ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2017Behandlungsfehler: Nebenwirkung der Ökonomie
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In dem ausgezeichnet verständlichen und sehr praxisbezogenen Übersichtsartikel von Peter Glanzmann und Prof. Dr. med. Marcus Schiltenwolf fehlt ein Hinweis auf ein Problem, das in den letzten Jahren immer größere Bedeutung gewinnt. Zu Recht weisen die Autoren darauf hin, dass „der Arzt, wenn es sich um die Behandlung in einem Bereich handelt, dessen Risiken bei richtiger Organisation voll beherrschbar sind“, sich mit einer Beweislastumkehr für einen entstandenen Schaden konfrontiert sieht.

Die Einflussnahme des Arztes auf die Infrastruktur, sei es in Bezug auf die verwendeten Materialien, sei es in der Quantität oder der Qualität der Mitarbeiter, ist in den letzten Jahren jedoch deutlich rückläufig. Dr. Tim Neelmeier beschreibt es in seiner preisgekrönten Promotion „Organisationsverschulden patientenferner Entscheider und einrichtungsbezogene Aufklärung“ korrekt. „Die Zunahme infrastrukturbedingter Behandlungsfehler in den letzten Jahren ist eine Nebenwirkung der ökonomisierten Medizin. Kennzeichnend für den Präventionsverlust des Strafrechts ist dabei die Inkongruenz zwischen wirtschaftlicher und rechtlicher Verantwortung der Entscheidungsträger in Kliniken und Praxen. Die behandelnden Ärzte tragen bislang das alleinige Strafverfolgungsrisiko, obwohl Ihnen oftmals nur eine Übernahmeverschulden angelastet werden kann. Dieses Verantwortungsgefälle wird nicht vom Gesetz vorgesehen, sondern resultiert aus einer zu engen Gesetzesauslegung durch die Ermittlungsbehörden.“

Danach ist nach meiner Auffassung bei jedem Organisationsverschulden mit anschließender zivil- und/oder strafrechtlicher Verfolgung des behandelnden verantwortlichen Arztes gutachterlich darauf zu achten – und gegebenenfalls nachzufragen –, inwieweit die Kollegin oder der Kollege die hier bemängelten Organisationsfehler überhaupt beeinflussen kann.

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Dr. med. Michael Glaßmeyer, 44575 Castrop-Rauxel

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