ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2017Gender-Medizin: Mehr auf Männer achten
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Ein geschlechtsspezifischeres Medizinstudium sollte mehr auf Männer achten. Die zukünftige weibliche Dominanz bei der ärztlichen Versorgung bestätigt „zufällig“ der Beitrag beim Hörsaalfoto: von zehn Studierenden nur ein Mann. Von vier Beitragsautoren sind drei Frauen. Verwiesen wird auf kritisches Reflektieren der eigenen Geschlechterrolle bei Diagnostik und Therapie – in den letzten Dezennien eher zugunsten der Männer. Deren sechs bis sieben Jahre geringere Lebenserwartung wurde „schicksalhaft“ zur Kenntnis genommen. Aus der Bayerischen Klosterstudie (MPI-Demografie) wissen wir, dass Männer mit spätestens 40 Jahren Klostereintritt die gleiche Lebenserwartung haben wie Frauen mit gleicher Lebensform.

Plötzlicher Herztod tritt bei Männern doppelt so oft ein wie bei Frauen und wird kaum im Studium thematisiert. Analog: Herzinfarkt bei Frauen passiert erst ab der Menopause (ausgenommen: hoher Nikotinkonsum und wenige internistische Erkrankungen); klimakterischer Hypogonadismus: Probleme bei Frauen sind Studieninhalt. Analoges gilt kaum für Männer. Die Autoren verweisen auf oft verkannte Osteoporose bei Männern. Diese nutzen kaum Hormonsubstitution wegen Hypogonadismus, dagegen Frauen zur Hälfte bis 2002 und heute noch neun von zehn Frauenärztinnen.

Der jährliche Arzneimittelreport wäre dazu evident als regelmäßiger Lehrinhalt. Danach hat sich das Verordnungsvolumen von Testosteron in Deutschland seit 2004 verdreifacht, in den USA in zehn Jahren verzehnfacht und stieg in Kanada um den Faktor 40. Das bewirkt ein zusätzliches Thromboembolie-Ereignis je 1 000 und ist von Frauen bekannt bei zu spät begonnener Hormonsubstitution mit manifesten Gefäßschäden.

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Fazit: Die Hypogonadismus-Häufigkeit bei Männern in Nordamerika und Deutschland ist kaum unterschiedlich. Kenntnisse darüber sollten bereits genderspezifisch im Medizinstudium vermittelt werden – auch die Substitutionssteigerung um Faktor drei, zehn und 40 je nach Wohnland der Männer.

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. J. M. Wenderlein, 89075 Ulm

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