ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2017Suizidversuche und Gewalt: Psychische Erkrankungen der Eltern erhöhen Risiko

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Suizidversuche und Gewalt: Psychische Erkrankungen der Eltern erhöhen Risiko

PP 16, Ausgabe Januar 2017, Seite 34

Gießelmann, Kathrin

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Bestimmte psychische Krankheitsbilder der Eltern erhöhen das Risiko ihrer Kinder für einen Suizid oder Gewaltdelikte. Am gefährdetsten sind Kinder von Eltern mit antisozialer Persönlichkeitsstörung, Cannabissucht oder eigenem Suizidrisiko. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die ein großes Spektrum psychischer Krankheitsbilder von Alzheimer über Schizophrenie bis Angststörungen untersucht hat. Die Forscher um Roger T. Webb von der University of Manchester untersuchten mehr als 1,7 Millionen Menschen ab ihrem 15. Lebensjahr in Dänemark über maximal 30 Jahre.

Gewaltdelikte und Suizidversuche kamen häufiger bei Kindern vor, deren Mutter oder Vater eine der untersuchten psychischen Erkrankungen hatte: Alzheimer, vaskuläre Demenz, Alkohol- und Cannabissucht, Schizophrenie, Bipolare Störung, Depression, Angst- und somatoforme Störungen, Border-line-Störung, antisoziale Persönlichkeitsstörung, Suizidrisiko.

Litten Eltern an einer antisozialen Persönlichkeitsstörung, so stieg das Risiko um das drei- bis vierfache im Vergleich zu Kindern, deren Eltern diese psychische Krankheit nicht hatten.

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Für Cannabismissbrauch oder eigene Suizidversuche waren die Wahrscheinlichkeiten, dass die Kinder selbst suizidal wurden oder Gewaltdelikte begangen, ähnlich hoch (Incidence Rate Ratio [IRR]: 3,31 bis 4,05). Hatten beide Elternteile eine psychische Störung oder einen Suizidversuch hinter sich, so verdoppelte sich das Risiko der Kinder für einen Suizidversuch oder Gewaltdelikte. Die Forscher beobachteten einen Unterschied zwischen gewalttätigen Mädchen und Jungen. Beim weiblichen Geschlecht wirkte sich die psychische Gesundheit der Eltern etwa um ein Drittel stärker aus (IRR: etwa 2 versus 3). Bei den kindlichen Suizidversuchen hingegen konnten die Autoren keinen Unterschied feststellen.

Die Studie weist ein paar Einschränkungen auf, schreiben die Autoren. Denn nicht alle möglichen Einflussparameter wurden untersucht. Zwar floss der sozioökomische Status der Eltern in die Ergebnisse mit ein. Deren eigene eventuell kriminelle Vergangenheit und soziale wie auch umweltbedingte Einflüsse wurden bei der Auswertung jedoch nicht berücksichtigt. Der Einfluss psychisch kranker Eltern auf Suizidversuche und Gewaltdelikte ihrer Kinder könnte daher überbewertet sein, vermuten die Kommentatoren. Sie nennen Misshandlung und Trennung der Eltern als Beispiele. Aber auch der Drogen- und Alkoholkonsum der Eltern während der Schwangerschaft wirke sich aus. So erklären sie auch, dass Cannabismissbrauch an dritter Stelle der Risikofaktoren beobachtet wurde. Zudem haben Eltern mit einem Drogenmissbrauch ein erhöhtes Risiko, selbst als Kind misshandelt worden zu sein. gie

Mok PLH, Bøcker Pedersen C, Springate D, Astrup A, Kapur N, Antonsen S, Mors O, Webb RT: Parental Psychiatric Disease and Risks of Attempted Suicide and Violent Criminal Offending in Offspring – A Population-Based Cohort Study. JAMA Psychiatry. Published online August 31, 2016: doi: 10.1001/jamapsychiatry.2016.1728

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