ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2017Fortgeschrittenes Mammakarzinom: Das Risiko für einen Progress wird durch Palbociclib deutlich gesenkt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fortgeschrittenes Mammakarzinom: Das Risiko für einen Progress wird durch Palbociclib deutlich gesenkt

Dtsch Arztebl 2017; 114(1-2): A-32 / B-29 / C-29

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Kombination aus Aromatasehemmung und Inhibition der Cyclin-abhängigen Kinasen 4 und 6 (CDK4/6) wirkt bei hormonrezep-torpositiven (HR+) Mammakarzinomen offenbar synergistisch und kann eine Resistenz gegenüber einer endokrinen Behandlung rückgängig machen. Diese aus früheren Untersuchungen abgeleitete Hypothese hat zum klinischen Studienprogramm PALOMA mit dem CDK4/6-Inhibitor Palbociclib geführt. Nun liegen Daten der PALOMA-2-Studie vor, einer multizentrischen, randomisierten Phase-3-Untersuchung, in der Wirksamkeit und Sicherheit von Palbociclib doppelblind untersucht wurden.

666 postmenopausale Frauen (Durchschnittsalter in den jeweiligen Gruppen: 61 und 62 Jahre) mit fortgeschrittenen HR+/Her2neu- negativen Tumoren, die noch nicht wegen des fortgeschrittenen Tumors systemisch behandelt worden waren, wurden 2:1 randomisiert in einen Studienarm mit Palbociclib (125 mg oral einmal pro Tag für 3 Wochen, dann 1 Woche Pause) plus Letrozol (2,5 mg oral täglich) oder Letrozol plus Placebo. Fast die Hälfte der Patientinnen (je 48 % und 49 %) hatte zuvor neoadjuvant oder adjuvant Zytostatika erhalten und 56 % eine adjuvante Hormonbehandlung. Primärer Endpunkt der Studie war ein um mindestens 31 % reduziertes Risiko für Krankheitsprogress oder Tod, festgestellt mit einer Studienpower von mindestens 90 %.

Der primäre Endpunkt wurde erreicht. Das mediane progressionsfreie Überleben lag unter der Kombination bei 24,8 Monaten und unter Letrozol alleine bei 14,5 Monaten (Hazard Ratio für Progress oder Tod: 0,58 Palbociclib vs. Placebo; 95-%-Konfidenzintervall: 0,46– 0,72; p < 0,001).

Die häufigsten Grad-3/4-Nebenwirkungen im Kombinationsarm waren Neutropenie (66,4 % vs. 1,4 % unter Letrozol plus Placebo), Leukopenie (24,8 % vs. 0 %), Anämie (5,4 % vs. 1,8 %) und Fatigue (1,8 % vs. 0,5 %). Febrile Neutropenien traten bei 1,8 % unter Therapie mit dem CDK4/6-Inhibitor auf, aber bei keiner Patientin im Vergleichsarm. Die Abbruchraten wegen unerwünschter Effekte lagen bei 9,7 % und 5,9 % (Placebo).

Fazit: Das Risiko für die Progression eines fortgeschrittenen hormonrezeptorpositiven Her2neu-negativen Mammakarzinoms reduziert sich durch die Kombination Palbociclib plus Letrozol um 42 % gegenüber Letrozol alleine. Das Hinzufügen von Palbociclib zu einer Letrozolbehandlung erhöht allerdings die Myelotoxizität deutlich. Bei den meisten Patientinnen hätten aber höhergradige unerwünschte Wirkungen durch Dosisreduktionen oder Supportivmaßnahmen kontrolliert werden können, so die Untersucher.

Palbociclib hat Ende letzten Jahres eine EU-Zulassung in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder mit Fulvestrant erhalten zur Therapie bei HR+/Her2neu-negativen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Mammakarzinomen nach endokriner Vorbehandlung.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Finn RS, Martin M, Rugo HS, et al.: Palbociclib and letrozol in advanced breast cancer. N Engl J Med 2016; 375: 1925–36.

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