ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2017Anmerkung zur Prophylaxeempfehlung
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Ich möchte mich für die übersichtliche Vorstellung der aktuellen S3-Leitlinie „Prophylaxe der venösen Thromboembolie“ bei den Autoren (1) bedanken. Ich würde jedoch gerne eine Anmerkung beziehungsweise einen Diskussionspunkt einbringen bezüglich der Prophylaxeempfehlung bei Nierenlebend- beziehungsweise Leberlebendspendern. In der Tabelle 2 der Arbeit (1) wird diesbezüglich eine perioperative Prophylaxe mit Heparinen empfohlen. Die Leitlinienempfehlung der Thromboseprophylaxe bei Nierenlebendspende basiert auf einer urologischen randomisierten kontrollierten Studie aus dem Jahr 2007 von Osman et al. (2), die insgesamt 75 Patienten in drei Gruppen unterteilte. Die jeweiligen Patientengruppen erhielten eine Thromboseprophylaxe mittels niedermolekularem Heparin, unfraktioniertem Heparin oder keine Prophylaxe. Die präsentierten Studienergebnisse jedoch betreffen ausschließlich das Outcome der Empfänger und nicht das Outcome der Lebendspender. Also kann meines Erachtens keine generelle Empfehlung zur perioperativen Thromboseprophylaxe bei Lebendspender-Nephrektomie auf der Basis dieser Studie ausgesprochen werden. Im Rahmen einer eigenen Literaturrecherche konnte ich keine sonstige Evidenz bezüglich dieser Fragestellung finden. Bezüglich der Thromboseprophylaxe bei Leberlebendspende finden sich weder im Artikel (1) noch in der Langversion der S3-Leitlinie Literaturverweise.

Im eigenen Patientenkollektiv erfolgt eine klinisch-anamnestische Risikoeinschätzung entsprechend der S3-Leitlinie. Bei Nierenlebendspende wird die Nephrektomie in minimal-invasiver, retroperitoneoskopischer Technik durchgeführt und dauert in der Regel 90–120 Minuten. Sie fällt somit in die Niedrigrisikokategorie bezüglich der Entwicklung einer venösen Thromboembolie. Die Spendernephrektomie bedarf daher keiner perioperativen medikamentösen Thromboseprophylaxe. Diese wird im eigenen Patientenkollektiv lediglich unter Abwägung patienteneigener Risikofaktoren in Form von niedermolekularem Heparin verabreicht. Im Vordergrund steht unabhängig vom individuellen Thromboembolierisiko eine frühzeitige postoperative Mobilisierung der Patienten. Auch weil im Rahmen der Spenderselektion Hochrisikopatienten ausscheiden, ist meines Erachtens keine generelle medikamentöse Thromboseprophylaxe bei Nierenlebendspende indiziert. 

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0118b

Martin Teutsch

Klinik und Poliklinik für Hepatobiliäre Chirurgie und Transplantationschirurgie

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

m.teutsch@uke.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
 Encke A, Haas S, Kopp I: Clinical practice guideline: The prophylaxis of venous thromboembolism. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 532–8 VOLLTEXT
2.
Osman Y, Kamal M, Soliman S, et al.: Necessity of routine postoperative heparinization in non-risky live-donor renal transplantation: results of a prospective randomized trial. Urology 2007; 69: 647–5 CrossRef MEDLINE
1. Encke A, Haas S, Kopp I: Clinical practice guideline: The prophylaxis of venous thromboembolism. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 532–8 VOLLTEXT
2.Osman Y, Kamal M, Soliman S, et al.: Necessity of routine postoperative heparinization in non-risky live-donor renal transplantation: results of a prospective randomized trial. Urology 2007; 69: 647–5 CrossRef MEDLINE

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