ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2017Klimakterium: Risikoprävention
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Die Lebensphase zwischen 45 und 55 Jahren ist für Frauen kaum als psychosoziale Schwellensituation einzustufen. Bei Berufstätigkeit stehen weitere 10 bis 20 Jahre bevor. Bei heutiger Parität um 30 Jahre sind Kinder 15 bis 25 Jahre alt und mehrheitlich in Schule, Ausbildung oder Stu-dium, also mit Müttern eng verbunden.

Die Menopause um 50 Jahre kann als „wider die Natur“ eingestuft werden mit maximalen Gonadotropin-Ausschüttungen zur Ovarial-Stimulation ohne Hormon-produktion wegen verbrauchter Follikel.

Zur fast „unnatürlich“ verdoppelten Lebenserwartung um 80 Jahre bei Frauen war jene vor 150 Jahren mit 40 Jahre also fast frei von klimakterischen Problemen. Denn Lebenserwartung und erlöschende Ovarialfunktion lagen zeitlich eng zusammen.

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Die von den Autoren angeführte Drittelung klimakterischer Beschwerden nach Schwere hat wesentlich mit der eigenen Anspruchshaltung zu tun. 9 von 10 Frauenärztinnen nutzen für sich selbst Hormonsubstitution.

Neben klimakterischen Beschwerden als Hormonsubstitutions-Indikation gilt in den USA Osteoporoseprävention als eigenständige Indikation mit dem Ziel der Risikohalbierung. Die dritte Indikation unabhängig von Beschwerden ist Menopause vor 45 Jahren und früher wegen 50 % höherer KHK-Morbidität und 18 % höherer KHK-Mortalität im Vergleich zur Menopause über 52 Jahre. Diese dänischen Daten (n = 50 000) (1) ergaben 12 % höhere Gesamtmortalität.

Umgekehrt kann rechtzeitig begonnene Substitution die Gesamtmortalität zwischen 50 und 75 Jahren um 2 je 100 reduzieren – ebenfalls Ergebnis einer skandinavischen Studie (2).

Herzinfarkt und Apoplex verursachten in WHI oral hochdosierte und spät begonnene Hormonsubstitution. Die WHI Initiatoren bedauerten dies 2016 (3).

Fazit: statt subjektiver Beschwerde-Diskussion gehört somatischer Risikoprävention die Zukunft.

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. J. M. Wenderlein, 89075 Ulm

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