ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2017Prostatakrebs-Studie: Frühzeitig erkannt
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Kann man die niedergelassenen Urologen wirklich für das Scheitern der „Prefere“- Studie zum Prostatakarzinom verantwortlich machen – oder waren sie nicht eher diejenigen, die deren Problematik frühzeitig erkannten. Schließlich zeigte schon das Studiendesign, dass zwischen den verschiedenen Handlungsoptionen allenfalls kleine Unterschiede in den primären onkologischen Zielen (besonders den Überlebensraten) zu erwarten waren. Da liegt es doch auf der Hand, dass eher die Häufigkeit und die subjektive Bewertung etwaiger Behandlungsfolgen für die initiale Entscheidung der Betroffenen maßgeblich sein sollten. Dass diese Unterschiede – insbesondere in ihrer Qualität – im Gegensatz zum onkologischen „outcome“ bedeutend sind, bestätigte erneut die gleichfalls kommentierte britische Studie.

Dass der zusätzliche onkologische (Grenz-)Nutzen neuer therapeutischer Verfahren immer geringer wird, ist im Übrigen eine generelle Entwicklung. Sie zeigt sich auch bei den vom Präsidenten der Deutschen Krebsgesellschaft erwähnten Lymphomstudien und auch für neue diagnostische Verfahren. Für die Gendiagnostik beim Mammakarzinom wurde dieses Problem durch das IQWiG klar benannt. Bekannt ist es auch für die limitierte Bedeutung des MRT beim Prostatakarzinom – auch wenn ein buntes Bild (Dsch. Ärztebl. 113, p. 1901) fälschlicherweise anderes suggerieren mag.

Ungeachtet der Meinungen der Protagonisten betroffener Fachdisziplinen sollte man diese Grenzen „moderner“ diagnostischer und therapeutischer Verfahren auch allen Betroffenen ehrlich vermitteln. Aufgabe der behandelnden Ärzte ist dabei,

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ihren Patienten auch oft nur geringe Fortschritte offen – ggf. in absoluten (und nicht relativen!) Prozentangaben – darzulegen und negative Auswirkungen nicht zu verschweigen. Dass dabei etwaige Unterschiede in den Therapiefolgen immer wichtiger werden – insbesondere in höherem Lebensalter – sollte nicht nur bei Männern mit Prostatakarzinom selbstverständlich sein. Nur so kann man spätere Enttäuschungen vermeiden.

Prof Dr. rer. nat. Dr. med. Dipl. math. Clemens F. Hess, 37075 Göttingen

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