ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2017Therapie von Defekten des Gelenkknorpels: Autologer Knorpel aus der Nase erfolgreich übertragen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Therapie von Defekten des Gelenkknorpels: Autologer Knorpel aus der Nase erfolgreich übertragen

Dtsch Arztebl 2017; 114(1-2): A-31 / B-28 / C-28

Gerste, Ronald D.

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Verletzungen des Gelenkknorpels sind schmerzhaft, prädisponieren zur Osteoarthritis und können Behinderungen zur Folge haben. Bisherige Behandlungsmethoden haben teilweise unbefriedigende Ergebnisse gezeigt wie eine eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Gelenks. Die autologe Gelenkchondrozyten-Implantation kann kurzfristig die Symptome verbessern, doch scheint eine dauerhafte Wiederherstellung der Knorpelfunktion ebenso wie eine Kosteneffektivität der Methode fraglich.

Chondrozyten aus dem Nasenseptum sind in ihrer knorpelbildenden Kapazität den Gelenkknorpelzellen deutlich überlegen. Am Department für Chirurgie und Biomedizin der Universität Basel sind nasale Chondrozyten bei 10 Patienten mit traumatischen Knorpelschäden im Kniegelenk entnommen worden. Die Knorpelzellen wurden in vitro vermehrt, so dass sie den Defekt im Empfängerknie abdecken konnten: Bei 4 Patienten betrug die Defektfläche 2,0–2,4 mm2, bei 2 Patienten 5,0–6,0 mm2. Alle hatten ausgeprägte posttraumatische Knorpeldefekte am Femurcondylus oder an der Trochlea. Die Implantate wurden auf Defektgröße geschnitten und über eine Mini-Arthrotomie eingesetzt.

Nach 24 Monaten gaben die Patienten eine deutliche Besserung der Schmerzen, der Kniefunktion und der Lebensqualität an. Es gab 2 schwere Ereignisse, beide aber nicht in Zusammenhang mit dem implantierten Graft. An der Entnahmestelle wurden keine Komplikationen beobachtet.

Der klinische Verlauf sei ermutigend, so die Autoren. Nun folge eine internationale, multizentrische Phase-2-Studie, um aussagekräftige Daten zur Wirksamkeit zu erhalten.

Fazit: Erstmals sind in einer klinischen Studie nasale Chondrozyten zur Reparatur von traumatischen Knorpeldefekten im Kniegelenk verwendet worden. Die Studie belege die Machbarkeit des Verfahrens, kommentieren Prof. Dr. med. Nicole Rotter von der Universitäts-HNO-Klinik Ulm und Prof. Dr. med. Rolf Brenner von der Klinik für Orthopädie derselben Universität (2). Es ließen sich ausreichend große Grafts aus nasalen Chondrozyten herstellen und chirurgisch implantieren. Die unterschiedlichen Grade von Defektfüllungen und die Qualität des Reparaturgewebes seien in MRT-Untersuchungen dokumentiert worden. Die Kommentatoren weisen darauf hin, dass nicht nur das Kniegelenk, sondern auch die Entnahmestelle nachuntersucht werden sollten: „Es ist von äußerster Wichtigkeit, dass Knorpel nur vom zentralen Teil des Septums entnommen wird, mit Erhalt von mindestens 1 cm der dorsalen und der kaudalen Septumstützen. Anderenfalls besteht ein Risiko für die Form und Stabilität der Nase.“

Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Mumme M, et al.: Nasal chondrocyte-based engineered autologous cartilage tissue for repair of articular cartilage defects: an observational first-in-human trial. Lancet 2016, 388: 1985–94.
  2. Rotter N, Brenner RE: Cartilage repair across germ layer origins. Lancet 2016; 388:1957–8.

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