ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2017Autopsie: Sonderfall Behandlungsfehler
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Zunächst beleuchtet der Artikel nur die Rate der Obduktionen in dem stationären Sektor. Nur hier besteht überhaupt die eine realistische Möglichkeit zur Veranlassung einer Obduktion, dem ambulant tätigen Arzt/KV-Notdienstarzt/Notarzt fehlen einfach die notwendigen Strukturen.

Im Falle eines außerhalb der Klinik festgestellten Todes obliegt die Durchführung Obduktion nur dem staatsanwaltlichen Dafürhalten bei ungeklärter Todesursache, einer häufig attestierten Ursache. Liegen keinerlei juristische Gründe vor, bleibt

eine Obduktion aus – wird auch dann nicht aus medizinischem Erkenntnisgewinn veranlasst. Da ein Obduktionsergebnis dem Leichenschauer nicht mitgeteilt wird, besteht auch kein Grund, den bürokratischen Aufwand überhaupt auf sich zu nehmen. Wäre außerklinisch eine Prozedur zur Durchführung von Obduktionen geregelt, könnten viele plötzliche Todesfälle einer wissenschaftlichen Untersuchung zugeführt werden.

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Die Öko­nomi­sierung stellt sicherlich einen Grund für die abnehmende Zahl der Obduktionen dar. In den Verwaltungsapparaten der Spitäler sind Obduktionen ein Kostenfaktor, der leicht begrenzt werden kann. Ein ökonomischer Druck wird aber sicherlich nicht auf die Ärzte ausgeübt. Eher sind die Ärzte infolge des bürokratischen Allgemeindruckes wenig an Obduktionen interessiert. Seitens bestimmter Pathologischer Institute werden laufend mehr bürokratische Hürden aufgelegt (schriftliche Einwilligung der Angehörigen et cetera).

Zunehmend werden pathologische Institute aus den Krankenhäusern ausgelagert und privatisiert. Ein Trend, der analog der radiologischen Institute erfolgt. Ausgenommen hiervon werden die großen universitären Einrichtungen bzw. Häuser der Maximalversorgung bleiben.

 Diese privatisierten außerklinischen Pathologischen Institute schränken zunehmend ihre Kapazität für die aufwendigen

 Obduktionen ein. Oft dauern die schriftlichen Endbefundungen Monate. Aus den Kliniken hat aus Zeit- und Personalmangel kaum noch jemand die Möglichkeit, auswärtig zu den Pathologischen Instituten zu fahren, um sich den makroskopischen Befund demonstrieren zu lassen.

Die Ergebnisse der zitierten Studie aus dem Jahr 2010 sind zweifelhaft, sie entsprechen nicht den gemachten Erfahrungen. Es mag sein, dass bei einer allgemeinen Befragung eine große Mehrheit einer Obduktion nicht ablehnend gegenübersteht, in der konkreten Situation mit Verlust eines Angehörigen kommt es aber

 zu einer Umkehr der Ergebnisse. Aus Pietätserwägungen lehnt dann die Mehrheit eine Obduktion ab. 

 Etwas ganz anderes sind Mutmaßungen von Angehörigen bezüglich eines Behandlungsfehlers. Diese stellen einen Sonderfall dar. Dieser Umstand belegt keinesfalls die Ergebnisse von Kahl. Das hat auch nichts mit Ihrer euphemistisch anmutenden Mutmaßung zu tun, „dass unsere Bevölkerung an der Qualität medizinischer Leistung gelegen ist“. 

Dr. med. Stefan Winkelmann, 40764 Langenfeld

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