ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2017Praxisgründung: Beratung für den Schritt in die Niederlassung

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Praxisgründung: Beratung für den Schritt in die Niederlassung

Beerheide, Rebecca

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Am Anfang steht die Idee der Niederlassung – und dann beginnen die vielen Fragen: Das Deutsche Ärzteblatt gibt einen ersten Überblick und startet eine Serie zur Praxisgründung.

Glaubt man den Analysen für Existenzgründungen, dann steht für viele Ärztinnen und Ärzte im Alter von 42,3 Jahren ein Thema auf dem Lebensplan: Die Gründung oder der Einstieg in eine eigene Praxis. Nach dem ersten Wunsch stellen sich sogleich aber viele Fragen: Kann eine Praxis beispielsweise innerhalb der Familie übernommen werden, gibt es Angebote von erfahrenen Kollegen auf einer Praxisbörse oder steht man auf der Warteliste für den nächsten freien Arztsitz? Werden Räume, Geräte, Mitarbeiter übernommen oder muss alles neu gekauft und gefunden werden? Und wie sieht es überhaupt mit dem Kredit bei einer Bank oder der Zulassung für eine Neiderlassung aus?

Zwischen der ersten Idee zur Niederlassung und der Begrüßung des ersten Patienten in der Praxis können nach Erfahrung von Stefan Schreier schon einmal bis zu zwei Jahre vergehen. „Dabei kann man damit rechnen, dass zwischen der Suche nach geeigneten Räumen und dem Kaufvertrag etwa ein Jahr vergeht, beim Antrag auf Zulassung ein weiteres Jahr“, sagt Schreier, der mit seinem Kollegen Robert Bachmann bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin Ärztinnen und Ärzte bei Fragen unterstützt. Rund 300 Neuniederlassungen berät die KV pro Jahr. Dabei gibt die KV Berlin selbst nur die Beratung zu Themen rund um die Zulassung. Zu privatrechtlichen Fragestellungen, wie Kaufverträge oder Kredite, können KVen keine Beratung geben und verweisen an spezialisierte Steuerberater oder Fachanwälte.

Bei der Beratung zu öffentlich-rechtlichen Fragestellungen muss einiges geklärt werden – wie beispielsweise funktionieren die unterschiedlichen Zulassungsmöglichkeiten, wie kann man sich auf seinen Wunscharztsitz bewerben und wie funktioniert der schriftliche Antrag an den zuständigen Zulassungsausschuss der KV? Dabei zählen die Experten der KV zunächst vier Schritte auf, die jeder Niederlassungswillige in Deutschland aus rechtlicher Sicht durchlaufen muss: Wer als Vertragsarzt oder Vertragspsychotherapeut arbeiten will, muss im KV-Bereich seines Wohnortes einen Antrag auf Zulassung in das Arztregister stellen. Voraussetzungen sind die Approbation und die bestandene Facharztprüfung. Viele KVen empfehlen als zweiten Schritt den Eintrag auf die Warteliste für eine Zulassung. „Mit dem Wartelisteneintrag dokumentiert der Arzt oder Psychotherapeut sein nachhaltiges Interesse an einer Niederlassung“, so die KV. In Regionen, die als unterversorgt gelten, gibt es oftmals keine Wartelisten.

Dritter Schritt ist ein Antrag auf Zulassung als Vertragsarzt. Darüber entscheidet der Zulassungsausschuss, in dem Vertreter der KV sowie der Krankenkassen sitzen. Danach steht die Bewerbung auf einen ausgeschriebenen Praxissitz an.

Wie viele andere KVen hat auch die Körperschaft in Berlin ein Seminarprogramm aufgelegt, bei dem sich jeden Monat Niederlassungswillige über die verschiedensten Themen zum Schritt in die Praxis informieren können.

Seminare und Fortbildungen bieten nicht nur fast alle KVen an, auch Geldinstitute wie die ApoBank will ihre Kunden informieren. Gründungsberaterin Ute Keller, zuständig für Heilberufler in der Filiale in Stuttgart, hat beobachtet, dass viele ihrer Kunden schon sehr gut vorbereitet in erste Gespräche über Finanzierungen kommen. „Dabei ist es uns wichtig, dass wir gemeinsam eine Anamnese der Kundenwünsche besprechen und dann in die finanzielle Diagnose der persönlichen Möglichkeiten gehen“, sagt Keller. Da die Bank den Anspruch hat, ihre ärztlichen Kunden ein Berufsleben lang zu betreuen, könnten hier auch besonders gut Erwartungen und Ziele in einem Beratungsgespräch definiert werden, erklärt Keller. Laut den Analysen der Bank sind viele Kunden Anfang 40, wenn sie sich für eine Niederlassung entscheiden. Dabei verfügt die Bank über ein speziell für Ärzte entwickeltes Investitionskostenanalyseprogramm (INKO), mit dem Praxiseinnahmen ausgerechnet werden können. Die Einnahmen seien auch von den Vorstellungen abhängig, die eine Ärztin oder Arzt hat: „Wir versuchen, dem Arzt die komplexen Zahlen plastisch zu machen. Denn natürlich hören wir die Frage, kann ich mir eine Praxis leisten, sehr oft“, so Keller. Aus ihrer Erfahrung kommt es vor, dass auch Ärztinnen und Ärzte in die Beratung kommen, die über 50 Jahre alt sind. „Auch hier kann es natürlich noch möglich sein, eine Niederlassung zu finanzieren.“

Auch die Praxisabgabe will frühzeitig geplant werden. KV-Berater Schreier sowie ApoBank-Beraterin Keller gehen von drei bis fünf Jahren aus, bis eine Praxis in neuen Händen ist. Dafür haben KVen Informationstage eingerichtet: Auf Praxisbörsen sollen jüngere Ärzte mit denen zusammenkommen, die ihre Praxen abgeben wollen.

Das Deutsche Ärzteblatt wird in loser Folge in den kommenden Monaten über viele Aspekte von Gründung, Übernahme und Praxisabgabe berichten.

Rebecca Beerheide

Infos zur Praxisgründung

Wer sich mit dem Gedanken trägt, eine eigene Praxis zu gründen, eine Praxis zu übernehmen oder in eine bestehende Praxis einzusteigen, findet an sehr vielen Stellen Informationsmaterial. Das Deutsche Ärzteblatt wird in loser Folge auch über einzelne spezielle Aspekte der Praxisgründung berichten.

Neben den Seiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (http://d.aerzteblatt.de/LQ23 sowie www.lass-dich-nieder.de) bieten die 17 Kassenärztlichen Vereinigungen auf ihren Webseiten eine Fül-le von Informationsmaterial und Veranstaltungen an. Eine Auswahl:

  • Die KV Baden-Württemberg hat neben vielen anderen Angeboten sieben Informationsbroschüren für Interessierte erstellt: http://d.aerzteblatt.de/UV37
  • Die KV Bayerns bietet in einem Starterpaket umfangreiche Infos an: http://d.aerzteblatt.de/XK96 Ein Patenprogramm soll den Weg in die Niederlassung begleiten: http://d.aerzteblatt.de/XG64
  • Die KV Brandenburg informiert auch über die Fördermöglichkeiten bei Niederlassung in unterversorgten Regionen: http://d.aerzteblatt.de/AP94
  • Die KV Bremen stellt eine Checkliste mit Ansprechpartnern in der Region bereit: http://d.aerzteblatt.de/AC44
  • Die KV Berlin hat neben einem Niederlassungsfahrplan auch ein umfangreiches Seminarprogramm für interessierte Ärztinnen und Ärzte aufgestellt: http://d.aerzteblatt.de/AT56
  • Die KV Hamburg erklärt hier die Niederlassung in der Hansestadt: http://d.aerzteblatt.de/LS63
  • Die KV Hessen veranstaltet im März und im Mai ihr Gründer- und Abgabeforum: http://d.aerzteblatt.de/MD28
  • Die KV Mecklenburg-Vorpommern beschreibt hier den Weg in die Praxis: http://d.aerzteblatt.de/EA23
  • Die KV Niedersachsen informiert auch über finanzielle Förderungsmöglichkeiten, für die, die sich in bestimmten Regionen im Land niederlassen wollen. http://d.aerzteblatt.de/VE74
  • Die KV Nordrhein bietet ausführliche Informationen zur betriebswirtschaftlichen Beratung der Körperschaft:

http://d.aerzteblatt.de/PQ87

  • Die KV Rheinland-Pfalz bietet am 2. März und 4. März Informationstage zur Niederlassung an: http://d.aerzteblatt.de/LX12
  • Die KV Saarland berichtet über Erfahrungen, die Weiterbildungsassistenten in der Praxis machen konnten:

https://kvsaarland.de/nachwuchs

  • Die KV Sachsen engagiert sich gemeinsam mit anderen Partnern im Netzwerk „Ärzte für Sachsen“ www.aerzte-fuer-sachsen.de
  • Die KV Sachsen-Anhalt zeigt in vier Videos die Schritte zur eigenen Praxis: http://d.aerzteblatt.de/PW22
  • Die KV Schleswig-Holstein bietet Informationen und offene Beratungsstunden zur Niederlassung im April, Juni und Oktober an: http://d.aerzteblatt.de/GW38
  • Die KV Thüringen berichtet über Fördermöglichkeiten hier: http://d.aerzteblatt.de/EN36
  • Die KV Westfalen-Lippe berichtet im Portal „Praxisstart“ ausführlich über die Wege in die Niederlassung: www.praxisstart.info

Auch die ApoBank bietet Informationsmaterial und Checklisten für die erste Orientierung: http://d.aerzteblatt.de/AA13 Rebecca Beerheide

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