ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2017Strukturreform: Weiterer Schildbürgerstreich
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Man fragt sich schon, wer da im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss und zugehörigen Verwaltungen die jeweils neuesten Ideen ausheckt. Die Absicht ist wohl oft noch erkennbar, die Realisierung lässt jedoch darauf schließen, dass von den beteiligten Personen kaum jemals eine/r den Ablauf einer Psychotherapeutischen Praxis wirklich kennen gelernt hat. Die neue Sprechstundenverordnung kommt daher wie ein weiterer Schildbürgerstreich, der zu mehr Arbeit, Verwaltungsaufwand und Organisation führt, aber völlig an dem intendierten Ziel vorbeischießt. Es wäre sicher sinnvoll, die Schnittstellen zwischen allen System-beteiligten (Patienten, Leistungserbringern, Kostenträgern, Ämtern und Behörden, et cetera) zu verbessern. Aber nicht so! Ich habe meine Sprechzeiten in Vorwegnahme der neuen Regel schon vor Monaten von „zwischen 10 und 19 Uhr jeweils kurz vor der vollen Stunde“ umgestellt auf zweimal pro Woche eine halbe Stunde feste Telefonzeit jeweils zwischen 10 und 11 Uhr. Das alte Format gab den Patienten die Möglichkeit, mich unkompliziert anzusprechen und auch relativ kurzfristig Termine zu besprechen oder zu verlegen.

Und jetzt – das Ergebnis? Zwischen den Stunden ruft kaum noch jemand an, in den Telefonzeiten aber auch nicht. Die Leute (die Krankenkassen genauso) sprechen weiterhin auf Band und äußern ihre Wünsche, und müssen dann natürlich auch zurückgerufen werden. Dies muss natürlich auch zu einer Zeit erfolgen, wenn sie erreichbar sind, was in aller Regel nicht zu den Zeiten ist, wenn meine Telefonsprechstunde terminiert ist. Außerdem sollte in dieser Zeit ja auch die Leitung frei sein, damit zumindest theoretisch andere Patienten anrufen können. Damit werde ich ab April drei Stunden zusätzliche Bereitschaft schieben, in der nicht produktiv gearbeitet werden kann. Die Anfragen von Patienten, Kostenträgern und anderen kommen ohnedies sehr unregelmäßig. Es ist völlig widersinnig, für diesen dynamischen Arbeitsanfall drei starre Stundenvorgaben zu machen. (...)

Alexander Weicker, 80336 München

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