MEDIZIN: Originalarbeit

Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland

Ergebnisse einer repräsentativen Befragung

Health literacy in the German population — results of a representative survey

Dtsch Arztebl Int 2017; 114(4): 53-60; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0053

Schaeffer, Doris; Berens, Eva-Maria; Vogt, Dominique

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Hintergrund: Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz („health literacy“) haben Schwierigkeiten, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und relevante Informationen zu verstehen. Dies wirkt sich internationalen Untersuchungen zufolge negativ auf die Gesundheit, das Gesundheits- und Krankheitsverhalten sowie auf die Nutzung des Gesundheitssystems aus. Für Deutschland liegen bisher nur wenige Erkenntnisse dazu vor. Ziel dieser Studie war es daher, repräsentative Daten zur Gesundheitskompetenz der deutschen Bevölkerung zu erheben.

Methode: In einer Querschnittstudie wurden 2 000 Personen im Alter von über 15 Jahren repräsentativ befragt. Dazu wurden computerassistierte persönliche Interviews (CAPI) durchgeführt, die auf der Langversion des Fragebogens des europäischen Health Literacy Survey (HLS-EU-Q47) basierten. Sie wurden um soziodemografische Determinanten ergänzt.

Ergebnisse: In der für Deutschland repräsentativen Stichprobe wiesen 54,3 % der Befragten eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz auf. Ein hohes Alter (Odds Ratio [OR]: 1,83; 95-%-Konfidenzintervall [1,36; 2,48]), ein Migrationshintergrund (OR: 1,87 [1,27; 2,75]), ein niedriger selbsteingeschätzter Sozialstatus (OR: 5,25 [3,57; 7,72]) und eine niedrige funktionale Literalität (OR: 1,94 [1,49; 2,52]) waren laut multipler logistischer Regression mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz assoziiert.

Schussfolgerung: Die zum Teil niedrige Gesundheitskompetenz der Bevölkerung kann im klinischen Alltag die Kommunikation mit Patienten erschweren und zudem gesundheitspolitische Probleme verstärken. In Zukunft sind daher weitere Bemühungen erforderlich, um die Gesundheitskompetenz zu fördern, Gesundheitsinformationen verständlicher zu gestalten und die Forschung auf dem Gebiet der Gesundheitskompetenz zu intensivieren.

Von einem ausgehändigten Terminzettel das Datum eines Untersuchungstermins zu identifizieren oder von einem Informationsblatt über Krankheiten individuell relevante Information herauszufiltern, bereitet laut einer US-amerikanischen Studie vielen Menschen Schwierigkeiten (1). Auch ärztliche Ausführungen zu verstehen und für die Krankheitsbewältigung zu nutzen, fällt ihnen schwer. Ihnen fehlt die notwendige Gesundheitskompetenz, um Gesundheitsinformationen zu verstehen, einschätzen und nutzen zu können (2). Gesundheitskompetenz wird international als „health literacy“ bezeichnet.

Eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz hat negative Folgen für die Gesundheit sowie die Inanspruchnahme des Gesundheitssystems. US-amerikanischen Studien zufolge geht sie beispielsweise mit einem höheren Hospitalisierungsrisiko, höheren Wiedereinweisungsraten innerhalb der ersten 30 Tage nach der Krankenhausentlassung und häufigerer Nutzung der medizinischen Notfallversorgung einher (3). Ein schlechter subjektiver Gesundheitszustand und Schwierigkeiten in der Kommunikation mit Ärzten hängen ebenso mit einer eingeschränkten Gesundheitskompetenz zusammen (46).

Vorliegende Erkenntnisse zur Gesundheitskompetenz basieren meist auf internationalen Studien. Für Deutschland liegen bis dato nur wenige Befunde vor. So hat Deutschland seinerzeit an der ersten europäischen Health Literacy Studie (HLS-EU) nur mit einem Bundesland (Nordrhein-Westfalen) teilgenommen. Danach sind zwar einige Forschungsaktivitäten angelaufen (710), aber eine umfassende repräsentative Untersuchung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung Deutschlands fehlt. Dies zu verändern, ist Ziel des vorliegenden deutschen Health Literacy Survey (HLS-GER), mit dem erstmals repräsentative Daten zu der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland und den damit assoziierten soziodemografischen Faktoren erhoben wurden.

Methode

Die Studie knüpft konzeptionell und methodisch an den HLS-EU an und stützt sich auf dessen Definition von Gesundheitskompetenz. Danach beruht Gesundheitskompetenz „auf allgemeiner Literalität und umfasst das Wissen, die Motivation und die Kompetenzen von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen in unterschiedlicher Form zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag in den Bereichen der Krankheitsbewältigung, der Krankheitsprävention und der Gesund­heits­förder­ung Urteile fällen und Entscheidungen treffen zu können“. Im Original lautet die Definition: „Health literacy is linked to literacy and entails people’s knowledge, motivation and competencies to access, understand, appraise, and apply health information in order to make judgments and take decisions in everyday life concerning healthcare, disease prevention and health promotion to maintain or improve quality of life during the life course” (11, 12).

Messung von Gesundheitskompetenz

Gesundheitskompetenz wurde mit der deutschsprachigen Langversion des Fragebogens des HLS-EU (HLS-EU-Q47) erfasst (12). Die 47 Items wurden als direkte Fragen formuliert und zielen darauf, subjektiv eingeschätzte Schwierigkeiten bei der Bewältigung ausgewählter gesundheitsrelevanter Anforderungen zu erfassen (eTabelle 1). Die Antwortskalen der Items waren vierstufig. Für die Kalkulation des Gesundheitskompetenz-Index wurden den Antwortkategorien numerische Werte zugeordnet:

Prozentsätze der Antwortkategorien des Health Literacy Fragebogens*1 für die Gesamtstichprobe des deutschen Health Literacy Survey*2
eTabelle 1
Prozentsätze der Antwortkategorien des Health Literacy Fragebogens*1 für die Gesamtstichprobe des deutschen Health Literacy Survey*2
  • 4 = sehr einfach
  • 3 = ziemlich einfach
  • 2 = ziemlich schwierig
  • 1 = sehr schwierig.

Ein höherer Wert entsprach einer besseren Gesundheitskompetenz (Skala von 0–50; eKasten).

Berechnung des Gesundheitskompetenz-Index
eKasten
Berechnung des Gesundheitskompetenz-Index

Nach Berechnung des Gesundheitskompetenz-Index wurden analog zum HLS-EU drei Grenzwerte festgelegt, die vier unterschiedliche Kompetenzniveaus abbilden. Leitkriterium für die Grenzwerte war das Risiko einer Person, mit Anforderungen, die subjektiv als schwierig eingeschätzt werden, konfrontiert zu werden (14). Befragte, die weniger als 25 Punkte erreichten, fielen in die Kategorie „inadäquat“. Der nächste Grenzwert, der die Kategorien „problematische“ und „ausreichende“ Gesundheitskompetenz trennt, wurde bei 33 Punkten festgelegt. Ein „exzellentes“ Gesundheitskompetenzniveau hatten Befragte mit einem Punktwert > 42–50. Für die weitere Datenanalyse wurde das Gesundheitskompetenzniveau dichotomisiert („eingeschränkt“: problematisch und inadäquat; „nicht eingeschränkt“: ausreichend und exzellent). Als primäres Maß wurde die „eingeschränkte“ Gesundheitskompetenz interpretiert.

Soziodemografische Determinanten

Als soziodemografische Determinanten wurden Alter, Bildungsniveau, Versicherungsstatus, Sozialstatus, Migrationshintergrund und funktionale Literalität einbezogen, da bereits aus internationalen Studien Hinweise vorliegen, dass sie mit Gesundheitskompetenz zusammenhängen (1416).

Das Bildungsniveau wurde mit Hilfe der International Standard Classification of Education 1997 (ISCED-97) erhoben. Gefragt wurde nach dem höchsten erworbenen Bildungsabschluss, den die Interviewer entsprechend der sieben ISCED-Bildungskategorien kodierten. Für die Analysen wurde das Bildungsniveau analog der Auswertungen des HLS-EU in drei Kategorien zusammengefasst. Dem niedrigen Bildungsniveau wurden die ISCED-Kategorien 0–2 zugeordnet, unter anderem Personen ohne Schulbesuch, ohne allgemeinen Schulabschluss, ohne beruflichen Abschluss, mit Haupt- und Realschulabschluss ohne beruflichen Abschluss oder Anlernausbildung. Mittleres Bildungsniveau beinhaltete mit den Kategorien 3 und 4 Personen mit Fach-/Hochschulreife ohne beruflichen Abschluss oder eine abgeschlossene Lehre. Unter hohem Bildungsniveau wurden die ISCED-Kategorien 5 und 6 zusammengefasst, wie Personen mit Hochschulbildung, Abschluss einer Berufsfachschule oder Meister- und Technikerausbildung oder Promotion (17).

Der Versicherungsstatus wurde mit den Kategorien „privat krankenversichert“ und „gesetzlich krankenversichert“ erfasst. Für die Ermittlung des selbsteingeschätzten Sozialstatus wurden die Befragten gebeten, ihre Stellung in der Gesellschaft auf einer 10-Punkte-Skala einzuschätzen. Werte von 1–4 wurden als geringer Sozialstatus, Werte von 5–7 als mittlerer und Werte > 7 als hoher Sozialstatus zusammengefasst.

Als Menschen mit Migrationshintergrund galten Befragte, die selbst oder deren Eltern in einem anderen Land geboren wurden. Die objektive, funktionale Literalität wurde mit dem Newest Vital Sign (NVS) erhoben (18). Mit dem Test wird die Fähigkeit gemessen, Informationen einer Eiscremeverpackung lesen und verstehen zu können. Der Test umfasst sechs Fragen. Scores von 0–3 wurden als eingeschränkte, Werte von 4–6 als adäquate funktionale Literalität definiert.

Datenerhebung

Die Untersuchung war als Querschnitterhebung angelegt, bei der die deutschsprachige Wohnbevölkerung in Privathaushalten ab 15 Jahren in Deutschland mittels computergestützter persönlicher Interviews (CAPI) befragt wurde. Die Feldphase erstreckte sich von Juli bis August 2014.

Die Befragten wurden mit Hilfe des Auswahlverfahrens der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e. V. (ADM) rekrutiert (eKasten).

Statistische Analysen

Für alle Analysen wurde die Software SPSS 23.0 genutzt. Die Stichprobe weicht im Bereich Alter, Geschlecht und Bundesland zum Teil von der Allgemeinbevölkerung, gemessen an den Ergebnissen des Mikrozensus 2012, ab. Der Anteil an Personen mit niedrigem Bildungsniveau ist in der HLS-GER-Stichprobe leicht überrepräsentiert. Hingegen sind die Anteile an Personen mit hohem Bildungsniveau und an privat Versicherten in der vorliegenden Stichprobe leicht unterrepräsentiert. Die Daten des HLS-GER wurden mittels Redressment nach der Gewichtungsprozedur „iterative proportional fitting“ für Alter, Bundesland sowie Geschlecht gewichtet und damit an die amtliche Statistik angeglichen, so dass sie hier als repräsentativ gelten. Berichtet werden prozentuale Häufigkeiten einzelner Antwort-Items des HLS-EU-Q47 und Prävalenzen eingeschränkter Gesundheitskompetenz mit 95-%-Konfidenzintervallen (KI) nach Altersgruppen, Geschlecht, Sozialstatus, funktionaler Literalität, Versicherungsstatus, Bildungsniveau und Migrationshintergrund. Mögliche Gruppenunterschiede wurden mittels χ2-Tests geprüft. Daneben werden Odds Ratios (OR), zugehörige Konfidenzintervalle und p-Werte angegeben, die mittels multipler logistischer Regression berechnet wurden. Als abhängige Variable diente das dichotomisierte Gesundheitskompetenzniveau. Als unabhängige Variablen fungierten die genannten soziodemografischen Determinanten. In die Regression wurden alle inhaltlich relevanten Variablen eingeschlossen. Dabei wurde für mögliche Unterschiede in den anderen Modellvariablen kontrolliert.

Ergebnisse

Gesundheitskompetenz der deutschen Bevölkerung

In einer für Deutschland repräsentativen Befragung von 2 000 Personen hatten insgesamt 7,3 % (Ausschöpfungsquote 65 %) (Tabelle 1) eine exzellente und weitere 38,4 % eine ausreichende Gesundheitskompetenz. Eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz wiesen 54,3 % der Befragten auf, von denen 9,7 % über eine inadäquate Gesundheitskompetenz verfügten. Sie hatten große Schwierigkeiten damit, gesundheitsrelevante Informationen finden, verstehen, einordnen sowie nutzen zu können und schätzen die Anforderungen des Gesundheitssystems als zu komplex ein (Grafik 1).

Anteil der Gesundheitskompetenzniveaus in %
Grafik 1
Anteil der Gesundheitskompetenzniveaus in %
Stichprobenbeschreibung des deutschen Health Literacy Survey*1
Tabelle 1
Stichprobenbeschreibung des deutschen Health Literacy Survey*1

Die Betrachtung einzelner Items zeigt, dass die Anforderungen in den erfragten Bereichen unterschiedlich schwer eingeschätzt wurden. Besonders Aufgaben, die weiterführende kognitive Kompetenzen erfordern wie die Beurteilung von Gesundheitsinformationen, warfen Schwierigkeiten auf. Demnach fanden 41,4 % der Befragten es ziemlich oder sehr schwierig zu beurteilen, wann eine zweite Meinung von einem Arzt einzuholen ist. Für weitere 43,4 % war es ziemlich oder sehr schwierig, Vor- und Nachteile von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten einzuschätzen (Items 10 und 11 in eTabelle 1).

