ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2017Krankenhaussanierung: 13 Handlungstipps für Ärzte

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Krankenhaussanierung: 13 Handlungstipps für Ärzte

Dtsch Arztebl 2017; 114(6): [2]

Münse, Thorsten

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Auch in Zeiten wirtschaftlicher Stabilität stehen viele Kliniken vor der Herausforderung, das eigene Bestehen zu sichern. Wie Ärzte in Führungspositionen dabei ihren Teams Sicherheit vermitteln und anstehende Maßnahmen unterstützen können.

Foto: iStockphoto
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Die Hintergründe für Krankenhaussanierungen sind mannigfaltig, die resultierenden, meist tief gehenden Maßnahmen sind oft gleich. Sie reichen von organisatorischen Änderungen über Einschränkungen im Einkauf bis hin zu Änderungen in der Personalgestaltung. Der Patient darf natürlich davon nichts mitbekommen. Seine Behandlung als Mensch im Mittelpunkt des Krankenhauses steht über jeder Einsparmaßnahme.

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Für die Ärzteschaft stellt sich die Frage, wie sie sich in solchen Extremsituationen am besten verhält. Meinen Erfahrungen im Personalmanagement im Gesundheitswesen zufolge ist dies leichter zu beantworten, als gedacht:

1. Von der Geschäftsführung einen Sanierungscockpit anfordern

Fordern Sie bei der Geschäftsführung eine Art „Sanierungscockpit“ an. Lassen Sie sich monatlich darüber informieren, wie sich die wirtschaftlichen Kennzahlen der Klinik entwickeln. Dabei geht es beispielsweise auch um die TOP 10 der Verbrauchsartikel, die Entwicklung von Mehrarbeitsstunden und Urlaub, um die durchschnittliche Verweildauer oder die Bettenauslastung. Wenn möglich, lassen Sie sich die Zahlen im Zweijahresverlauf aufbereiten. Zumeist ist nur ein Zusammensuchen dieser Daten nötig, da diese Kennzahlen ohnehin ermittelt werden und monatlich vorliegen. An dieser Stelle beginnt eine beidseits erforderliche offene und transparente Kommunikation, die für die nächsten Schritte wichtig ist.

2. Mit dem Geschäftsführer über diese Zahlen sprechen

Sprechen Sie mit dem Geschäftsführer oder Vorstand über diese Zahlen und mauern Sie nicht. Es geht nicht darum, die Klinik besser darzustellen, als sie ist. Es geht darum, offen und fair darüber zu sprechen, wo sie sich verbessern muss, wo das möglich ist und wo es vor allem sinnvoll ist. Zum Beispiel sind positive organisatorische Ideen, die die Ärzte bereits umsetzen, gegebenenfalls für eine gesamte Klinik interessant.

3. Mit dem eigenen Team diskutieren

Diskutieren Sie die Zahlen und insbesondere deren Entwicklung mit Ihrem Team. Sie produzieren mit einer offenen Kommunikation eine Transparenz, die in Sanierungsfragen wichtig ist. Das Team muss sich einbringen. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass bereits Ärzte unterhalb der Chefarztebene oft überhaupt kein Wissen darüber haben, welche Zahlen auf welche Art und Weise ein Klinikum bewegen. Aktuelle Schwankungen nehmen Ärzte oft nur subjektiv und emotional wahr, sodass die Kommunikation der Zahlen auch empfehlenswert ist, auch wenn nicht gerade saniert werden muss.

4. Mehrarbeitsstunden und Urlaub abbauen

Bauen Sie Mehrarbeitsstunden und Urlaube ab und schicken Sie ihr Personal rechtzeitig nach Hause. Unnötige Mehrarbeit verschärft die Situation.

5. Interne Personalbesetzungen prüfen

Fordern Sie im Sanierungsfall nicht mehr Personal, wenn es nicht wirklich zwingend notwendig ist. Im Fall der Notwendigkeit prüfen Sie zuerst eine „interne“ Besetzung aus einer anderen Klinik Ihres Hauses. Prüfen Sie, inwiefern Sie vom gesuchten Profil Abstriche machen können, um beispielsweise einen Assistenzarzt anstatt eines Facharztes einzustellen.

6. Fälle 24 Stunden nach der Entlassung codiert haben

Schaffen Sie die Möglichkeit dazu, dass Ihre Fälle innerhalb von 24 Stunden nach der Entlassung codiert sind. Umso schneller Sie abrechnen, umso schneller verfügt die Klinik über liquide Mittel. Die Außenstände der Kliniken sind meist grandios hoch. Zudem benötigen die Krankenkassen nach Eingang mindestens 30 Tage, bis die Zahlung dort veranlasst wird. Wichtig: Codiert werden sollte qualitativ hochwertig, sodass Prüfungen des MDK seltener werden.

7. Im Zwei-Wochen-Rhythmus mit ihrem Personalchef sprechen

Sprechen Sie im Zwei-Wochen-Rhythmus mit Ihrem Personalchef und lassen Sie sich über den aktuellen Stand in Kenntnis setzen, um die Entwicklungen in der Klinik richtig voranzutreiben. Kommunizieren Sie die wichtigen Punkte in Ihren Teambesprechungen.

8. Dem Team Sicherheit geben

Geben Sie Ihrem Team Sicherheit. Wenn Sie die Sanierungsmaßnahmen sachlich unterstützen, können Sie Ihrem Team auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes und der weiteren Ausbildung vor Ort geben.

9. Loyalität vorleben

10. Von der Verwaltung einen Sanierungsplan anfordern

Fordern Sie von der Verwaltung einen Sanierungsplan an, aus dem die wichtigsten Inhalte, die groben Herangehensweisen und die Zeitschienen hervorgehen. Einen Sanierungsplan können Sie auch mündlich mit ihrem Geschäftsführer oder Vorstand besprechen. Sie sollten darauf pochen, dass eine Sanierungsmaßnahme auch ein Ende finden muss, wenn festgeschriebene Ergebnisse erreicht sind. Nur so können Sie mittelfristig ein schlagkräftiges Team aufbauen.

11. Das Team in der Kommunikation schulen lassen

Lassen Sie Ihr Team von der Öffentlichkeitsarbeit darin schulen, wie es Sanierungsmaßnahmen gegenüber Patienten korrekt und offen, aber auch durchaus positiv darstellen kann. Das gibt Patienten die Sicherheit, nicht nur im akuten Fall, sondern auch dauerhaft in der Klinik eine zuverlässige und qualitativ hochwertige Hilfe zu finden.

12. An der Außendarstellung der Klinik arbeiten

Arbeiten Sie intensiv an der Außendarstellung der Klinik: Kontakte zu niedergelassenen Ärzten und anderen Kooperationspartnern sind im Sanierungsfall extrem wichtig, um für Beruhigung zu sorgen und keine weiteren Umsatzeinbrüche zu produzieren.

13. Gutes tun und darüber sprechen

Tun Sie Gutes und sprechen Sie auch darüber: Positive Nachrichten sind insbesondere für die Regionalpresse wichtig. Sorgen Sie für andauernde positive und informative Nachrichten. Informationsabende eignen sich beispielsweise, um über die Sanierung zu sprechen. Wichtig ist, sich dem Thema gegenüber offen und konstruktiv zu stellen.

Meinen Erfahrungen nach ist eine Sanierungsmaßnahme auch für die meisten Geschäftsführer oder Vorstände eine Ausnahmesituation. Sie benötigen Hilfe und Beistand, um gemeinsam mit den Ärzten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ohne eine gegenseitige offene, faire und transparente Kommunikation hat eine Sanierung meist keinen Erfolg. Auch die Leitungen in der Verwaltung können oft überfordert sein.

Wenn sich die Ärzte bei wirtschaftlichen Fragen als Sparringspartner zur Verfügung stellen, erzielen sie dauerhaft für ihre Klinik mehr Erfolg, als wenn sie nur darauf hoffen, dass die Sanierungsmaßnahmen sie selbst nicht treffen.

Thorsten Münse

Geschäftsbereichsleiter Personalmanagement

Universitätsklinikum Jena

07743 Jena

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