THEMEN DER ZEIT

Psychotherapiepraxis als Unternehmen (2): Die Säulen der Finanzierung

PP 16, Ausgabe Januar 2017, Seite 24

Gross, Werner

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In die Gründung einer Praxis muss investiert werden. Die meisten Psychotherapeuten werden sich deshalb mit dem Thema Finanzierung beschäftigen müssen.

Über Geld spricht man nicht“ heißt es immer noch im beruflichen Umfeld vieler – vor allem im Gesundheitsbereich. Gerade bei den Selbstständigen wird viel „geflunkert“ – entweder wird heillos übertrieben oder – nach dem Motto „Jammern gehört zum Handwerk“ – alles kleingerechnet. Belastbare und realistische Zahlen sind eher selten. Deshalb soll es hier um das Thema Geld gehen. Denn alle selbstständigen Psychotherapeuten (ärztliche, Psychologische oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten) verbindet, dass sie bei der Praxisgründung nicht darum herumkommen, sich mit den (betriebs)wirtschaftlichen Aspekten ihrer Praxis auseinanderzusetzen.

Wenn man über die finanziellen Aspekte einer psychotherapeutischen Praxis spricht, kann man das Thema grob in drei Bereiche unterteilen:

  • Gründungsinvestition und Finanzierung
  • Einnahmen – Ausgaben = Überschuss (aktuell und laufend)
  • Honorargestaltung

Schwerpunktmäßig soll es hier um das Thema „Gründungsinvestition und Finanzierung“ gehen, die beiden anderen Themen werden in kommenden Ausgaben von PP dargestellt.

Binnenstrukturierung

Ganz allgemein ist es sinnvoll, die Planung der Existenzgründung in drei Zeitabschnitte zu unterteilen: kurz-, mittel- und langfristig. Im Bereich der Praxisgründung versteht man unter kurzfristig einen Zeitrahmen bis zu drei Monaten. Mittelfristig bedeutet in diesem Fall drei Monate bis drei Jahre, und langfristig ist alles, was drüber hinausgeht. Diese Unterteilung macht eine unstrukturierte Situation binnenstrukturiert und damit handhabbar(er). Man stellt sich die Frage: Was muss bis wann erledigt sein und bei was kann ich mir Zeit lassen?

Im Wesentlichen gibt es drei Ziele wirtschaftlichen Handelns:

  • Liquidität: Man versteht darunter die (kurzfristige) Zahlungsfähigkeit. Wenn die Praxis zahlungsunfähig wird, also die offen- stehenden Rechnungen nicht mehr beglichen werden können, droht der Konkurs und die Insolvenz.
  • Rentabilität: Hierunter versteht man den angemessenen materiellen Erfolg der beruflichen Tätigkeit, wie viel Geld man also durch die Arbeit erwirtschaften (kann). Man nennt das auch die „Ertragsstärke“ der Praxis. Denn diese ist Grundlage für den Lebensunterhalt und die Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Einrichtung.
  • Sicherheit: Hierbei geht es um das langfristige Bestehen und Überleben der Praxis. Man kann die Zukunft zwar nicht voraussehen, aber versuchen, sie zu beeinflussen – und dazu zählt eine gute Planung. Diese gelingt (mit dem Ziel der Risikominimierung) besonders gut, wenn man den Markt gut kennt, also gute Marktforschung und passendes Marketing betrieben wurde. Das ist auch unabdingbar, wenn es um die Beantragung von Krediten und Fördermitteln geht. Idealerweise sollte diese Planung in einem Businessplan dargestellt werden.

Erfahrungsgemäß bewegen sich die durchschnittlichen Kosten des Aufbaus und der Gründung einer psychotherapeutischen Praxis zwischen 5 000 Euro und 50 000 Euro – abhängig davon, welcher Stil bevorzugt wird, wo die Praxis liegt (Standortwahl), welche Klientel Zielgruppe ist und nicht zuletzt, was sich der Psychotherapeut leisten kann und will. Nicht mitgerechnet sind in diesen Beträgen die Übernahmekosten für einen Kassenarztsitz.

Detaillierte Planung

Neben Kosten für Behandlungszimmer, Wartezimmer und Garderobe, Büro, Teeküche und Infrastruktur zum Thema Werbung sollte auch ein Puffer für Unvorhergesehenes von 10 bis 25 Prozent eingeplant werden. Die Tabelle vermittelt einen Eindruck davon, wie detailliert die Planung aussehen sollte. Damit ist mit „Kosten minimal“ die sparsame und vorsichtige Ausstattungsvariante gemeint; reichlich und bequem ist unter „Kosten optimal“ zusammengefasst. Natürlich ist es abhängig von der persönlichen finanziellen Situation, wie viel man für einzelne Einrichtungsgegenstände ausgeben möchte, allerdings sollte man sich schon am Anfang die Frage stellen, ob es sich wirklich lohnt, zunächst zu „kleckern“ und zum Beispiel einfachere Sessel zu kaufen, die zwar anfangs das Budget weniger belasten, aber dafür nur kurze Zeit halten oder gleich etwas Hochwertigeres anzuschaffen. Immerhin verbringt man auf besagten Sesseln einen Großteil seiner Arbeitszeit.

