ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2017Ursachen der Depression bei Sarkoidose

MEDIZIN: Diskussion

Ursachen der Depression bei Sarkoidose

Causes of Depression in Sarcoidosis

Dtsch Arztebl Int 2017; 114(7): 120; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0120a

Groger, Uta

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Herzlichen Dank für den guten Übersichtsartikel (1). Als Allgemeinärztin mit Sarkoidose-Sprechstunde fehlt mir der psychosomatische Aspekt. Denn: Fast alle meine Sarkoidosepatienten leiden unter Depressionen. Die Literatur bietet wenig dazu. Es gibt einen älteren Artikel (2) aus Göttingen, deren Autoren schlussfolgern, dass bei Sarkoidosepatienten „in der Mehrzahl eine chronische Konflikt- oder Überlastungssituation“ vorliege und dass sie „teilweise als workaholic zu beschreiben“ seien. Die Studie wurde mit sehr wenigen Patienten, und zwar solchen, die einen extrem umfangreichen Fragebogen ausgefüllt zurücksandten, erstellt. Ich schließe daraus, dass besonders gewissenhafte und hilfsbereite Patienten betrachtet wurden.

Mein Eindruck ist, dass die Depression bei Sarkoidose auf vier Ursachen beruht. Erstens biochemisch: Entzündung wirkt sich auf seelische und kognitive Funktionen aus, wie bei vielen Autoimmunleiden und bei Interferontherapie. Entzündungsmediatoren machen quasi physiologisch depressiv. Zweitens erschwert die bleierne Müdigkeit Alltagsbewältigung und Sozialkontakte. Drittens erzeugen die meist in jungen Jahren auftretende, oft chronisch und belastend verlaufende Erkrankung sowie Therapienebenwirkungen Sorgen und Angst. Viertens können schon kleine Steroiddosen Depressionen hervorrufen und verschlimmern.

Ein weiterer Punkt: Ich messe beide Vitamin-D-Werte: den 25-OH-Vitamin-D-Wert und den 1-25-OH-Vitamin-D-Wert, und ich sehe im Verhältnis 1-25-OH-Vitamin D zu 25-OH-Vitamin D einen Aktivitätsparameter, der oft sensibler ist als ACE und s-IL-II-Rezeptor. Auch gibt es Sarkoidosepatienten mit evidentem Vitamin-D-Mangel und Indikation zur Substitution.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0120a

Dr. med. Uta Groger

Ärztin für Allgemeinmedizin, Bielefeld

groger.bielefeld@t-online.de

1.
Prasse A: The diagnosis, differential diagnosis, and treatment of sarcoidosis. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 565–74 VOLLTEXT
2.
Lange C, Schüßler G, Hüttemann U: Psychosomatische Aspekte bei der Sarkoidose. Pneumologie 49 1995: 14–9 MEDLINE
1.Prasse A: The diagnosis, differential diagnosis, and treatment of sarcoidosis. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 565–74 VOLLTEXT
2.Lange C, Schüßler G, Hüttemann U: Psychosomatische Aspekte bei der Sarkoidose. Pneumologie 49 1995: 14–9 MEDLINE

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