ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2017Zwangsbehandlungen: Nicht viel erreicht

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Zwangsbehandlungen: Nicht viel erreicht

Dtsch Arztebl 2017; 114(7): A-325 / B-281 / C-277

Baiker, Hans

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Das Bundeskabinett schließt zwar mit der vorgesehenen Gesetzesänderung eine Lücke für die Zwangsbehandlung als Entlastung der geschützten Stationen. Wenn die Zwangsbehandlung zukünftig auch auf offenen Stationen erfolgen kann, ist für schwerstkranke psychisch behinderte Menschen nicht viel erreicht. Vielleicht hat es sich noch nicht bis in die Bundesregierung herumgesprochen, dass es in psychiatrischen Kliniken keine Langzeitstationen mehr gibt. Weitere Enthospitalisierung in Tageskliniken und die ambulante Medizin scheitern bei diesem Personenkreis allzu oft daran, dass nach Entlassung aus der stationären Behandlung eine notwendige Medikation verweigert wird und der Patient in die „Drehtürpsychiatrie“ gerät. Schicksale mit zig Zwangseinweisungen sind keine sinnvolle Alternative zu einer streng kontrollierten Zwangsbehandlung auch in Tagesklinik, Ambulanz oder Praxis. Es handelt sich um wenige Patienten. Sie geraten aber allzu oft in Obdachlosigkeit und Verwahrlosung. Sie werden von Einweisung zu Einweisung immer weniger vom Hilfesystem erreicht und haben leider keine wirksame Lobby. Hier ist Pragmatismus nötig und fundamentalistische Rechthaberei leider menschenverachtend.

Dr. med. Hans Baiker, 32756 Detmold

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