ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2017Arztinformationssystem: Sorge um die Verordnungsfreiheit

AKTUELL

Arztinformationssystem: Sorge um die Verordnungsfreiheit

Dtsch Arztebl 2017; 114(7): A-292

Maybaum, Thorsten

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Vertragsärzte sollen künftig mit Hilfe eines Arztinformationssystems direkt beim Verordnungsvorgang arzneimittel- beziehungsweise wirkstoffbezogen über die Ergebnisse neuer Arzneimittel im Rahmen der frühen Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundes­aus­schuss informiert werden. Das hat der Gesetzgeber beschlossen. Wie das genau geschehen soll, darüber wird gestritten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) appelliert nun in einem Brief an Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU), die Verordnungsfreiheit des Arztes nicht einzuschränken. Die Vertragsärzte hielten es „nicht für zielführend“, wenn das Arztinformationssystem zur Verordnungssteuerung eingesetzt würde, heißt es in dem Brief. Das wäre laut KBV etwa dann der Fall, wenn die vom Ministerium geplante Rechtsverordnung Vorgaben zur Erstellung von Wirtschaftlichkeitshinweisen durch den G-BA machen würde. Dies käme faktisch Verordnungsausschlüssen gleich. Wie Gassen weiter erklärte, lehnen die Vertragsärzte zudem die vom GKV-Spitzenverband in die Diskussion zum Arztinformationssystem eingebrachte Codierung von Subgruppen ab. Dies stünde dem Ziel des Gesetzgebers entgegen, Innovationen und neue Wirkstoffe weiterhin möglichst schnell, aber auch sach- und leitliniengerecht in der Versorgung zu etablieren. Gassen äußert auch die Sorge, dass die Hersteller der Praxisverwaltungssysteme bei der Einführung des Arztinformationssystems höhere Kosten von den Ärzten verlangen. Aus Sicht der KBV seien entsprechende Mehrbelastungen abzulehnen. Ein Dorn im Auge ist Gassen darüber hinaus der geringe Wettbewerb auf dem Anbietermarkt für Verordnungssoftware und Arzneimitteldatenbanken. Er regte unter anderem an, Schnittstellen per Gesetz vorzuschreiben. Der KBV-Chef schlägt auch vor, dass der KBV erlaubt werden sollte, selbst Praxisverwaltungssoftware zu entwickeln. may

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema