ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2017Klimakterium: Langzeitperspektive
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Bei der Beantwortung der Frage ob „Hormon Ersatz Therapie“ (HET) Frauen und ggf. Männern angeboten werden sollte, geht es nicht nur um klimakterische Beschwerden.

Die Bedeutung der HET bezieht sich neben dem Klimakterium in erheblichem Maße auf die Lebensphase danach. Unbestritten ist aber, dass 60 Prozent der klimakterischen Frauen Symptome aufweisen. Oft wird Literatur aus der Vergangenheit herangezogen, die durch demografische Entwicklungen freilich nicht mehr vollständig relevant ist. Darüber hinaus sind ebenfalls ethnische Unterschiede zu berücksichtigen.

HET hat unter Abwägung der Risiken die Sicherstellung des optimalen körperlichen und psychischen Wohlbefindens der Frau und des Mannes als Ziel. Die Gefahr besteht, dass dabei oft nur die Ovarfunktion (bzw. Testikelfunktion) in Betracht gezogen wird und die nachlassende Funktion der anderen hormonproduzierenden Organe, z. B. die Nebennierenrinde, in der Abwägung keine Rolle spielt.

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Es gilt als selbstverständlich, wenn eine Unterfunktion der Schilddrüse oder Bauchspeicheldrüse besteht, dass eine medikamentöse Behandlung vorgenommen werden sollte, weshalb im anderen Fall vielleicht dann nicht? Bei der HET wird selbstverständlich eher aus verschiedenen verständlichen Gründen größere Zurückhaltung gepflegt.

Eine Revision des Stellenwertes der HET ist jedoch wegen der steigenden Lebenserwartung und daraus entstehenden Langzeit-Hormonmangelerscheinungen angebracht. Die Baby-Boom-Generation wird eine massive Nettozunahme der Seniorinnen und Senioren in der Bevölkerung verursachen und damit eine höhere Morbidität – trotz Fitnesstraining, Ernährungsberatung und dergleichen.

Die Anforderungen der derzeitigen und zukünftigen Gesellschaft, besonders im technischen Bereich, nehmen stetig zu und setzen eine fittere zerebrale Funktion voraus, wenn man vollwertig am Gesellschaftsleben teilhaben möchte. Ohne Verständnis, wie die digitale Welt, wie Automatisierung funktioniert, werden die Personen, die durch Hormonmangel nicht mehr mithalten können, bald abgehängt werden. Diese ältere Gruppe der Population wird ebenfalls in der Politik eine wichtige Wählergruppe sein.

Östrogene und Androgene können dazu beitragen, das Gehirn fit zu halten und die körperliche und geistige Zurückbildung auszubremsen. Deshalb sollte im Sinne der Prävention umgedacht und die Verabreichung derartiger Hormone individuell liberal angewandt werden. Genau so ist die präventive Verabreichung von Acetosal in Bezug auf Herzerkrankung und Schlaganfälle in Erwägung zu ziehen.

Der Ausblick auf die Entwicklung der Population macht eine proaktive Strategie für die Morbiditätsprophylaxe und Fitness der Gehirnfunktion unumgänglich.

Dr. med. Michael Scholtes, 40489 Düsseldorf

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