation, diagnosis and management. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 337–4 VOLLTEXT
1.Depasquale I, Park AJ, Bracka A: The treatment of balanitis xerotica obliterans. BJU Int 2000; 86: 459–65 CrossRef
2.Kiss A, Csontai A, Pirot L, Nyirady P, Merksz M, Kiraly L: The response of balanitis xerotica obliterans to local steroid application compared with placebo in children. J Urol 2001; 165: 219–20 CrossRef MEDLINE
3.Kirtschig G, Cooper S, Aberer W et al.: Evidence-based (S3) guideline on
(anogenital) Lichen sclerosus. J Eur Acad Dermatol Venereol 2015; 29: e1–43 CrossRef MEDLINE
4.Lee A, Bradford J, Fischer G: Long-term management of adult vulvar Lichen sclerosus: A prospective cohort study of 507 women. JAMA Dermatol 2015; 151: 1061–7 CrossRef MEDLINE
5.Kirtschig G: Lichen sclerosus—presentation, diagnosis and management. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 337–4 VOLLTEXT

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Fachgebiet

Der klinische Schnappschuss

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