ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2017Psychoanalytische Entwicklungswissenschaft: Standardwerk für die nächsten Jahrzehnte

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Psychoanalytische Entwicklungswissenschaft: Standardwerk für die nächsten Jahrzehnte

PP 16, Ausgabe Januar 2017, Seite 35

Moser, Tilmann

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Die beiden Herausgeber, die Psychoanalytiker Bernd Traxl und Gerald Poscheschnik sagen Freuds „retrospektivem Forschungsansatz“, der die Seele des Kindes aus Analysen an Erwachsenen deutete, sozusagen Ade, nicht ohne ihn historisch zu würdigen. Seither sind in vielen Disziplinen, mit neuen Methoden und seit vielen Jahrzehnten, unendliche Mengen an Erkenntnissen zur menschlichen Psyche eingebracht worden. Die Herausgeber konzentrieren sich auf analytische Ansätze, die in den verschiedensten Sparten, in die sich Psychoanalyse inzwischen aufgeteilt hat, verfolgt werden. Allein die Übersicht über den Stand der Forschung stellt eine Großtat der, in deren Dienst sich eine Reihe von bedeutenden Forschern gestellt hat. Entstanden ist ein Handbuch von über fünfhundert Seiten, das nicht nur eine grundlegende Orientierung erlaubt, sondern auch dem Psychotherapeuten und Analytiker erlaubt, sich selbst neu zu orten in den verschiedenen eigenen biografischen und beruflichen Phasen: „Was habe ich selbst durchlaufen an Erleben und Begreifen von pränatalen Stadien bis ins hohe Alter?“, eine Entwicklung, die heute gesehen wird von pränatal bis in die spätesten Verwandlungen der Psyche.

Der Leser staunt, in wie viele Teildisziplinen sich das Thema inzwischen aufgegliedert hat, doch jede kompetente Einzeldarstellung wird in einem Kurzkapitel „Würdigung“ leicht verständlich noch einmal rekapituliert. Hervorgehoben seien aus der Fülle nur die von verschiedenen Spezialisten ausgearbeiteten Kapitel über den therapeutischen Umgang mit den verschiedensten Altersgruppen von Patienten. Zentral wichtig sind die Abrisse über die aufeinanderfolgenden, auch sich überlappenden Phasen der Theorieentwicklung in der Geschichte der Psychoanalyse: Triebtheorie, Ichpsychologie, Objektbeziehungslehre, Selbstpsychologie, strukturelle Psychoanalyse, Bindungstheorie und Intersubjektivität. Der Leser empfängt ein kommentiertes Panorama der parallelen meist konkurrierenden „Schulen“ mit deren Gründern und Hauptvertretern und den Grabenkämpfen untereinander. Hilfreiche Literaturangaben vervollständigen das Bild.

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Ebenso spannend sind die ausführlichen Abhandlungen über die „Psychoanalytische Theorie der Lebensspannen“ mit den Folgen für spezielle Therapievorschläge. Der Band dürfte für Jahrzehnte ein Standardwerk für sämtliche Spielarten aller freudianisch orientierten Psychotherapieverfahren bilden. Tilmann Moser

Gerald Poscheschnik, Bernd Traxl (Hrsg.): Handbuch Psychoanalytische Entwicklungswissenschaft. Theoretische Grundlagen und praktische Anwendungen. Psychosozial-Verlag, Gießen 2016, gebunden, 532 Seiten, 79,90 Euro

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