Kosten einer psychotherapeutischen Praxis
Tabelle
Kosten einer psychotherapeutischen Praxis

Während man Investitionen meist nur einmal tätigt, sind die laufenden Kosten etwas, das einen Selbstständigen solange begleitet, wie die Praxis existiert. Deswegen lohnt es, hier ganz genau zu rechnen. Neben der Miete und den Mietnebenkosten sind außerdem Kosten für den Praxisbedarf (Verbrauchsmaterialien: Büromaterial, Telefon, Homepage, Dekoration), die berufliche Weiterentwicklung (Fachliteratur, Weiterbildung, Supervision), Reisekosten (Auto, Bewirtung, Bahn), gegebenenfalls Personalkosten und allgemeine Gebühren ((Praxis-)Versicherungen, Bankgebühren, Steuern) zu berücksichtigen.

Woher das Geld kommt, nennt man Finanzierung. Ganz allgemein fußt die Finanzierung einer Praxis auf drei Säulen:

  • Eigenmittel
  • Fremdmittel (Kredite)
  • Fördermittel (für Details siehe www.gruendungszuschuss.de)

Zusätzlich zu den genannten (doch sehr oft begrenzten) Eigenmitteln (zum Beispiel angespartes Geld auf Konten, Sparbüchern, Wertpapiere, verwertbare Sachmittel als Übertrag vom Privat- ins Betriebsvermögen, Eigenleistungen) ist eine weitere Möglichkeit die Finanzierung über Fremdmittel (Kredite) von Banken und Sparkassen. Je nach Finanzierungszweck werden unterschiedliche Formen von Investitionskrediten unterschieden. Für die Bank ist entscheidend, dass der Kreditnehmer jederzeit in der Lage sind, den eingegangenen Zahlungsverpflichtungen (Zinszahlung und Tilgung) nachzukommen. Die Höhe des Zinssatzes ist dabei abhängig von den wirtschaftlichen Verhältnissen sowie der Werthaltigkeit der Sicherheiten, die für den Kredit gestellt werden. Damit gilt: Je geringer das Risiko für die Bank, desto geringer der Zins. Derzeit sind die Zinsen extrem günstig.

Eine Unterform der Fremdmittel sind öffentliche Fördermittel. Zum Beispiel bieten Bund, Bundesländer und auch die Europäische Union Förderprogramme für Existenzgründer an. In mehreren Regionen gibt es auch immer wieder spezielle Existenzgründungsförderprogramme zum Beispiel für Frauen. Dabei handelt es sich meistens um Darlehen, aber auch mitunter um nicht-rückzahlbare Zuschüsse. Typisch für öffentliche Förderdarlehen sind unter anderem günstige Zinsen, lange Laufzeiten und häufig eine rückzahlungsfreie Zeit, bis der Kreditnehmer mit der Rückzahlung der Kredite beginnen muss. Ausführliche Informationen zu allen Förderprogrammen des Bundes, der Länder und der Europäischen Union findet man in der www.foerderdatenbank.de.

Bei der Beantwortung vieler hier aufgeworfener Fragen kann eine Existenzgründungsberatung eine sinnvolle Unterstützung sein. Die Internetseite www.unternehmensberaterscout.de sucht Existenzgründungsberater im regionalen Umfeld.

Der Businessplan

Um potenziellen Geldgebern, also meistens den Banken gegenüber einen glaubwürdigen und professionellen Eindruck zu machen, sollte für das Kreditgespräch ein Businessplan erstellt werden. Dieser berücksichtigt inhaltlich folgende Punkte:

  • Die Geschäftsidee, die Vision, Strategie und Rechtsform
  • Die Wettbewerbssituation
  • Marketing und Akquise
  • Die Zielgruppe und eine Marktanalyse (wer und was befindet sich im unmittelbaren Umfeld?)
  • Angebote und Preise
  • Die Finanzierung des Vorhabens
  • Betriebswirtschaftliche Planrechnung, Einnahmen – Ausgaben = Überschuss.

Um die Finanzierung und Marketingmaßnahmen konkreter zu planen, empfiehlt es sich, die persönliche finanzielle Situation zunächst mit einem Steuerberater oder Finanzfachmann durchzusprechen. Dieser kann durch seine fachliche Expertise zu der Gewissheit verhelfen, dass sich das Vorhaben rechnet und trägt.

Werner Gross

Dipl.-Psych. Werner Gross, Psychologisches Forum Offenbach, Bismarckstraße 98, 63065 Offenbach/Main, E-Mail: pfo-mail@online.de

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