ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2017Prostatakrebs-Studie: Abwarten mit Überwachung
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Warum sollten an lokal begrenztem Prostatakarzinom leidende Patienten die Risiken von invasiven Eingriffen bzw. nebenwirkungsreichen Verfahren (radikale Prostatektomie, perkutane Bestrahlung, Brachytherapie) in Kauf nehmen, wenn sie durch die Maßnahme des Abwartens mit aktiver Überwachung eine gute Aussicht hätten, ohne OP bzw. Bestrahlung beschwerdefrei leben zu können, gleichzeitig aber auch die Option für einen eventuellen rechtzeitigen Eingriff zu haben, sollte der Tumor in ein gefährliches Stadium treten. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist ohnehin gering. Zum Thema low-risk prostate cancer sagte mir damals der Studienleiter von PREFERE, Dr. Jörg Winkle, Oberarzt am Klinikum Aschaffenburg, dass solche Tumore unter Aktive Beobachtung gestellt werden können. In den ersten zwei Jahren werde zwingend vierteljährlich kontrolliert, nach sechs Monaten „nehmen wir eine erneute Biopsie und nach zwei Jahren kann man das auf halbjährliche Intervalle ausdehnen. Durch diese schon sehr engmaschige Kontrolle können wir mit ziemlicher Sicherheit erkennen, wenn der Tumor sein Wachstum beschleunigen sollte, und dann rechtzeitig eingreifen. Extrem wichtig ist, dass der Patient bei der Stange bleibt.“ Wenn also Abwarten mit Überwachung ausreicht, warum dann gleich OP-Risiken wie Impotenz und Inkontinenz oder eventuelle Beschädigungen gesunden Gewebes durch Röntgenstrahlen eingehen?

Das Studiendesign beinhaltete zwar die Möglichkeit, zwei Optionen abzuwählen. Doch selbst wer die aktive Überwachung wählte, musste immer noch damit rechnen, beispielsweise in die Brachytherapie als invasives Verfahren randomisiert zu werden. Wie sollte man ein solches unnötiges Risiko den Patienten „verkaufen“? Vonseiten der Studien-Initiatoren wurde argumentiert, dass manche Menschen die Unsicherheit nicht ertrügen, dass sich im Laufe der Zeit der Tumorstatus verschlechtern könnte. Doch die realen Patienten sind, bis auf die minimale Zahl der PREFERE-Studienteilnehmer, diesem Argument nicht gefolgt, was mich absolut nicht verwundert. Denn Active Surveillance ist deshalb keine echte Alternative zu OP bzw. Bestrahlung, weil es Abwarten und Eingriffsoption darstellt. Nach dem Studien-Desaster wird wahrscheinlich die Akzeptanz für den PSA-Test weiter zurückgehen. Nachdem im Jahre 2008 die US Preventive Services Task Force eine Empfehlung zum Verzicht auf das PSA-Screening ausgesprochen hatte, kam es zu einem deutlichen Rückgang der PSA-Untersuchungen in den USA. Inzwischen steigt aber auch der Anteil metastasierter Tumoren der Prostata bei der Diagnose deutlich an.

Manfred Petz, 63828 Kleinkahl

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