ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2017Multiples Myelom: Patienten ohne minimale Resterkrankung leben länger

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Multiples Myelom: Patienten ohne minimale Resterkrankung leben länger

Heinzl, Susanne

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Die prognostische Aussagekraft der minimalen Resterkrankung (MRD) bei Patienten mit multiplem Myelom wurde schon früher häufig untersucht, allerdings waren die entsprechenden Studien meist klein, unterschieden sich in der Patientenpopulation, in der Therapie und in der Methode, mit der die minimale Resterkrankung nachgewiesen wurde. Daher wurde nun in einer Metaanalyse untersucht, ob es einen Effekt auf das Überleben hat, wenn neu diagnostizierte Patienten durch die Erstlinientherapie MRD-negativ geworden sind (1).

21 Studien, in denen Patienten mit neu diagnostiziertem multiplen Myelom behandelt und der MRD-Status untersucht worden war, wurden eingeschlossen. Die MRD war auch in diesen Untersuchungen mit unterschiedlichen Methoden bestimmt worden.

Analysiert wurde der Effekt des MRD-Status auf das progressionsfreie (PFS) und das Gesamtüberleben (OS). In 14 Studien mit 1 273 Patienten fanden sich Daten zum PFS und in 12 Studien mit 1 100 Patienten zum OS. Patienten, die MRD-negativ waren, hatten ein signifikant besseres PFS (Hazard-Ratio [HR]: 0,41; p < 0,001) und OS (HR: 0,57; p < 0,001) als Patienten mit MRD. MRD-negative Patienten lebten im Median 54 Monate ohne Progression, MRD-positive nur 26 Monate. Das mediane OS betrug 98 Monate ohne MRD und 82 Monate mit MRD.

Zusätzlich wurde der Effekt des MRD-Status auf das PFS und das OS bei Patienten mit komplettem Ansprechen (CR) analysiert. Bei diesen Patienten deutete ein positiver MRD-Status ebenfalls auf ein kürzeres PFS (HR: 0,44; p < 0,001) und ein kürzeres OS (HR: 0,47; p < 0,001) hin als bei einem negativen MRD-Status. MRD-negative Patienten mit komplettem Ansprechen lebten im Median 56 Monate ohne erneute Progression, MRD-positive Patienten 34 Monate. Das mediane OS betrug 112 Monate ohne MRD und 82 Monate mit MRD.

Fazit: Daten einer großen Metaanalyse belegen, dass der MRD-Status bei Patienten mit multiplem Myelom prognostische Bedeutung hat und sich als Surrogat-Parameter für das progressionsfreie und das Gesamtüberleben eignen könnte. In allen in diese Metaanalyse eingeschlossenen Untersuchungen war der Einfluss des MRD-Status auf das Therapieergebnis unabhängig von der Art der Behandlung.

Diese Analyse sei ein erster Schritt zur Lösung der Frage, ob der MRD-Status sich als Endpunkt in klinischen Studien eigne, heißt es im begleitenden Editorial (2). Noch aber gebe es viele offene Fragen, zum Beispiel, bei welchem MRD-Level der klinische Nutzen am höchsten sei. So legten Studiendaten zwar den Schluss nahe: je geringer die minimale Resterkrankung, desto besser das Therapieergebnis. In die aktuelle Metaanalyse seien jedoch Studien mit nicht ganz tiefen MRD-Leveln aufgenommen worden. Außerdem waren die meisten Patienten mit allogenen Stammzellen transplantiert worden. Daher sei der Nutzen der MRD-Bestimmung bei nicht transplantierten und bei rezidivierten oder therapierefraktären Patienten nach wie vor unbekannt.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Munshi NC, Avet-Loiseau H, Rawstron AC, et al.: Association of minimal residual disease with superior survival outcomes in patients with multiple myeloma. A meta-analysis. JAMA Oncol 2017; 3: 28–35.
  2. Gormley N, Farrel AT, Pazdur R: Minimal residual disease as a potential surrogate end point – lingering questions. JAMA Oncol 2017; 3: 18–20.

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