ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2017Innovationsfonds: 29 Projekte für die innovative Versorgung

POLITIK

Innovationsfonds: 29 Projekte für die innovative Versorgung

PP 16, Ausgabe Januar 2017, Seite 10

Beerheide, Rebecca

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz hat das Gesundheitswesen eine große Forschungsförderung erhalten: Jährlich sollen 300 Millionen Euro für neue Modelle ausgegeben werden. Eine erste Liste wurde nun veröffentlicht. In vier Jahren könnten erste Projekte Teil der Regelversorgung sein.

Versorgung an 29 Orten neu gedacht: Auf www.aerzteblatt.de/innovationsfonds finden Sie eine interaktive Übersicht über alle Projekte.
Versorgung an 29 Orten neu gedacht: Auf www.aerzteblatt.de/innovationsfonds finden Sie eine interaktive Übersicht über alle Projekte.

Über mangelndes Interesse an den Geldern aus dem Innovationsfonds kann man sich im Gesundheitswesen nicht beklagen: Insgesamt hätten 1,7 Milliarden Euro ausgegeben werden können, 570 Projektanträge mussten binnen weniger Monate begutachtet werden, etliche Tages- und Nachtsitzungen des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) folgten.

Anzeige

Am Ende haben 29 Projekte im Bereich neue Versorgungsformen im Volumen von insgesamt 225 Millionen Euro den Zuschlag bekommen, 62 Projekte wurden für die Förderung der Versorgungsforschung ausgewählt. Für diese wurden 75 Millionen Euro für das Jahr 2016 vergeben. Die 29 Projekte hat der G-BA Ende November in Berlin offiziell vorgestellt.

Zweifel bis zuletzt

Für den unparteiischen Vorsitzenden des G-BA, Josef Hecken, ist es fast ein biblischer Moment, dass die Arbeit am Innovationsfonds „vollbracht“ ist. Er habe noch Anfang des Jahres daran gezweifelt, ob der Aufbau des Fonds sowie eine strukturierte Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten der Selbstverwaltung in kurzer Zeit funktionieren könne. Obwohl es – so ist es zu vernehmen – hinter den verschlossenen Sitzungstüren öfter heftige Auseinandersetzungen gegeben haben soll, bewerteten die Ausschussmitglieder die Zusammenarbeit positiv: „Wir konnten uns hier einmal auf einem anderen Feld treffen und Themen friedlich miteinander aushandeln“, erklärte Dr. med. Nicole Schlottmann von der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Zum Start der Projekte zeigte sich Hecken zufrieden, dass vor allem große Vorhaben ausgewählt wurden. Denn seiner Meinung nach ist die Größe entscheidend, ob es ein Projekt nach vier Jahren in die Regelversorgung schafft. „Der Erfolg des Innovationsfonds wird daran gemessen, dass eine gewisse Zahl von Projekten in die Regelversorgung geführt werden“, so Hecken. „Und wenn wir das nicht schaffen, müssen sich die Bänke im G-BA fragen lassen, warum gut evaluierte Projekte nun nicht umgesetzt werden.“ Der Appell, den ebenfalls die Patientenvertreterin Ilona Köster-Steinebach bekräftigte, geht auch an die Politik: „In vier Jahren müssen die Gesundheitspolitiker auch offen dafür sein, neue Strukturen in die Gesetzgebung eingehen zu lassen.“

Dass die ausgewählten Projekte einen großen Umfang haben werden, zeigt die vorgestellte Liste eindrücklich: Bei 28 der 29 Projekte sind Krankenkassen beteiligt, bei 14 sind Unikliniken federführend. In vielen Bereichen sind auch die Kassenärztlichen Vereinigungen engagiert, außerdem sind Kommunen und städtische Regionen mit dabei. „Bei vielen Projekten sehen wir große Chancen, dass sie den Kollektivvertrag weiterentwickeln können“, sagte Dr. med. Sibylle Steiner von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Keine Trittbrettfahrer mehr

Für den Vorsitzenden des Expertenbeirates des Innovationsfonds, Prof. Dr. phil. Holger Pfaff, sind der Fonds und die Projekte auch ein Meilenstein für die deutsche Forschung: „Wir waren international immer Trittbrettfahrer, jetzt können wir zum Selbstversorger werden. Unsere eigenen Projekte lassen sich viel besser auf die deutsche Versorgungsrealität übertragen als internationale Ergebnisse.“ Besonders lobte er, dass es durch die Zusammenarbeit in den Projekten zu vielen innovativen Strukturen kommt: „Wir haben innovative Konstellationen, was die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen betrifft. Auch die Kommunen sind als Innovator dazugekommen.“

Enttäuscht zeigte sich Hecken, dass kaum Projekte, die die Versorgungsmodelle für pflegebedürftige und ältere Menschen untersuchen, eingereicht wurden. Für Projekte, bei denen Delegations- und Substitutionsmodelle erprobt werden, wurden keine Anträge eingereicht.

Für den Förderungsbereich der Versorgungsforschung hat der Innovationsausschuss nun 62 Projekte angeschrieben, die Fördergelder erhalten sollen. Die Liste dazu ist noch nicht öffentlich – dazu müssen erst alle 62 Projekte der Förderungsvereinbarung bis zum 12. Dezember zustimmen.

Rebecca Beerheide

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema