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Fehlermanagement: Unter Verdacht

Dtsch Arztebl 2017; 114(6): A-237 / B-213 / C-213

Maibach-Nagel, Egbert

Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur
Egbert Maibach-Nagel, Chefredakteur

Eigentlich kennt man den Vorwurf, das Fehler-
management im Gesundheitswesen sei unzureichend, als Maßnahme der Krankenversicherer, vor Verhandlungen mit der Ärzteschaft oder zu Großereignissen wie dem Deutschen Ärztetag politische Stimmungsmache zu betreiben. Diesmal kommen die im Jahr 2016 von der Techniker Krankenkasse (TK) in der Berliner Morgenpost vermeldeten Verdachtsfälle auf Behandlungsfehler – sie seien um 26 Prozent auf 4 400 vermeldete Fälle gestiegen – auf den ersten Blick unvermittelt. Dabei sind längst nicht alles, was da mit Rückendeckung des Patientenrechtegesetzes angeprangert wird, Behandlungsfehler. Warum wartet man nicht, bis in wenigen Wochen die Ärzteschaft die neuen Gesamtzahlen veröffentlicht?

Sicher: Jeder tatsächliche Behandlungsfehler ist einer zu viel. Deshalb gibt es ja „CIRSmedical“ als bundesweite Meldestelle. Deshalb gibt es die Gutachter- und Schlichtungsstellen der Landesärztekammern oder das von vielen Institutionen gemeinsam getragene Bündnis für Patientensicherheit, deshalb befassen sich Krankenhäuser und Universitätskliniken seit Jahren aktiv mit Möglichkeiten zur Verbesserung der Lage.

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Dass die Panorama-Redaktion am 2. Februar im ARD das Fehlermanagement in Krankenhäusern anging und auf Basis einzelner Fallschilderungen eine bundesweite Dokumentation und Aufarbeitung forderte, dass die Verbraucherzentrale Bundesverband in diesem Beitrag wieder auf unzulängliche Chancen der Patienten hinwies, dass auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, wieder bekräftigte, man müsse natürlich „alles dafür tun, um aus Fehlern zu lernen, damit diese sich nicht wiederholen,“ – all das zeigt, wie gern in dieser Sache verdächtigt und geklagt wird. Panorama selbst verweist nicht auf CIRS, reagiert erst nach entsprechendem Hinweis im anschließenden Diskussionsforum des Internet, man werde „gern“ mit Link auf CIRS verweisen. Wird hier bewusst nicht ausrecherchiert? Es wäre doch weit zielführender, aufzuklären statt unter Verdacht zu stellen.

Es passt wohl doch besser ins (Fernseh-)Bild, wenn die Verbraucherzentrale Bundesverband verschwörungstheoretisch darauf verweist, dass die ärztliche Selbstverwaltung und der Gemeinsame Bundesausschuss nicht wirklich an einer Optimierung interessiert seien, es vielmehr „um Macht, um Geld und um ein politisches Spiel“ geht, das hier vorherrsche.

Fakten wären besser: 2014 wurden 688 Millionen ambulant und 19 Millionen stationär behandelte Fälle verzeichnet. Im Verhältnis dazu haben Gutachterkommissionen und Schlichtungstellen 2015 bundeweit 7 215 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen. Davon blieben letztlich weniger als ein Drittel tatsächliche Behandlungsfehler. Die neuen Zahlen wird die Ärzteschaft wohl in wenigen Wochen präsentieren.

Trotzdem, noch mehr Fakten: Nicht nur das 1995 gegründete Ärztliche Zentrum für Qualität betreibt auf Bundesebene seit Jahren besagtes Fehler-Lern-System „CIRSmedical“. Bundesweit gibt es zudem insgesamt rund 9 000 Qualitätszirkel, die aktiv dazu beitragen, die Situation zu bessern. Alles nicht berichtenswert?

Um es frei mit den Worten des im vergangenen Jahr zum Nobelpreisträger gekürten Folksängers Bob Dylan auszudrücken: Die Antwort darauf verweht wohl im Wind.

Egbert Maibach-Nagel
Chefredakteur

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    dr.med.thomas.g.schaetzler
    am Freitag, 10. Februar 2017, 22:13

    Vorsicht, Herr Chefredakteur!

    Mit den Texten von Bob Dylan wie "Blowin' in the Wind" sollte man nicht zu leichtfertig umgehen.

    Der Literatur-Nobelpreisträger schrieb seinen Text folgendermaßen:
    "How many roads must a man walk down
    Before you call him a man?
    How many seas must a white dove sail
    Before she sleeps in the sand?
    Yes, and how many times must the cannon balls fly
    Before they're forever banned?
    The answer, my friend, is blowin' in the wind
    The answer is blowin' in the wind ...
    Yes, and how many times must a man look up
    Before he can see the sky?
    Yes, and how many ears must one man have
    Before he can hear people cry?
    Yes, and how many deaths will it take 'till he knows
    That too many people have died?
    The answer, my friend, is blowin' in the wind
    The answer is blowin' in the wind"
    Written by Bob Dylan • Copyright © Sony/ATV Music Publishing LLC

    Fehlermanagement in Klinik und Praxis heißt durchaus, den in den Himmel aufzurichten, aufmerksam und achtsam zu hören und zu spüren, wo, warum und weshalb jemand weint bzw. von den Verstorbenen zu lernen, damit nicht noch mehr Patientinnen und Patienten an Über- und Untertherapie, an nosokomialenken Infektionen, Fehldiagnosen oder Unterlassung sterben müssen.

    Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler FAfAM Dortmund

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