Soziodemografische Faktoren und Gesundheitskompetenz

Nach soziodemografischen Faktoren betrachtet, ergab sich folgendes Bild: Alter, Bildungsstand, Migrationshintergrund, Sozialstatus und funktionale literale Fähigkeiten waren in der Gesamtstichprobe mit Gesundheitskompetenz assoziiert (Grafik 2, eTabelle 2, eTabelle 3).

Prävalenz eingeschränkter Gesundheitskompetenz
Grafik 2
Prävalenz eingeschränkter Gesundheitskompetenz
Gesundheitskompetenz-Scores für die Gesamtstichprobe und die verschiedenen Subgruppen
eTabelle 2
Gesundheitskompetenz-Scores für die Gesamtstichprobe und die verschiedenen Subgruppen
Anteil eingeschränkter Gesundheitskompetenz bei verschiedenen Subgruppen
eTabelle 3
Anteil eingeschränkter Gesundheitskompetenz bei verschiedenen Subgruppen

Der Zusammenhang zwischen Gesundheitskompetenz und Sozialstatus, funktionaler Literalität, Migrationshintergrund sowie Alter blieb auch nach Kontrolle für andere Variablen bestehen (Tabelle 2). Ältere Menschen ab 65 Jahren hatten eine 1,83-mal so hohe Chance für eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz als jüngere Menschen (95-%-KI: [1,36; 2,48]). Auch Befragte mit geringen funktionalen literalen Fähigkeiten hatten unabhängig von ihrem formalen Bildungsstand und allen anderen Variablen im Modell eine fast zweimal so hohe Chance für eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz wie Befragte mit ausreichenden funktionalen literalen Fähigkeiten (OR: 1,94 [1,49; 2,52]). Bei Menschen mit Migrationshintergrund war die Chance unabhängig von ihren, auf Deutsch gemessenen, funktionalen literalen Fähigkeiten 1,87-mal so hoch [1,27; 2,75]. Besonders bei Befragten mit niedrigem selbsteingeschätztem Sozialstatus war die Chance einer eingeschränkten Gesundheitskompetenz hoch (OR: 5,25 [3,57; 7,72]) (Tabelle 2).

Eingeschränkte Gesundheitskompetenz in verschiedenen Subgruppen*1
Tabelle 2
Eingeschränkte Gesundheitskompetenz in verschiedenen Subgruppen*1

Diskussion

Mit der vorgestellten repräsentativen Bevölkerungsstudie wurde eine fundierte Datenbasis erarbeitet, die erstmals Aussagen über die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung Deutschlands und damit assoziierte soziodemografische Faktoren zulässt. Über die Hälfte der Bevölkerung hat Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen und verfügt über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz. Die Prävalenz eingeschränkter Gesundheitskompetenz ist höher als erwartet und liegt über der Prävalenz einiger europäischer Nachbarländer. In den Niederlanden ist nur knapp ein Drittel der Bevölkerung nicht ausreichend gesundheitskompetent. Auch in Irland ist der Anteil eingeschränkter Gesundheitskompetenz bei vergleichbarer Messung mit 40,0 % niedriger als in Deutschland (54,3 %). Die Befunde bestätigen tendenziell auch deutsche Erhebungen, bei denen allerdings nur das Erhebungskurzinstrument HLS-EU-Q16 verwendet (7, 8) (Tabelle 3) und Daten mit Hilfe von standardisierten Fragebögen zum Selbstausfüllen oder Telefoninterviews erhoben wurden. In der vorliegenden Untersuchung wurden hingegen CAPI durchgeführt, um auch Befragte mit geringen funktionalen literalen Fähigkeiten zu erreichen. Die Unterschiede lassen sich zum Teil dadurch erklären, dass in den HLS-EU ausschließlich Bürger der europäischen Union (EU) eingeschlossen wurden (14), während der HLS-GER auch Nicht-EU-Bürger berücksichtigte.

Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung – Studienauswahl
Tabelle 3
Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung – Studienauswahl

Die nach soziodemografischen Faktoren stratifizierten Auswertungen zeigen, dass ein höheres Lebensalter (OR: 1,83), Migrationshintergrund (OR: 1,87), niedriger Sozialstatus (OR: 5,25) und geringe funktionale Literalität (OR: 1,94) mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz zusammenhängen. Dieser Zusammenhang wurde auch in anderen europäischen Studien nachgewiesen, wobei die Stärke des Zusammenhangs teilweise variiert (8, 21, 22).

