ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2017Klinikpartnerschaften: Fortschritt durch Austausch

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Klinikpartnerschaften: Fortschritt durch Austausch

Dtsch Arztebl 2017; 114(5): A-204 / B-182 / C-182

Korzilius, Heike

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Drei Millionen Euro an deutscher Entwicklungshilfe sollen in den nächsten drei Jahren in Krankenhauspartnerschaften fließen. Die Berliner Charité arbeitet seit 2009 erfolgreich mit der Universitätsklinik in Butare, Ruanda, zusammen.

Das Butare Hospital ist seit 1966 akademisches Lehrkrankenhaus. Foto: CHUB
Das Butare Hospital ist seit 1966 akademisches Lehrkrankenhaus. Foto: CHUB

Viele denken beim Namen „Ruanda“ noch immer zuerst an den Völkermord. Zwischen April und Juli 1994 ermordeten in dem zentralafrikanischen Land Angehörige der Volksgruppe der Hutu mindestens 500 000 Tutsi – mit Folgen für alle gesellschaftlichen Bereiche. „Mit dem Genozid hat Ruanda einen großen Teil seiner Ärzteschaft verloren“, sagt Prof. Dr. med. Frank Mockenhaupt, stellvertretender Direktor des Instituts für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit der Cha-rité – Universitätsmedizin Berlin. „Die Ruander haben in den letzten 20 Jahren primär daran gearbeitet, die Funktionalität der klinischen Versorgung wieder sicherzustellen.“ Erst allmählich könnten sich Ärzte und Gesundheitsexperten neben der direkten Patientenversorgung auch über Strategien oder Prozessoptimierung Gedanken machen. Um diese Entwicklung zu unterstützen, unterhält das Institut für Tropenmedizin der Charité seit 2009 ein Partnerschaftsprojekt mit der Universitätsklinik in Butare, im Süden Ruandas.

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Finanziert wird die Partnerschaft im Rahmen der europäischen Esther-Allianzen (Ensemble pour une Solidarité Thérapeutique Hospitalière En Réseau) mit Geld aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Die Fördersumme beläuft sich auf rund 100 000 Euro für zwei Jahre. „Wir haben inzwischen drei Ausschreibungsrunden für einzelne Projekte durchlaufen“, sagt Mockenhaupt. „Zunächst haben wir uns mit HIV/Aids beschäftigt, dann folgten Wurmerkrankungen und zuletzt das Thema Krankenhaushygiene.“

Auch Forschung ist möglich

Ziel war, vor Ort Desinfektionsmittel zu produzieren, Hygieneprobleme zu identifizieren und Schulungen durchzuführen. Ein Begleitforschungsprojekt untersuchte die Ausbreitung resistenter Krankenhauskeime. Das schätzt Mockenhaupt am Esther-Programm: 30 Prozent der Fördersumme dürfen für Forschungsprojekte verwendet werden. „Meine Motivation, Tropenmedizin im universitären Kontext zu machen, ist Forschung“, sagt der Wissenschaftler. Und Voraussetzung dafür sei der Zugang zu den Regionen, in denen Tropenkrankheiten endemisch seien.

In Sachen Hygiene hat sich die Partnerschaft ausgezahlt. „Als wir mit dem Projekt begonnen haben, wurden in der Uniklinik in Butare nur unzureichend Desinfektionsmittel verbraucht“, erzählt Mockenhaupt. „Am Ende des Projekts durchs Krankenhaus zu gehen und zu sehen, dass jeder der rund 500 Mitarbeiter eine kleine Flasche Desinfektionsmittel in der Kitteltasche trägt, das war wirklich gut.“

Und wie steht es um die Nachhaltigkeit solcher Projekte? „Der direkte Austausch zwischen zwei Arbeitskulturen hinterlässt Spuren. Bei der Herangehensweise, bei der Problemlösungsmentalität gibt es einen Austausch in beide Richtungen“, meint Mockenhaupt. Auch der Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten durch den Austausch von Mitarbeitern wirke über das Ende eines Projekts hinaus.

„Aber das Ganze steht und fällt mit der Finanzierung“, sagt der Tropenmediziner. Ein Nachteil des Esther-Projekts sei, dass es keine Förderung von Personalstellen vorsehe. Letztlich sei viel ehrenamtliches Engagement gefordert, das die Klinikleitung zumindest tolerieren müsse. Immerhin seien die Esther-Projekte aber mit doppelt so viel Geld ausgestattet wie die von Bundesentwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) neu aufgelegten Klinikpartnerschaften (siehe Interview). Für diese stellt das BMZ zusammen mit der Else Kröner-Fresenius-Stiftung in den nächsten drei Jahren 4,6 Millionen Euro bereit. Je Projekt sollen 50 000 Euro fließen.

Heike Korzilius

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