ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2017Cannabis auf Rezept: Nachbesserungen an Rechtsverordnung gefordert

AKTUELL

Cannabis auf Rezept: Nachbesserungen an Rechtsverordnung gefordert

Hillienhof, Arne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Für die Umsetzung der Begleitstudie fehlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung konkrete Rahmenbedingungen. Foto: iStockphoto/Juanmonino
Für die Umsetzung der Begleitstudie fehlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung konkrete Rahmenbedingungen. Foto: iStockphoto/Juanmonino

Bei der Begleitstudie für die Verordnung von getrockneten Cannabisblüten und -extrakten für Schwerkranke auf Rezept sieht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) noch Änderungsbedarf. Die Kritik bezieht sich unter anderem auf die unklare Regelung zur Kostenübernahme.

Der Bundestag hatte Ende Januar mit einem Gesetz die Verordnung von getrockneten Cannabisblüten und -extrakten sowie Arzneimitteln mit den Wirkstoffen Dronabinol und Nabilon erlaubt. Verordnende Ärzte sind verpflichtet, spätestens ein Jahr nach Beginn der Cannabisbehandlung bestimmte Daten zum Patienten, zu seiner Erkrankung und zum Therapieverlauf anonymisiert an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zur wissenschaftlichen Auswertung zu übermitteln. Diese Erhebung soll weitere Erkenntnisse über die Sicherheit und Wirksamkeit von Cannabis bringen. Den Umfang der Daten und den genauen Ablauf der Begleiterhebung regelt das Bundesgesundheitsministerium in einer Rechtsverordnung.

Anzeige

Die KBV hat nun darauf hingewiesen, dass dieser Entwurf zu wenige Angaben zum Erhebungsbogen und zu dem Verfahren enthält, um den Zeitaufwand und die beim Arzt entstehenden Kosten adäquat zu bewerten. So werde der Aufwand, der Ärzten durch die Teilnahme an der Begleiterhebung entsteht, pro Patient mit 45 Minuten angesetzt. Wer für die Vergütung der Ärzte aufkommen soll, bleibe offen. Deshalb fordert die KBV eine eindeutige Regelung, ob die gesetzliche Krankenversicherung oder gegebenenfalls der Bund als Projektträger der Begleiterhebung für die Vergütung der Ärzte verantwortlich ist. Es sei auch nicht nachvollziehbar, warum die Begleiterhebung pro Patient nur einmalig erfolgen soll – spätestens nach einem Jahr. Immerhin habe der Gesetzgeber die Laufzeit der Cannabisbegleitstudie auf insgesamt fünf Jahre angelegt. Deshalb empfiehlt die KBV, Daten auch für Behandlungsverläufe zu erheben, die länger als ein Jahr dauern. hil

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote