BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Das Leitlinien-Clearingverfahren von Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung

Dtsch Arztebl 1999; 96(33): A-2105 / B-1706 / C-1561

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in Zusammenarbeit mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft und den Spitzenverbänden der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen
- Ziele und Arbeitsplan
Hintergrund


Die Bundes­ärzte­kammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Spitzenverbände der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen haben im Mai 1999 einen Vertrag über die Einrichtung eines "Leitlinien-Clearingverfahrens" bei der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung (ÄZQ) in Köln geschlossen. Die Partner des Clearingverfahrens begründeten diese Institution in ihrem Vertrag folgendermaßen:
BÄK, KBV, DKG und GKV-Spitzenverbände fördern und unterstützen gemeinsam wissenschaftlich begründete und praktikable Leitlinienprogramme in der Medizin. Die Partner sehen Leitlinien an als - Hilfen für ärztliche Entscheidungsprozesse im Rahmen einer leistungsfähigen Versorgung der Patienten;
- wesentliche Bestandteile von Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement;
- Instrumente zur Verbesserung der Versorgungsergebnisse, zur Minimierung von Behandlungsrisiken und zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit;
- Hilfen für die ärztliche Aus-, Weiter- und Fortbildung.
Zwischen den Partnern besteht Konsens über die Notwendigkeit eines institutionellen Verfahrens zur "Kritischen Bewertung von Leitlinien" (sogenanntes "Leitlinien-Clearingverfahren").
Ein solches Clearingverfahren zielt auf Transparenz, Praktikabilität, Wissenschaftlichkeit und Wirtschaftlichkeit im Bereich der Leitlinien. Es ist Voraussetzung für die Nutzung und Propagierung von Leitlinien in den Verantwortungsbereichen der Partner.
Die Partner beteiligen sich an einem Leitlinien-Clearingverfahren bei der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung (Gemeinsame Einrichtung von Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung).
Die Partner arbeiten zugunsten des Clearingverfahrens zusammen im Rahmen der "Erweiterten Planungsgruppe" der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung.

Aufgaben des Clearingverfahrens

Die Partner halten folgende Aufgaben für vorrangige Bestandteile des Leitlinien-Clearingverfahrens: - Bewertung von wichtigen Leitlinien anhand vorab festgelegter Kriterien, ggf. Empfehlungen zur Verbesserung;
- Kennzeichnung der für gut befundenen Leitlinien;
- Monitoring des Fortschreibens von Leitlinien;
- Information über Leitlinien;
- Unterstützung bei der Verbreitung von Leitlinien;
- Koordination von Erfahrungsberichten über bewertete Leitlinien;
- Unterstützung bei der Evaluation von Leitlinien;
- Anregung für die Weiterentwicklung der "Beurteilungskriterien für Leitlinien".

Instrumente des Clearingverfahrens


"Leitlinie für Leitlinien": Mit den "Beurteilungskriterien für Leitlinien" (1) wurde 1997 von Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung ein Grundlagenpapier über die Qualität von Leitlinien in der medizinischen Versorgung erarbeitet und von den Vorständen beider Häuser publiziert, um die Öffentlichkeit mit den Anforderungen bekanntzumachen, die die ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften an Leitlinien stellen, die sie unterstützen und nutzen möchten. Die "Beurteilungskriterien für Leitlinien" sind nach Vorstellung der Partner die inhaltliche Grundlage des Clearingverfahrens.
"Checkliste zur Beurteilung von Leitlinien": Die Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung erarbeitete 1997 - auf der Grundlage der "Beurteilungskriterien" - ein Instrument zur Beurteilung der Qualität von Leitlinien, um die Entwicklung und Einführung wissenschaftlich begründeter und praktikabler Leitlinien fachlich begleiten und - im Sinne einer Clearingstelle für ärztliche Leitlinien - bewerten zu können. Diese "Checkliste" (2, 3) ist nach Vorstellung der Partner das formale Bewertungsinstrument des Leitlinien-Clearingverfahrens.

Organisationsform des Leitlinien-Clearingverfahrens

Organisatorische Grundlage des Clearingverfahrens ist ein Netzwerk aus Anbietern und Nutzern von Leitlinien sowie von wissenschaftlich auf dem Gebiet der Medizin und des Gesundheitswesens Tätigen. Koordiniert werden die Aufgaben des Clearingverfahrens durch eine Clearingstelle. Dementsprechend besteht das Clearingnetzwerk aus - der Erweiterten Planungsgruppe der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung;
- der Clearingstelle bei der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung;
- den projektbezogenen Expertenkreisen der Clearingstelle, die aus unabhängigen Experten gebildet werden - unter Berücksichtigung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) und der ärztlichen Berufsverbände;
- wissenschaftlichen Partnern: Experten oder wissenschaftliche Institute, die sich zu einer längerfristigen Kooperation mit der Clearingstelle verpflichten und von ihr Aufträge erhalten.

Strukturen und Kooperationsformen
der Clearingstelle


Trägerschaft: Die Leitlinien-Clearingstelle ist ein unselbständiger Arbeitsbereich der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung. Kooperationspartner: Aufgrund der generellen Bedeutung von Leitlinien für alle Bereiche des Gesundheitswesens wird die Leitlinien-Clearingstelle in Kooperation mit folgenden Partnern unterhalten:
- Deutsche Krankenhausgesellschaft;
- Spitzenverbände der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen. Aufgaben der Erweiterten Planungsgruppe: Die Erweiterte Planungsgruppe hat die Aufgabe, über folgende Aspekte des Clearingverfahrens einvernehmlich zu beschließen: - Themenschwerpunkte; - Arbeitsziele; - Zusammensetzung der Expertenkreise;
c Bewertung und Schlußfolgerung von Evidenzberichten.


Arbeitsschritte

Die konkreten Arbeitsschritte, die für die kritische Bewertung einer Leitlinie anfallen, sind in der Abbildung dargestellt. Nach Diskussion und Bewertung des Evidenzberichtes benennen die Partner gegebenenfalls gemeinsam in der Erweiterten Planungsgruppe Versorgungsbereiche und ärztliche Betreuungsmaßnahmen, für die die Entwicklung oder Fortschreibung von Leitlinien notwendig erscheint. Diese Vorschläge richten sich insbesondere an Mitgliedsgesellschaften der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften in Abstimmung mit Berufsverbänden, den Wissenschaftlichen Beirat der Bundes­ärzte­kammer, die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, den Ausschuß Ärzte und Krankenkassen.

Arbeitsprogramm 1999/2000

Mit der Konstitutierung der Erweiterten Planungsgruppe hat das Leitlinien-Clearingverfahren am 20. Juli seine Arbeit aufgenommen. Unter dem Vorsitz von Dr. U. Oesingmann, KBV, und Prof. Dr. F. W. Kolkmann, BÄK, wurden die Ziele, Verfahrensweisen und Instrumente des Clearingverfahrens sowie die ersten Themenbereiche festgelegt. Die Steuergruppe des Clearingverfahrens beschloß einstimmig, zunächst Leitlinien für die Versorgungsbereiche "Schmerztherapie" und "Hypertonie" prüfen zu lassen.
Herausgeber von Leitlinien zu diesen Themenbereichen werden gebeten, bei Interesse ihre Leitlinien (inklusive eines "Leitlinienreports" unter Berücksichtigung der in der Leitlinien-Checkliste (2) angeführten Fragen) zu senden an:

Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (Gemeinsame Einrichtung von BÄK und KBV)
Leitlinien-Clearingstelle
Aachener Straße 233-237
D-50931 Köln E-Mail: azq@dgn.de
Internet: http://www.leitlinien.de


Literatur
1. Bundes­ärzte­kammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung (1997): Beurteilungskriterien für Leitlinien in der medizinischen Versorgung. Dt Ärztebl 1997; 94: A-2154-2155, B-1622-1623, C-1754-1755 [Heft 33]. 2. Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (1998): Checkliste Methodische Qualität von Leitlinien. Dt Ärztebl 1998; 95: A-2576-2578, C-1838-1840 [Heft 41].
3. Helou A, Kostovic-Cilic L, Ollenschläger G (1999): Nutzermanual zur Checkliste "Methodische Qualität von Leitlinien", in: Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (Hrsg.) Leitlinien-In-Fo. ÄZQ. Schriftenreihe Band 1, München, Zuckschwerdt-Verlag, S. 45-68.

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