ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2017Prostatakrebs-Studie: Revolutionierte Diagnostik
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Das prätherapeutische Grading und Stag-ing des Prostatakarzinoms bereitet derzeit trotz Einsatz der systematischen 12-Core-TRUS-Biopsie große Probleme: Die TRUS-Biopsie liefert initial bei etwa der Hälfte der Patienten falschnegative Ergebnisse. Zudem werden zwischen 30 und

50 % der „positiv“ biopsierten Patienten bezüglich Gleason-Score bzw. Tumorstadium (im Vergleich zu histologisch aufgearbeiteten Prostatektomie-Präparaten) vor allem durch „undergrading“ und „understaging“ falsch eingestuft. Je größer die Prostata, desto schwieriger die prätherapeutische Einstufung.

Dieses Dilemma ... könnte durch den Einsatz der multiparametrischen 3T-Kernspintomographie der Prostata (mpMRP) mit standardisierter Befundung gelöst werden. Unsere eigenen ... Ergebnisse bei 183 Patienten (67 Pat. biopsiert; PC bei 56 Pat.

gesichert, davon 35 prostatektomiert) mit abklärungsbedürftigem PSA-Wert < 30 ng/ml zeigen eine hohe Genauigkeit (patientenbezogen > 95 %, lappenbezogen > 85 %) der MR-Methode im Vergleich zum Operationspräparat bzw. Ergebnis nach kombiniert gezielter/systematischer Biopsie.

Eine vor Prostatabiopsie in ca. 20 Minuten durchführbare mpMRP ist in der Lage, bioptisch kaum oder nur schwer zugängliche Läsionen (z. B. PC ausgehend vom anterioren Stroma; apikale u. anterolateral gelegene PC; ca. 10–20 % aller PC-Lokalisationen) exakt darzustellen und so eine primär gezielte Biopsieplanung mit verbesserter Prostatakarzinomdetektionsrate zu ermöglichen; andererseits könnte eine normale mpMRP eine invasive Biopsie bei vielen Patienten mit abklärungsbedürftigem PSA-Wert/Verlauf überflüssig machen. Ergänzend kann mit der mpMRP ein lokales Tumorstaging mit hoher Genauigkeit durchgeführt werden.

Die multiparametrische MRT hat sich in den letzten Jahren als sichere und zuverlässige Methode mit hoher Sensitivität und Spezifität für die Detektion des Prostatakarzinoms etabliert. In Kenntnis des MR-Befundes wird der auffällige Bereich gezielt angesteuert und so eine größere Zuverlässigkeit des initialen Biopsieergebnisses erreicht – eine essenzielle Voraussetzung für die Patientenstratifizierung in modernen Therapiestudien.

Erfreulicherweise erwähnt der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, Prof. Dr. Albers ..., dass „sich die Diagnostik des Prostatakarzinoms im Laufe der bisherigen Rekrutierung durch die Einführung der multiparametrischen Magnetresonanztomographie (MRT) revolutioniert …“ habe. Leider wird dieser revolutionären Methode bisher weder in den urologischen Leitlinien Rechnung getragen noch wird diese Leistung von den gesetzlichen Kassen bezahlt – vielleicht bleibt hierfür etwas Geld aus der abgebrochenen PREFERE-Studie übrig.

Dr. med. Roland Scheck, 83734 Hausham

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