ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2017Erhöhtes Risiko in der Schwangerschaft
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In der Schwangerschaft ist das Risiko für eine venöse Thromboembolie (VTE) um das 4- bis 5-Fache erhöht. In 80 % der Fälle handelt es sich um tiefe Beinvenenthrombosen und in 20 % um Lungenembolien (1, 2). VTE verursachen 20 % der mit einer Schwangerschaft assoziierten Todesfälle.

Im Wochenbett ist das VTE-Risiko um den Faktor 20 erhöht; in einer Fall­kontroll­studie betrug der Wert sogar um das 60-Fache (1). Dieses Risiko, das über zwei Wochen besteht, ist in der ersten Woche post partum am höchsten. Da die Frauen bei ambulanter Geburt noch am gleichen Tag oder am Folgetag die Klinik verlassen, treten VTE mehr denn je außerhalb von geburtsmedizinischen Abteilungen auf. Damit tragen Praxis und Klinik gemeinsam die Verantwortung für eine Prävention. Das Risikoprofil kann sich im Schwangerschaftsverlauf ändern und ist entsprechend zu kommunizieren. Beispiele hierfür sind stärkere Blutungen unter der Geburt oder postpartal.

Der wichtigste Risikofaktor bleibt eine vorausgegangene VTE, mit einem Rezidivrisiko um den Faktor 25, wenn keine Thrombophilie vorliegt. Letzteres routinemäßig im Labor abzuklären, ist unrealistisch. Aber die Frage nach einer Faktor-V-Leiden-Mutation lohnt wegen einem 35-mal höheren Risiko bei homozygoter Form.

Diese Überlegungen sind auch vor dem Hintergrund einer Sectiofrequenz von über 30 % und einer infolgedessen häufigeren Immobilisation in den ersten Tagen als nach vaginaler Geburt angezeigt relevant. Hier sind eine konsequente Frühmobilisation und mehr Anleitung zu Eigenübungen nötig, wie von den Autoren gefordert (3). Trotz Personalmangel in geburtsmedizinischen Abteilungen darf eine medikamentöse Prophylaxe keinen höheren Stellenwert bekommen als eine physikalische.

VTE-Inzidenzen zwischen 0,5 und 1,7 pro 1 000 Geburten, also ein Unterschied um den Faktor drei (4), weisen auf einen Verbesserungsbedarf hin.

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0118a

Prof. Dr. med. J. Matthias Wenderlein

Universität Ulm

wenderlein@gmx.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Heit JA, Kobbervig CE, James AH, et al.: Trends in the incidence of venous thromboembolism during pregnancy or postpartum: a 30-year population-based study. Ann Intern Med 2005; 143: 697–706 CrossRef MEDLINE
2.
Pomp ER, Lenselink AM, Rosendaal FR, Doggen CJ: Pregnancy, the postpartum period and prothrombotic defects: risk of venous thrombosis in the MEGA study. J Thromb Haemost 2008; 6: 632–37 CrossRef MEDLINE
3.
Encke A, Haas S, Kopp I: Clinical practice guideline: The prophylaxis
of venous thromboembolism. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 532–8 VOLLTEXT
4.
James A: Venous thromboembolism in pregnancy. Arterioscler Thromb Vasc Biol 2009; 29: 326–31 CrossRef MEDLINE
1.Heit JA, Kobbervig CE, James AH, et al.: Trends in the incidence of venous thromboembolism during pregnancy or postpartum: a 30-year population-based study. Ann Intern Med 2005; 143: 697–706 CrossRef MEDLINE
2.Pomp ER, Lenselink AM, Rosendaal FR, Doggen CJ: Pregnancy, the postpartum period and prothrombotic defects: risk of venous thrombosis in the MEGA study. J Thromb Haemost 2008; 6: 632–37 CrossRef MEDLINE
3.Encke A, Haas S, Kopp I: Clinical practice guideline: The prophylaxis
of venous thromboembolism. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 532–8 VOLLTEXT
4.James A: Venous thromboembolism in pregnancy. Arterioscler Thromb Vasc Biol 2009; 29: 326–31 CrossRef MEDLINE

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