ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2017Periphere arterielle Verschlusskrankheit: Ticagrelor-Prophylaxe nicht wirksamer als Clopidogrel

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Periphere arterielle Verschlusskrankheit: Ticagrelor-Prophylaxe nicht wirksamer als Clopidogrel

Dtsch Arztebl 2017; 114(6): A-271 / B-241 / C-238

Eckert, Nadine

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Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) gilt als Manifestation einer systemischen Arteriosklerose. Sie ist mit einer erhöhten kardiovaskulären, aber auch die Gliedmaßen betreffenden Morbidität und Mortalität assoziiert. Bei PAVK wird eine Plättchenhemmung empfohlen. In der EUCLID- Studie wurde untersucht, ob der potente Gerinnungshemmer Ticagrelor zur Senkung des kardiovaskulären Risikos Clopidogrel überlegen sein könnte. 13 885 Patienten mit symptomatischer PAVK – Einschlusskriterien waren ein anomaler Knöchel-Arm-Index ≤ 0,80 oder frühere Revaskularisierung im Bereich der Beine – wurden randomisiert entweder mit Ticagrelor (90 mg 2-mal/Tag) oder Clopidogrel (75 mg 1-mal/Tag) behandelt. Der primäre Endpunkt war eine Kombination aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt und ischämischem Schlaganfall (Nachbeobachtung im Durchschnitt 30 Monate).

Unter Ticagrelor erreichten 10,8 % der Patienten den primären Endpunkt, unter Clopidogrel 10,6 % (Hazard Ratio [HR]: 1,02; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 0,92–1,13; p = 0,65). Auch bei der Sicherheit gab es keine Unterschiede: In beiden Gruppen erlitten 1,7 % eine akute Ischämie der Gliedmaßen (HR: 1,03; 95-%-KI: 0,79–1,33; p = 0,85) und 1,6 % schwere Blutungen (HR: 1,10; 95-%-KI: 0,84–1,43; p = 0,49).

Fazit: „Nach den Daten zu Ticagrelor bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (PLATO-Studie) und in der Langzeittherapie und Sekundärprävention (PEGASUS-Studie) gibt es nun belastbare Daten zu Nutzen und Sicherheit von Ticagrelor bei PAVK“, kommentiert Prof. Dr. med. Dirk Sibbing, Sprecher der Arbeitsgruppe Kardiovaskuläre Hämostase und antithrombotische Therapie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. Die Daten belegten vor allem eines: „Clopidogrel wirkt sehr gut bei PAVK-Patienten und eine Intensivierung der Plättchenhemmung durch Ticagrelor führt nicht zu einer weiteren Reduktion ischämischer Ereignisse.“

Das Patientenkollektiv lasse aber eine gewisse Inhomogenität erkennen: 76,6 % symptomatische Patienten mit Claudicatio, 18,7 % asymptomatische Patienten und nur 4,6 % Patienten mit kritischer Extremitätenischämie, das sei wenig. Möglicherweise lasse sich im letzteren, sehr kranken Kollektiv durch eine potentere Plättchenhemmung mit Ticagrelor bei größeren Fallzahlen ein Benefit nachweisen. „Insgesamt bedenklich ist der hohe Anteil von mehr als 30 % Therapieabbrüchen im Ticagrelor-Arm“, meint Sibbing. „Dies zeigt, dass unter Langzeittherapie auch kleinere Blutungen und Nebenwirkungen wie passagere Atemnot für die Compliance der Patienten eine große Rolle spielen.“ Nadine Eckert

Hiatt WR, Fowkes FG, Heizer G, Berger JS, et al.: Ticagrelor versus clopidogrel in symptomatic peripheral artery disease. N Engl J Med 2017; 376: 32–40.

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