Beachtenswert ist besonders der Zusammenhang von höherem Alter und eingeschränkter Gesundheitskompetenz, denn der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung wird auch künftig weiter ansteigen (23). Schon heute machen ältere Menschen in vielen Bereichen der medizinischen Versorgung die Mehrheit der Patienten aus und sind häufiger als andere Bevölkerungsgruppen mit Gesundheitsbeeinträchtigungen sowie chronischen Erkrankungen konfrontiert (24). Daher sind sie besonders auf Gesundheitskompetenz angewiesen. Die Komplexität und Häufigkeit gesundheitlicher Anforderungen wie auch die Unüberschaubarkeit des Gesundheitssystems stellen sie jedoch offenbar vor besonders hohe Herausforderungen. Zugleich könnte sich hier ein Kohorteneffekt zeigen, so dass zukünftig weitere Studien – vor allem Längsschnittstudien – zur Gesundheitskompetenz älterer Menschen notwendig sind. Ähnliches gilt für chronisch Erkrankte und extensive Nutzer des Versorgungssystems – auch sie müssen in zukünftigen Studien genauer betrachtet werden.

Die Ergebnisse belegen außerdem, dass funktionale literale Fähigkeiten für den Umgang mit Gesundheitsinformationen unerlässlich sind, denn sie hängen im multiplen logistischen Modell mit Gesundheitskompetenz zusammen. Zwar ist auch die Prävalenz eingeschränkter Gesundheitskompetenz bei Menschen mit niedriger Bildung höher als bei denen mit hoher Bildung, aber der formale Bildungsstand weist nach Kontrolle für funktionale literale Fähigkeiten keinen Effekt mehr auf. Die Ergebnisse bestätigen damit international vorliegende Befunde (15, 16). Für den ärztlichen Versorgungsalltag bedeutet dies, dass Ärzte sich intensiver auf Menschen mit niedriger Bildung und Literalität einstellen sowie ihre Kommunikations- und Informationsweise stärker an deren Rezeptionsvoraussetzungen anpassen müssen.

Auch Menschen mit Migrationshintergrund haben häufiger eine niedrige Gesundheitskompetenz. Das ist auch, aber nicht nur, auf Sprachbarrieren zurückzuführen. Nach Kontrolle für die auf Deutsch gemessenen funktionalen literalen Fähigkeiten bleiben Unterschiede bestehen. Mögliche Gründe könnten Unterschiede zwischen dem Gesundheitssystem im Herkunftsland und in Deutschland sowie ein anderes kulturelles Verständnis von Gesundheit und Krankheit sein (25). Kultursensibler Umgang sowie ebensolche Information und Kommunikation spielen auch hier für den ärztlichen Umgang mit dieser Gruppe eine wichtige Rolle.

Hohe Bedeutung kommt dem Sozialstatus zu. Der enge Zusammenhang zwischen Gesundheitskompetenz und Sozialstatus ist vermutlich dadurch erklärbar, dass beide Konzepte mittels Selbsteinschätzung gemessen wurden. Dabei spielt die Selbstwirksamkeit eine wichtige Rolle. Zu vermuten ist, dass Befragte mit einer hohen Selbstwirksamkeit auch eine bessere Gesundheitskompetenz haben. Die Rolle der Selbstwirksamkeit sollte in künftigen Studien zur Gesundheitskompetenz näher betrachtet werden.

Methodische Stärken und Limitationen

Bei der Ergebnisinterpretation ist zu beachten, dass die Gesundheitskompetenz auf selbsteingeschätzten Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen beruht. Dies hat den Vorteil, dass Fähigkeiten umfangreich abgebildet werden können und im Gegensatz zu objektiven Messinstrumenten von Kompetenzen und Fähigkeiten ein breites Spektrum an Gesundheitskompetenzkomponenten abbilden. Die Fragen wurden projektiv gestellt, so dass auch die erwartete Schwierigkeit von Anforderungen eingeschätzt werden kann, die noch nie durchgeführt wurden. Dies kann jedoch dazu führen, dass bestimmte Personengruppen aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen manche Anforderungen schwieriger einschätzen als andere. Deshalb wurde ein objektiver Test ergänzt, der gesundheitsbezogene funktionale literale Fähigkeiten berücksichtigt. Zu beachten ist, dass das Bildungsniveau mittels ISCED erhoben wurde. ISCED erfasst den höchsten erworbenen Bildungsabschluss, der bei jüngeren Menschen häufig noch nicht abgeschlossen ist und daher zum Zeitpunkt der Studie eine Eingruppierung in ein niedrigeres Bildungsniveau bedingt haben könnte. Hinzuweisen ist auch darauf, dass die Qualität von Gesundheitsinformationen die Höhe des Gesundheitskompetenzniveaus beeinflussen kann und die Ergebnisse auf einer Querschnitterhebung basieren, so dass sie keine kausalen Rückschlüsse zulassen.

