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Wir danken den Kollegen Ploeger und Wolter für ihre ergänzenden Hinweise zur medizinischen Hypnose.

Das autogene Training nach Schultz und die gestufte Aktivhypnose nach Kretschmer leiten sich von der klassischen Hypnose ab, stellen jedoch Autosuggestionen der Patienten in den Vordergrund. Diese Verfahren haben eine große Bedeutung für die Entwicklung der Hypnotherapie in Deutschland (1). Leider wurden mit der gestuften Aktivhypnose als auch zur „selbstorganisatorischen Hypnotherapie“ unseres Wissens keine kontrollierten Studien durchgeführt.

Wir stimmen zu, dass Kasuistiken für die klinische Praxis wichtig sind. Das Lehrbuch „Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Ein Manual für die Praxis“ verbindet Fallberichte, Grundlagenforschung und empirische Befunde durch Zusammenfassung von Fallserien, kontrollierten Studien und systematischen Übersichtsarbeiten (1).

Wir danken für die Hinweise auf weitere mögliche Indikationen für medizinische Hypnose. Wir haben uns auf systematische Übersichtsarbeiten mit Metaanalysen und einer Teilnehmerzahl von mindestens 400 Personen begrenzt, um solche Indikationen zu beschreiben, für die eine robuste empirische Evidenz vorliegt (2). Wir erlauben uns den Hinweis, dass inzwischen eine weitere diese Kriterien erfüllende Metaanalyse veröffentlicht wurde, welche die Wirksamkeit von Hypnose/geleiteter Imagination im Vergleich zu Kontrollgruppen und in Kombination mit kognitiver Verhaltenstherapie im Vergleich zu kognitiver Verhaltenstherapie alleine beim Fibromyalgiesyndrom zeigt (3). Die Milton H. Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose veröffentlicht außerdem jedes Jahr eine Übersicht über neue kontrollierte Studien und systematische Übersichtsarbeiten zur klinischen Hypnose und Hypnotherapie, sowohl für die psychosoziale Medizin (Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie) als auch für die somatische Medizin. Wirksamkeitsnachweise aus kontrollierten Studien in der somatischen Medizin liegen unter anderem zu Hypnose als supportive Maßnahme bei der Behandlung von Brustkrebs (zum Beipiel bei Fatigue nach Strahlentherapie) oder bei Hitzewallungen vor (4).

Auch unterstützen wir die Forderung, vermehrt N-of-1-trials in der Medizin durchzuführen. Ein Protokoll für eine systematische Übersichtsarbeit zu N-of-1-Studien für psychologische Interventionen liegt vor (5).

Im Rahmen einer individualisierten Medizin ist die Analyse von Responderraten (zum Beispiel Anzahl der Patienten mit einer klinische relevanten Schmerzreduktion oder Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität) in systematischen Übersichtsarbeiten sinnvoller als die Darstellung von Mittelwerten. Analysen von individuellen Patientendaten aus kontrollierten Studien in der Schmerztherapie haben gezeigt, dass die Schmerzreduktionsraten häufig einer bimodalen Verteilung folgen (5). Einige Patienten berichten eine substantielle (≥ 50 %) Schmerzreduktion, die Mehrzahl der Patienten jedoch keine oder nur eine geringe Schmerzreduktion (< 30 %). Daher war die Hauptzielvariable der in unserer Übersichtsarbeit referierten Metaanalyse zur Hypnose beim Reizdarmsyndrom die Anzahl der Patienten mit einer klinisch bedeutsamen Reduktion der gastrointestinalen Beschwerden (2).

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0023

Prof. Dr. med. Winfried Häuser

Klinik Innere Medizin I, Klinikum Saarbrücken

Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Technischen Universität München

whaeuser@klinikum-saarbruecken.de

Dr. phil. Dipl.-Psych. Maria Hagl

Department Psychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Ernil Hansen

Klinik für Anästhesiologie, Universitätsklinikum Regensburg.

Interessenkonflikte

Prof. Dr. Häuser erhält Tantiemen für CDs mit medizinischer Hypnose beim Reizdarmsyndrom und Fibromyalgiesyndrom vom Hypnos-Verlag. Er ist Dozent für Hypnose der Deutschen Gesellschaft für Ärztliche Hypnose und Autogenes Training. Er ist im wissenschaftlichen Beirat der Milton H. Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose tätig.

Dr. phil. Dipl.-Psych. Hagl erhielt Honorare für Autoren- beziehungsweise Koautorenschaften von der Milton H. Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose (Übersichten zur jährlichen Hypnoseforschung).

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Hansen ist im wissenschaftlichen Beirat der Milton H. Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose tätig.

1.
Revenstorf D, Peter B: Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Ein Manual für die Praxis. 3rd edition, Berlin: Springer 2015 CrossRef
2.
Häuser W, Hagl M, Schmierer A, Hansen E: The efficacy, safety and applications of medical hypnosis—a systematic review of meta-analyses. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 289–96 VOLLTEXT
3.
Zech N, Bernardy K, Hansen E. Häuser W: Efficacy, acceptability and safety of guided imagery/hypnosis in fibromyalgia—A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Eur J Pain 2016; doi: 10.1002/ejp.933 CrossRef
4.
Hagl M: Studien zur Wirksamkeit von klinischer Hypnose und Hypnotherapie im Jahr 2015. Hypnose-ZHH 2016; 11 (1+2): 177–189.
5.
Shaffer JA, Falzon L, Cheung K, Davidson KW: N-of-1 randomized trials for psychological and health behavior outcomes: a systematic review protocol. Syst Rev 2015; 4: 87 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Revenstorf D, Peter B: Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Ein Manual für die Praxis. 3rd edition, Berlin: Springer 2015 CrossRef
2.Häuser W, Hagl M, Schmierer A, Hansen E: The efficacy, safety and applications of medical hypnosis—a systematic review of meta-analyses. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 289–96 VOLLTEXT
3.Zech N, Bernardy K, Hansen E. Häuser W: Efficacy, acceptability and safety of guided imagery/hypnosis in fibromyalgia—A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Eur J Pain 2016; doi: 10.1002/ejp.933 CrossRef
4.Hagl M: Studien zur Wirksamkeit von klinischer Hypnose und Hypnotherapie im Jahr 2015. Hypnose-ZHH 2016; 11 (1+2): 177–189.
5. Shaffer JA, Falzon L, Cheung K, Davidson KW: N-of-1 randomized trials for psychological and health behavior outcomes: a systematic review protocol. Syst Rev 2015; 4: 87 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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