ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2017Sexueller Kindesmissbrauch: Betroffene können sich vertraulich mitteilen

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Sexueller Kindesmissbrauch: Betroffene können sich vertraulich mitteilen

PP 16, Ausgabe Januar 2017, Seite 4

Bühring, Petra

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Vor einem Jahr wurde die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs ins Leben berufen. Nun zog sie eine erste Bilanz. „Wir unterscheiden drei Arten von Taten: Die, die geschehen sind, das Vertuschen und Wegsehen danach und schließlich, wie mit den Betroffenen heute umgegangen wird“, sagte Prof. Dr. phil. Sabine An-
dresen, Vorsitzende der Aufarbeitungskommission. Unter dem Motto „Geschichten, die zählen“ hört die Aufarbeitungskommission vertraulich Menschen an, die sexuellen Missbrauch in Kindheit oder Jugend erlebt haben.

Sexueller Missbrauch in der Kindheit beeinträchtigt die Betroffenen lebenslang. Foto: iStockphoto
Sexueller Missbrauch in der Kindheit beeinträchtigt die Betroffenen lebenslang. Foto: iStockphoto

Dabei ist die Kommission international die erste, die sexuellen Kindesmissbrauch auch in Familien und nicht nur in Institutionen in den Blick nimmt. Zur Verfügung stehen dafür vertrauliche Anhörungen, öffentliche Hearings, Berichte, Werkstatt- und Fachgespräche sowie Forschungsprojekte. Rund 40 vertrauliche Anhörungen wurden seit September durchgeführt und 415 Anmeldungen für weitere Anhörungen liegen vor. „Die meisten Betroffenen wollen, dass ihr Leid gehört wird und dass ihnen geglaubt wird“, berichtete Andresen, „denn viele haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass an ihren Geschichten gezweifelt wird.“ Darüber hinaus spiele bei vielen das Thema Erwerbsunfähigkeit eine Rolle. „Wir führen wieder erschütternde Gespräche“, sagte Christine Bergmann, die von 2010 bis 2011 Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs war. „Viele Betroffene sagen uns, dass sie keine Entschädigung nach dem Opferentschädigungsgesetz bekommen.“ So würden Ostdeutsche beispielsweise keine Entschädigung erhalten, wenn die missbräuchlichen Taten vor 1990 stattgefunden haben. „Hier hat sich in all den Jahren nichts getan“, kritisierte Bergmann.

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Betroffene und andere Zeitzeugen können sich telefonisch bei der Aufarbeitungskommission melden: 0800 40300400 oder auch per Mail oder Brief. Kontakt unter www.aufarbeitungskommission.de PB

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