Da in Deutschland kein allgemein zugängliches Verzeichnis aller Privathaushalte existiert, erfolgte die Stichprobenziehung über ADM-Netzwerke. Durch das mehrstufige ADM-Verfahren wurden repräsentative Stichproben erstellt.

Schlussfolgerungen

Der Umgang mit Gesundheitsinformationen stellt einen Großteil der deutschen Bevölkerung vor Schwierigkeiten. Eine wichtige Aufgabe besteht daher künftig in der systematischen Förderung der Gesundheitskompetenz. Dazu gehört ein Maßnahmenbündel, das von der Anwendung entsprechender Gesprächsmethoden, zum Beispiel Teach-Back-Methode, bis hin zur Bereitstellung leicht verständlicher, zielgruppengerechter Information für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, intensiverer Nutzung von visualisiertem und sprachlichem Material bei der Informationsgestaltung über qualitätsgesicherte, gut aufbereitete Informationen im Internet und leicht verständliche Packungsbeilagen, Lebensmittelverpackungen oder Formulare reicht.

Notwendig ist auch, Erkenntnisse aus Studien zur Gesundheitskompetenz intensiver in bestehenden Initiativen zur Verbesserung der Gesundheitsinformation, zum Beispiel Leitlinien zur evidenzbasierten Gesundheitsinformation, zu berücksichtigen.

Zugleich sollten der Förderung der Gesundheitskompetenz im ärztlichen Alltag höhere Bedeutung beigemessen und die Patientenkommunikation sowie -information verbessert werden. Als Voraussetzung dafür muss allerdings auch die kommunikative und edukative Kompetenz der Gesundheitsprofessionen gestärkt werden. Das Gesundheitssystem verständlicher und informativer zu gestalten, ist erforderlich. Die Forschung zur Gesundheitskompetenz bedarf der Intensivierung, denn sie steht hierzulande noch am Anfang.

Da Einzelmaßnahmen nicht ausreichen, wird auch für Deutschland – dem Vorbild anderer Länder folgend – ein nationaler Aktionsplan für notwendig erachtet.

Danksagung
Die Auswertung der Daten wurde von Jürgen Pelikan, Florian Röthlin und Kristin Ganahl vom Ludwig Boltzmann Institut Health Promotion Research (LIHPR) Wien unterstützt.

Förderung
Die Studie HLS-GER wird vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) gefördert.

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 2. 6. 2016, revidierte Fassung angenommen: 28. 9. 2016

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. phil. Doris Schaeffer
Universität Bielefeld
Arbeitsgruppe: Versorgungsforschung und Pflegewissenschaft
School of Public Health, 33615 Bielefeld
doris.schaeffer@uni-bielefeld.de

Zitierweise
Schaeffer D, Berens EM, Vogt D: Health literacy in the German population— results of a representative survey. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 53–60.
DOI: 10.3238/arztebl.2017.0053

@The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de

Zusatzmaterial
eKasten, eTabellen:
www.aerzteblatt.de/17m0053 oder über QR-Code

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Anteil der Gesundheitskompetenzniveaus in %
Grafik 1
Anteil der Gesundheitskompetenzniveaus in %
Prävalenz eingeschränkter Gesundheitskompetenz
Grafik 2
Prävalenz eingeschränkter Gesundheitskompetenz
Stichprobenbeschreibung des deutschen Health Literacy Survey*1
Tabelle 1
Stichprobenbeschreibung des deutschen Health Literacy Survey*1
Eingeschränkte Gesundheitskompetenz in verschiedenen Subgruppen*1
Tabelle 2
Eingeschränkte Gesundheitskompetenz in verschiedenen Subgruppen*1
Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung – Studienauswahl
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Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung – Studienauswahl
Berechnung des Gesundheitskompetenz-Index
eKasten
Berechnung des Gesundheitskompetenz-Index
Prozentsätze der Antwortkategorien des Health Literacy Fragebogens*1 für die Gesamtstichprobe des deutschen Health Literacy Survey*2
eTabelle 1
Prozentsätze der Antwortkategorien des Health Literacy Fragebogens*1 für die Gesamtstichprobe des deutschen Health Literacy Survey*2
Gesundheitskompetenz-Scores für die Gesamtstichprobe und die verschiedenen Subgruppen
eTabelle 2
Gesundheitskompetenz-Scores für die Gesamtstichprobe und die verschiedenen Subgruppen
Anteil eingeschränkter Gesundheitskompetenz bei verschiedenen Subgruppen
eTabelle 3
Anteil eingeschränkter Gesundheitskompetenz bei verschiedenen Subgruppen
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  • Fragebogen nicht weiter einsetzen
    Dtsch Arztebl Int 2017; 114(18): 330; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0330a
    Steckelberg, Anke; Meyer, Gabriele; Mühlhauser, Ingrid
  • Schlusswort
    Dtsch Arztebl Int 2017; 114(18): 330; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0330b
    Schaeffer, Doris

