ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2017Ausschluss schwerer Infekte bei akut kranken Kindern: CRP-Bestimmung ist nur bei erhöhtem Risiko nötig

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Ausschluss schwerer Infekte bei akut kranken Kindern: CRP-Bestimmung ist nur bei erhöhtem Risiko nötig

Dtsch Arztebl 2017; 114(5): A-225 / B-202 / C-202

Eckert, Nadine

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Die Bestimmung des C-reaktiven Proteins (CRP) hilft beim Ausschluss schwerwiegender Infektionen. Sollte deshalb bei allen akut kranken Kindern eine Labordiagnostik mittels CRP-Bestimmung erfolgen? Oder genügt es, den CRP-Wert nur bei denjenigen zu bestimmen, die besonders gefährdet sind?

Zur Beantwortung dieser Frage nahmen in Belgien 133 Mediziner in 78 Allgemeinpraxen an einer randomisiert-kontrollierten Studie teil. Sie führten randomisiert entweder bei allen akut kranken Kindern, die in die Praxis kamen, eine CRP-Bestimmung durch (1 730 Episoden) oder nur bei jenen mit erhöhtem Risiko (1 417 Episoden). Ein erhöhtes Risiko wurde bei Atembeschwerden, Fieber ≥ 40 °C, Diarrhoe, Alter zwischen 12–20 Monaten und bei klinischen Bedenken angenommen.

Als Hauptendpunkt analysierten die Studienautoren Hospitalisierungen wegen schwerer Infektionen innerhalb von 5 Tagen. Die Beschränkung der Labordiagnostik mittels CRP-Bestimmung auf Kinder mit erhöhtem Risiko reduzierte die Zahl der getesteten Kinder substanziell um 79,9 % (95-%-Konfidenzintervall [KI]: 77,8–82,0 %). Einen signifikanten Unterschied zwischen beiden Studienarmen in Bezug auf die Zahl der Kinder mit schweren Infektionen, die stationär aufgenommen wurden, gab es nicht (0,16 % vs. 0,14 %; p = 0,88). Von den 80 Kindern, die zum Infektionsausschluss an ein Krankenhaus überwiesen wurden, hatten 24 ein CRP < 5 mg/L (30,7 %; 95-%-KI: 19,6–45,6 %). Aber nur bei einem Kind mit einem CRP < 5 mg/L war eine stationäre Therapie tatsächlich nötig, nämlich zur Rehydrierung wegen viraler Gastroenteritis.

Die Studienautoren folgern, dass die Bestimmung des CRP-Wertes auf akut kranke Kinder mit erhöhtem Risiko beschränkt werden sollte. Ein CRP < 5 mg/L schließe eine schwerwiegende Infektion aus und könne von Medizinern genutzt werden, um unnötige Überweisungen an ein Krankenhaus zu vermeiden.

Fazit: „Die Studie aus belgischen Primärversorgungszentren zeigt, dass durch eine klinische Vorselektion bei etwa 80 % der akut kranken Kinder auf eine Labordiagnostik mittels CRP-Bestimmung verzichtet werden kann, ohne dass dadurch therapierelevante Diagnosen übersehen werden“, resümiert Prof. Dr. med. Klaus-Peter Zimmer, der am Universitätsklinikum Gießen die Abteilung Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie leitet.

Eine solche klinische Vorselektion bestehe aus einer körperlichen Untersuchung und den „red flags“ Dyspnoe, Fieber ≥ 40°C, Alter zwischen 12–30 Monaten, Durchfall und klinischen Bedenken.

„Dieses Vorgehen spart nicht nur Geld, Zeit und medizinische Ressourcen, sondern vermeidet auch Schmerzen durch Blutentnahmen“, kommentiert Zimmer. „Da in Deutschland anders als in Belgien die Primärversorgung von Kindern in den Händen von Kinder- und Jugendmedizinern liegt, ist der Effekt der klinischen Untersuchung in unserem Gesundheitssystem bei akut kranken Kindern als noch größer einzuschätzen: > 90 % benötigen keine CRP-Bestimmung.“ Nadine Eckert

Verbakel JY, Lemiengre MB, et al.: Should all acutely ill children in primary care be tested with point-of-care CRP: a cluster randomised trial. BMC Medicine 2016;14: 131.

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