ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2017Nahrungsergänzungsmittel: Verbraucherzentralen wollen über Nutzen und Risiken aufklären

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Nahrungsergänzungsmittel: Verbraucherzentralen wollen über Nutzen und Risiken aufklären

Dtsch Arztebl 2017; 114(4): A-174 / B-156 / C-156

Maybaum, Thorsten; EB

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Die Verbraucherzentralen sehen Nahrungsergänzungsmittel kritisch. Foto: picture alliance
Die Verbraucherzentralen sehen Nahrungsergänzungsmittel kritisch. Foto: picture alliance

Die Verbraucherzentralen haben ein neues Internetangebot (www.klartext-nahrungsergaenzung.de) vorgestellt. Es soll Orientierung und Informationen über Risiken und Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln bieten. Nutzer können sich dabei auch an Ernährungsexperten wenden und Produktbeschwerden einreichen. Die Verbraucherzentralen und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderten bei der Vorstellung des Portals zudem staatliche Zulassungsverfahren, Positivlisten für zugesetzte Stoffe und klare Höchstmengenregelungen, eine öffentlich zugängliche Produktdatenbank sowie anbieterunabhängige Informationen über mögliche Risiken der Produkte. Für Beschwerden und unerwartete Wirkungen müsse eine Meldestelle eingerichtet werden, an die sich Verbraucher wenden können.

„Der Großteil der Bevölkerung Deutschlands ist heute mit Nährstoffen ausreichend versorgt. Dennoch wird in Deutschland jährlich mehr als eine Milliarde Euro für Nahrungsergänzungsmittel ausgegeben. Jeder dritte Befragte nimmt Nahrungsergänzungsmittel ein“, sagte Angela Clausen, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale NRW, zu einer forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen. Sie betonte, Verbraucher würden zu wenig über diese Produkte erfahren und unterschätzten daher die Risiken. „Viele Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln vermitteln Verbrauchern, sie würden ihrer Gesundheit etwas Gutes damit tun. Häufig aber sind solche Produkte Geldverschwendung, manchmal sogar gesundheitsgefährdend“, sagte Klaus Müller, Vorstand des vzbv. Er betonte, Nahrungsergänzungsmittel seien keine herkömmlichen Lebensmittel. „Wir brauchen dringend klare Regeln für sinnvolle Dosierungen und definierte Anforderungen an die Inhaltsstoffe“, sagte er. Solange es keine EU-Regeln gebe, seien nationale Lösungen gefragt.

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Die Industrie forderte die Verbraucherzentralen auf, Verbraucherverunsicherung zu vermeiden. Dazu gehöre, dass das neue Internetangebot wissenschaftsbasiert und ideologiefrei informieren müsse. Nahrungsergänzungsmittel dürften nicht pauschal verunglimpft werden. Sie seien vielmehr Lebensmittel mit dem Ziel der sinnvollen und individuellen Ernährung für jedermann, sagte Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL). Der BLL unterstützt die Forderung des vzbv nach Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe. Allerdings müsse dies auf europäischer Ebene geregelt werden. Die Forderung einer Zulassungspflicht für Nahrungsergänzungsmittel sei unsinnig und überflüssig, hieß es. may/EB

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