ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2017Nanoliposomales pegyliertes Irinotecan: Neue Option beim Pankreaskrebs

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Nanoliposomales pegyliertes Irinotecan: Neue Option beim Pankreaskrebs

Dtsch Arztebl 2017; 114(4): A-171 / B-153 / C-153

Arand, Manuela

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Erstmals konnte ein Überlebensvorteil von mehreren Monaten in der Secondline-Chemotherapie bei diesem Tumor demonstriert werden.

Für die Mehrzahl der Patienten bedeutet die Diagnose Pankreaskarzinom nach wie vor das Todesurteil. Denn die Erkrankung ist meist so weit fortgeschritten, dass eine potenziell kurative Totalresektion nicht mehr möglich ist. Mit nanoliposomalem pegylierten Irinotecan (nal-IRI) steht jetzt eine neue Therapie zur Verfügung, die – kombiniert mit 5-Fluorouracil/Leucovorin (5-FU/LV) – das Überleben in der Zweitlinie um mehrere Monate verlängert. Studien zum Erstlinieneinsatz laufen bereits.

Äußerst schlechte Prognose

„Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen ist die Prognose beim Pankreaskarzinom nach wie vor miserabel“, betonte Prof. Dr. med. Hanno Riess, ärztlicher Leiter der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Charité, Campus Mitte, in Berlin. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei gerade einmal 5 %, und selbst bei Patienten, bei denen eine Komplettresektion versucht werden kann, übersteigt sie die 10-%-Marke nicht. Auch eine adjuvante postoperative Chemotherapie verbessert die Prognose bisher nur wenig. „Der Fortschritt, der bei anderen soliden Tumoren in den letzten Jahren erreicht worden ist, ist am Pankreaskarzinom vorübergegangen“, so Riess.

Gemicitabin bildet immer noch die Basis für die palliative Chemotherapie bei nicht resektablen oder metastasierten Pankreaskarzinomen. Versuche, eine andere Firstline-Option zu etablieren, sind weitgehend fehlgeschlagen, wobei je nach Allgemeinzustand des Patienten heute auch erweiterte Therapieschemata (Gemcitabin plus Erlotinib oder Paclitaxel, FOLFIRI) zum Einsatz kommen. Den entscheidenden Durchbruch hat keines dieser Regimen gebracht. Dennoch besteht ein Bedarf an effektiven Secondline-Optionen, da etwa die Hälfte der Patienten bei Progress in einem Performance-Status ist, der eine Zweittherapie erlaubt.

Vor diesem Hintergrund bewertete Prof. Dr. med. Arndt Vogel, leitender Oberarzt in der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover, die im Oktober erfolgte Zulassung für nal-IRI (Onivyde®) als beträchtlichen Fortschritt. In nal-IRI wurde Irinotecan so verpackt, dass der Topoisomerase-Inhibitor nicht beim ersten Leberdurchgang metabolisiert wird, sondern in vergleichsweise hoher Konzentration den Tumor erreicht. Es gibt sogar Hinweise, dass er sich selektiv im Mikroenvironment des Pankreaskarzinoms anreichert.

Die Zulassung für die Zweitlinientherapie nach Progress unter einer Gemcitabin-haltigen Vortherapie stützt sich auf die Ergebnisse der offenen randomisierten Phase-III-Studie NAPOLI-1 (1). Darin wurde nal-IRI zusammen mit 5-FU/LV bei 417 Patienten mit metastasiertem duktalem Adenokarzinom des Pankreas mit 5-FU/LV oder nal-IRI alleine verglichen.

Erstmals konnte gezeigt werden, dass eine Chemotherapie das Überleben der Patienten signifikant verlängert, berichtete Vogel: Das Gesamtüberleben unter nal-IRI-basierter Therapie betrug 6,1 Monate, unter 5-FU/LV alleine dagegen nur 4,2 Monate (Hazard Ratio: 0,67, p = 0,012). „Die Kurven trennen sich sehr früh“, so der Onkologe. Das mediane progressionsfreie Überleben wurde von 1,5 Monaten auf 3,1 Monate verdoppelt (HR: 0,56, p < 0,0001).

Erkauft wurde dieses Resultat mit einer höheren Toxizität, vor allem mit gastrointestinalen Nebenwirkungen, Neutropenien, Fatigue und Alopezie – „nichts, womit wir nicht gerechnet hätten, und zumeist gut behandelbar“, wie Vogel betonte. Beide Referenten zeigten sich überzeugt, dass nal-IRI die Basis des künftigen Therapiestandards für die Secondline-Therapie des Pankreaskarzinoms darstellt und auch die Erstlinienstrategie erweitern könnte.

Das liposomale Irinotecan wird inzwischen auch in anderen Kombinationen und bei anderen soliden Tumoren erprobt, die eine Chemotherapie-Resistenz zeigen, darunter das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom.

Manuela Arand

Quelle: Launch-Pressekonferenz „ONIVYDE® – Neue Perspektive für Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom“, Berlin, 18. November 2016, Veranstalter: Shire

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1.
Wang-Gillam A, et al.: Nanoliposomal irinotecan with fluorouracil and folinic acid in metastatic pancreatic cancer after previous gemcitabine-based therapy (NAPOLI-1):
a global, randomised, open-label, phase 3 trial. Lancet 2016; 387: 545–57 CrossRef
1.Wang-Gillam A, et al.: Nanoliposomal irinotecan with fluorouracil and folinic acid in metastatic pancreatic cancer after previous gemcitabine-based therapy (NAPOLI-1):
a global, randomised, open-label, phase 3 trial. Lancet 2016; 387: 545–57 CrossRef

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