ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2017Anwendungsgebiet wesentlich breiter
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Häuser und Koautoren erstellten eine Übersicht von Metaanalysen randomisierter kontrollierter Studien (RCT) zu medizinischer Hypnose (1). Sie ziehen aufgrund ihrer Auswertung von fünf Metaanalysen mit mindestens 400 Patienten die Schlussfolgerungen, dass die medizinische Hypnose eine wirksame und sichere komplementäre Methode bei medizinischen Eingriffen und Reizdarmbeschwerden sei und, dass Wachsuggestionen Bestandteil einer effektiven Kommunikation mit Patienten in klinischen Alltagssituationen sei. Für diese Veröffentlichung wird wohl jeder dankbar sein, der vom klinischen Nutzen der medizinischen Hypnose beziehungsweise Hypnotherapie überzeugt ist.

Das tatsächliche Anwendungsspektrum der Hypnose beziehungsweise Hypnotherapie bei als somatisch, psychosomatisch oder psychiatrisch klassifizierten Krankheitsbildern, ist jedoch wesentlich breiter.

Dies zeigt zum Beispiel die Veröffentlichung „Ergebnisse Selbstorganisatorischer Hypnotherapie“ anhand von 800 aufgelisteten hypnotherapeutischen Behandlungsfällen mit Katamnese (2). Als somatische Indikationen, für die sich Selbstorganisatorische Hypnotherapie eignet, sind in dieser Fallauflistung unter anderem jeweils mindestens zehnmal angeführt: Adipositas (per) magna, Heuschnupfen, Asthma, Bettnässen, Burn-out-Syndrom, Migräne, Lebensmittelallergien, Lebensmittelunverträglichkeiten, Raucherentwöhnung, Schmerzkontrolle, (chronische) Schmerzstörungen und Tinnitus.

Natürlich ist eine Auflistung von Kasuistiken mit kurzer Katamnese bezüglich des Evidenzgrades nicht annähernd gleichwertig mit Metaanalysen randomisierter kontrollierter Studien. Gleichwohl ist darauf hinzuweisen, dass im gerade anbrechenden Zeitalter der individualisierten Medizin (im angelsächsischen Sprachraum meist: „precision medicine“) die Bedeutung der individuellen Fallbetrachtung zunimmt (3). Solange bis tatsächlich in der täglichen Praxis konsequent Ein-Personen-Studien („N-of-1 trials“) im Sinne systematischer Einzelfallstudien durchgeführt werden, deren Ergebnisse sich ohne größere Probleme mit denen anderer Ein-Personen-Studien (zur gleichen Fragestellung) aggregieren lassen, kann meines Erachtens ein signifikanter Anteil der Indikationen erfolgversprechender Therapieansätze in der medizinischen Fachliteratur nicht angemessen berücksichtigt werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0022b

Dr. med. Christian Wolter

Raubling

100661.2534@compuserve.com

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Häuser W, Hagl M, Schmierer A, Hansen E: The efficacy, safety and applications of medical hypnosis—a systematic review of meta-analyses. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 289–96 VOLLTEXT
2.
Renartz G (ed.): Ergebnisse selbstorganisatorischer Hypnotherapie: Akademie für Autosystemhypnose und Didaktik. 4th edition, Berlin: epubli GmbH, 2015.
3.
Schork NJ: Time for one-person trials: Precision medicine requires a different type of clinical trial that focuses on individual, not average, responses to therapy. Nature 2015; 520: 609–11 CrossRef MEDLINE
1. Häuser W, Hagl M, Schmierer A, Hansen E: The efficacy, safety and applications of medical hypnosis—a systematic review of meta-analyses. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 289–96 VOLLTEXT
2. Renartz G (ed.): Ergebnisse selbstorganisatorischer Hypnotherapie: Akademie für Autosystemhypnose und Didaktik. 4th edition, Berlin: epubli GmbH, 2015.
3. Schork NJ: Time for one-person trials: Precision medicine requires a different type of clinical trial that focuses on individual, not average, responses to therapy. Nature 2015; 520: 609–11 CrossRef MEDLINE

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