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U L I Sappok
am Freitag, 24. Februar 2017, 22:29

Gesundheitskompetenz? wirklich?

Ich würde es eher als Gesundheits-Informations-Verwertungs-Kompetenz bezeichnen, zumindest lese ich das als Schwerpunkt aus dem Artikel.
Für mich heisst Gesundheitskompetenz: wie gehe ich mit mir und meiner Gesundheit bewusst um? Welche Kompetenzen habe ich gelernt? Wo befinde ich mich auf dem Salutogenese Kontinuum von Aaron Antonovsky?
Hier sehe ich aus dem Bereich der Medizin kaum Impulse. Schon gar nicht Richtung GesundheitsBILDUNG. Alle sind mit der Be-Handlung von Krankheit beschäftigt... und verdienen damit gut. So wird in der Gesellschaft Gesundheit nicht zunehmen. Es wäre unsere originäre Aufgabe als Mediziner Verantwortung für Gesundheitsbildung zu zeigen.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 2. Februar 2017, 14:08

"Health Literacy"?

Wer soll das denn alles Lesen und Verstehen?
Nach der Studie 'Health Literacy in Deutschland' der Bielefelder Professorin Doris Schaeffer fällt es mehr als der Hälfte der nicht-medizinisch vorgebildeten Menschen in Deutschland (54,3 Prozent) schwer, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden.
Bereits die Ergebnisse einer Voruntersuchung in Nordrhein-Westfalen hatten belegt, dass vor allem Menschen mit Migrationshintergrund, geringem Bildungsgrad und Ältere unterstützt werden müssten.
Sie hätten beispielsweise Schwierigkeiten, Beipackzettel zu verstehen oder Informationen einzuschätzen. 44,5 Prozent der fast 2.000 Befragten äußerten Unsicherheit, die Vor- und Nachteile von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu beurteilen. Das geht Haus- und Fachärzten aber oft ähnlich!

Zweitmeinungen
Entsprechend sieht es bei den ärztlichen Zweitmeinungen aus: 49,3 Prozent der Deutschen empfinden es laut der Studie als „schwierig“, zu beurteilen, wann diese sinnvoll ist. „Ein großer Teil der Bevölkerung kann das Gesundheitssystem nicht effektiv nutzen und sich kompetent darin bewegen“, ist das Fazit von Studienleiterin Professor Doris Schaeffer.

„Literacy“ historisch
Doch was ist eigentlich „Health Literacy“? Korrekt ins Deutsche übersetzt wäre das eine möglichst umfassende Kunde von Gesundheit. „Literacy“ im engeren Sinne ist die Fähigkeit, mit basalen Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen umgehen zu können („Literacy is traditionally understood as the ability to read, write, and use arithmetic“).

Das moderne „Literacy“
Der Begriff „Literacy“ ist durch die moderne Sozialforschung umfassend erweitert und modernisiert worden: „The modern term's meaning has been expanded to include the ability to use language, numbers, images, computers, and other basic means to understand, communicate, gain useful knowledge and use the dominant symbol systems of a culture. The concept of literacy is expanding in OECD countries to include skills to access knowledge through technology and ability to assess complex contexts“, so Wikipedia. "Literacy" versteht sich als umfassende/s komplexe Erkenntnis, Verständnis, Reflexion, Selbstreflexion und erweiterte Technologie-Nutzung.

