ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2017Randnotiz: Intoleranzen unlimited

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Randnotiz: Intoleranzen unlimited

Dtsch Arztebl 2017; 114(4): A-141 / B-129 / C-129

Gießelmann, Kathrin

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Vor allem bei jungen Leuten haben sie sich wie aus dem Nichts epidemieartig ausgebreitet. Unverträglichkeiten und Allergien sind auf dem Vormarsch. Das berichtete Jens Baas von der Techniker Krankenkasse (TK) bei der Vorstellung des Ernährungsberichts 2017 in Berlin. Der Topfavorit sei die Laktoseintoleranz – ihr Anteil hat sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelt. Bei den 18- bis 24-Jährigen sogar verzwölffacht.

Merkwürdig findet Baas den rasanten Anstieg schon. Warum nur verträgt Marcel auf einmal kein Gluten mehr? Nele bekommt Bauchschmerzen, wenn sie nur an Laktose denkt und ihr Freund Lennard fühlt die Vorboten der Laktoseintoleranz, seitdem selbst Discounter vegane Milchalternativen anbieten. Für den Vorsitzenden der Krankenkasse ist die Sache klar. Die wenigsten haben tatsächlich eine Unverträglichkeit. Der Promifaktor hat zugeschlagen. Wenn Teeniestars wie Miley Cyrus berichten, dass sie an Laktose- und Glutenintoleranzen leiden, ist das Grund genug, ab sofort nur noch Soja-Chai-Latte zu ordern. Seit der damit verbundenen Ernährungsumstellung ist Cyrus zudem schlanker und fitter denn je, schreibt die Bild. Laut dem TK-Bericht nimmt der Trend gen Osten zu, mit Berlin und Brandenburg an der Spitze. Außerdem gehören jene zur Risikogruppe, die sehr gut kochen können. Glück für alle Nicht-Köche. Sie können im Supermarkt weiterhin hemmungslos zugreifen. Dem Restrisiko, dass ungewollt ein laktose- oder glutenfreies Produkt im Einkaufswagen landet, könnte sich Ernährungsminister Christian Schmidt widmen, sobald er die fleischlose Fakewurst umbenannt hat. Verbraucherfreundliche Kennzeichnungen für versteckte Zucker und Fette können warten.

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