POLITIK

Gesundheitskompetenz: Soziale Ungleichheit bekämpfen

Dtsch Arztebl 2017; 114(4): A-153 / B-137 / C-137

Osterloh, Falk

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Im Rahmen eines Nationalen Aktionsplans werden derzeit Maßnahmen erarbeitet, die die Gesundheitskompetenz der Deutschen erhöhen soll. Ein neues Internetportal werde dafür nicht ausreichen, meinen Experten. Eine wichtigere Aufgabe falle stattdessen den Ärzten zu.

Viele Gesundheitsinformationen im Internet sind heute weder unabhängig noch wissenschaftlich belegt. Foto: dpa
Viele Gesundheitsinformationen im Internet sind heute weder unabhängig noch wissenschaftlich belegt. Foto: dpa

Die Gesundheitskompetenz vieler Deutscher ist nicht gut. Das hat eine Studie der Universität Bielefeld ergeben (siehe Seite 53 in diesem Heft). Problematisch ist eine niedrige Gesundheitskompetenz deshalb, weil „Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz beispielsweise höhere Raten an stationären Aufenthalten, häufigere Noteinsätze und eine höhere Mortalität aufweisen“, erklärt Prof. Dr. PH Gudrun Faller, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Public Health, im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ). Es sei eine ethische Herausforderung, diese gravierenden Folgen gesellschaftlicher und sozialer Separationsprozesse zu kompensieren und deren Ursachen zu bekämpfen.

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Um in diesem Zusammenhang konkrete Handlungsempfehlungen zu erarbeiten, haben sich im Rahmen des „Nationalen Aktionsplans Gesundheitskompetenz“ der AOK-Bundesverband, die Hertie-School of Governance und die Universität Bielefeld unter der Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zusammengetan. Den Aktionsplan wollen sie im Jahr 2018 vorlegen. Zusammen mit den Gesundheitsministerien der anderen vier deutschsprachigen Länder Österreich, Schweiz, Luxemburg und Liechtenstein will sich das BMG zudem für eine europaweite Verankerung einer regelmäßigen und international vergleichbaren Erhebung der Gesundheitskompetenz einsetzen.

Angebote besser vernetzen

Schließlich hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) mehrfach die Einrichtung eines Internetportals angeregt, auf dem „unabhängige, wissenschaftlich belegte und leicht verständliche Gesundheitsinformationen“ zusammengefasst sind. Solche Portale gibt es heute schon; betrieben werden sie zum Beispiel vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) oder dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ). Bedarf es denn noch eines weiteren? „Wichtiger als ein weiteres Portal wäre es, die bereits bestehenden Angebote zu vernetzen und besser auffindbar zu machen“, meint Corinna Schaefer, Leiterin der Abteilung „Patienteninformation“ beim ÄZQ zum . Denn keines der verlässlichen Portale erreiche die Nutzerzahlen kommerzieller, interessengeleiteter Angebote. „Schön wäre auch, wenn Ärzte wüssten, welche Seiten sie ihren Patienten empfehlen können“, so Schaefer weiter.

Gudrun Faller von der Deutschen Gesellschaft für Public
Health gibt zu bedenken, dass ein Portal für vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen zwar begrüßenswert sei, dass die enthaltenen Informationen aber nur von Patienten gefunden und verstanden werden könnten, die bereits über eine hohe Gesundheitskompetenz verfügten. Menschen mit geringer Gesundheitskompetenz müssten hingegen in ihren Lebenswelten mit Ansätzen angesprochen werden, die „inhaltlich, formell und sprachlich an den kulturellen, geschlechts- und altersspezifischen Gegebenheiten anknüpfen“. Schaefer betont, dass Gesundheitsinformationen die ärztliche Beratung nur unterstützen, auf keinen Fall aber ersetzen könnten.

Was können nun Ärzte tun, um die Gesundheitskompetenz ihrer Patienten zu verbessern? „Ärzte sollten in der Lage sein, Begriffe und medizinische Zusammenhänge in einer Sprache zu erklären, die Patienten verstehen“, sagt Faller. Zudem sollten Ärzte die Alltagsbedingungen ihrer Patienten erfragen und prüfen, ob Anweisungen überhaupt umgesetzt werden könnten.

„Gleichzeitig aber sollten wir uns eingestehen“, betont Schaefer vom ÄZQ, „dass nicht alle Menschen über die kognitiven Fähigkeiten verfügen, komplexe Informationen zu verarbeiten. Da können wir so viel Gesundheitskompetenz fördern, wie wir wollen.“ Deshalb seien Ärztinnen und Ärzte als ehrliche Treuhänder von Patienteninteressen unverzichtbar.

Falk Osterloh

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