Wissenschaftstheoretischer Wasserkopf
Damit ist die „Gesundheitskunde“ als umfassendes Schul- und lebenslanges Lern-Fach zu Sprach-, Zahlen-, Bilder-, Computer-, Verständnis-, Kommunikations- und Semiotik-Wissenschaften hochstilisiert worden, um technologischen Wissenserwerb und Verständnis komplexer Zusammenhänge zu erreichen.
Mit diesem wissenschaftstheoretisch völlig überladenen „Wasserkopf“ wollen sich Medizin-, Krankheits- und Versorgungs-bildungsferne sozialwissenschaftliche Experten/-innen als Gesundheitsforscher und Gesundheitswissenschaftler profilieren und über ihren neuen Wissenszweig Alleinstellungsmerkmale und weiteres Herrschaftswissen aufbauen.
Die niedergelassenen Vertragsärzte, insbesondere die primär bei Krankheits-, Gesundheits- und Präventionsfragen in Anspruch genommenen Familien- und Hausärzte wurden in einer sich permanent verändernden Wissenschafts-Gesellschaft in einem dauerhaften Diskurs über unterschiedliche Bewältigungs-Strategien bei Schwangerschaft, Geburt, Leben, Krankheit, Gesundheit, Vorsorge, Früherkennung, Chronizität, Behinderung, Palliation und Sterben gar nicht erst berücksichtigt.

Humanmedizin wird falsch eingeschätztzt
Was hat das alles mit der medizinischen Profession, mit Ärztinnen und Ärzten oder mit unseren Patienten/-innen in Klinik, Forschung und Praxis zu tun? Unser humanmedizinisches „Kerngeschäft“ mit Krankheiten bzw. Krank-Sein unserer Patienten über Anamnese, Untersuchung, Differenzial-Diagnosen, Beratungen, multidimensionalen Therapien, Palliation, privat- und vertragsärztlicher Praxis, Krankenhäuser und Universitäten wurde und wird von allen Vertretern der alleinigen Aspekte „Gesundheit“ und „Gesundbeten“ Medizin-bildungsfern falsch eingeschätzt. ??
Das DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information) beschreibt einige zehntausend Krankheitsentitäten nach der Internationalen ICD-10-GM-Nomenklatur: Nach ICD-Diagnosen-Thesaurus, Version 4.0, wurden ca. 31.200 beschrieben. Die aktuelle Version der ICD-10 GM 2014 listet in seiner Systematik ca. 13.400 endständige Kodes auf und verfügt in seinem ICD-10 Alphabet über ca. 76.900 Einträge in der EDV-Fassung.

Unsere Kernkompetenz
Unsere Kernkompetenz sind die Zehntausenden von Krankheitsentitäten, die ambulanten/stationären Pharmako- und Physiotherapien, Heilbehandlung, Operationen, Injektionen/Infusionen, Kuren, Minimalinterventionen oder Hybrid-OPs: Bei Herz- und Hirn-Infarkten, ACS, Herzfehlern, Aneurysma, Miss- und Fehlbildungen, Lungenembolien, akutem Abdomen, eingeklemmten Hernien, KHK, systolischen/diastolischen/pulmonalen Hypertonien, Hyperlipidämien, PAVK, Mesenterialinfarkten, Tumorkrankheiten, Kachexie und Marasmus, zerebralen Krampfanfällen, Gallenstein- und Nierensteinkoliken, entgleisten Typ-1 und 2-Diabetes Krankheiten und Komplikationen, Addison-Krisen, Thyreotoxikosen, Nierenversagen, dekompensierter Herzinsuffizienz, Infektionen mit Viren/Bakterien/Pilzen/Parasiten/Prionen oder chronischen Schmerzen, um nur Einiges zu nennen.

Medizinische Wissenschafts- und Erkenntnistheorie im Fluss
Da hilft auch eine wie auch immer geartete "Health Literacy" unseren Patienten/-innen nicht weiter. Zumal sich medizische Erkenntnisse in Anamnese, Untersuchung, Differenzialdiagnostik, Labor, Apparate-Medizin, Psychosomatik, mehrdimensionaler Therapie, Schmerzlinderung, Palliation und Sterbebegleitung permanent weiterentwickeln, in Frage stellen oder revidieren lassen müssen. Trotzdem wird gegenüber Medien, Politik und Öffentlichkeit insbesondere von Medizinbildungs- und Versorgungsfernen Schichten in Wissenschaft und Praxis immer so getan, als ob Patienten selbst wesentlich klüger und allwissender sein müssten bzw. könnten, als ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Ein einheitlich zuverlässig beurteilbares Laien- und Expertenwissen kann es, wie in allen anderen Wissenschaftsdisziplinen auch, schon gar nicht in der Humanmedizin mit ihrer ständig changierenden "conditio humana" geben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Vgl. dazu
http://news.doccheck.com/de/blog/post/3875-health-literacy-ist-das-kunst-oder-kann-das-weg/

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