ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2017Zwangsbehandlungen: Bundeskabinett schließt Gesetzeslücke

AKTUELL

Zwangsbehandlungen: Bundeskabinett schließt Gesetzeslücke

PP 16, Ausgabe Februar 2017, Seite 54

dpa; KNA

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Zwangsbehandlungen sind künftig auch möglich bei psychisch Kranken, die in einem normalen Krankenhaus liegen. Foto: dpa
Zwangsbehandlungen sind künftig auch möglich bei psychisch Kranken, die in einem normalen Krankenhaus liegen. Foto: dpa

Eine ärztliche Zwangsbehandlung psychisch kranker Patienten soll künftig auch außerhalb geschlossener Einrichtungen möglich sein. Das sieht ein Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) vor, den das Bundeskabinett gebilligt hat. Damit will die Regierung eine Gesetzeslücke schließen, die das Bundesverfassungsgericht im vergangenen August beanstandet hatte. Patienten, die ihren eigenen Gesundheitszustand nicht mehr selber einschätzen können, dürfen bisher nur dann gegen ihren Willen behandelt werden, wenn sie in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht sind. Wenn sie in einem normalen Krankenhaus liegen, ist eine solche Zwangsbehandlung nach der bisherigen Gesetzeslage hingegen nicht möglich. Das soll sich nun ändern. Voraussetzung für eine zwangsweise Behandlung ist künftig allerdings der stationäre Aufenthalt des Betroffenen in einem Krankenhaus. Es müsse jedoch nicht in einem geschlossenen Teil des Krankenhauses stattfinden, so Maas. Er betonte, eine Zwangsbehandlung sei ein schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte und dürfe nur „das letzte Mittel“ sein. Betreuer sollen deshalb gesetzlich verpflichtet werden, die Betroffenen frühzeitig über die Möglichkeit einer Patientenverfügung aufzuklären. Ambulante ärztliche Zwangsbehandlungen oder eine Zwangsbehandlung in Tageskliniken bleiben Maas zufolge ausgeschlossen. Das Parlament muss der geplanten Neuregelung noch zustimmen. dpa/kna

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema