ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2017Roman: Hans sein Glück

MEDIEN

Roman: Hans sein Glück

Dtsch Arztebl 2017; 114(7): A-328 / B-284 / C-280

Höfner, Andrea

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Was tun, wenn von heute auf morgen nichts mehr so, ist wie es war? Alles Gewohnte und Sichere, auf das wir meinen, unser Leben bauen zu können, sich in nichts auflöst? Überbelastung, Verausgabung, Burn-out – für Klinikbeschäftigte und Angestellte im hart umkämpften Gesundheitssektor allgegenwärtige Realität.

Mit seinem Protagonisten Dr. med. Hans Begemann, Chirurg – und nicht in Höchstform –, beschönigt Jostberg nichts, beschreibt Menschen, die in ihren beruflichen Zwangsjacken stecken, aufdiktierten Ansprüchen zu entsprechen versuchen, unter all dem bis zur Unerträglichkeit leiden und dennoch aushalten, was lange schon nicht mehr auszuhalten ist.

Anzeige

Was Jostbergs Buch trotz seiner erschütternden Realitätsnähe so lesenswert macht, ist der genaue, zuweilen fast liebevoll sezierende Blick auf all die vielen Menschlichkeiten, die alltäglichen Kleinigkeiten, das scheinbar Nebensächliche, das dem Auge des im Getriebe des üblichen Lebens sooft gehetzten Betrachters leider fast regelhaft entgeht. Die Innenschau des Protagonisten spart nicht mit selbstkritscher Ironie, dennoch, trotz aller härteren Gangart: Über allen Bedrückungen und Ratlosigkeiten dämmert stets die Ahnung einer ganz eigenen Morgenröte.

Wer nicht sucht, kann finden, auch Begemann macht diese Erfahrung. Vieles ergibt sich, kann erst werden, nachdem man gelassen hat, wer nicht mehr der Illusion erliegt, Regisseur des eigenen Lebens sein zu können, dem eröffnen sich neue Perspektiven.

In Jostbergs Roman treffen einige Welten aufeinander, auch die des alte Japans und des Europas der Gegenwart. Unterschiede, wie sie zuweilen kaum krasser zu denken sind, dabei erfährt der Leser einiges, auch, wie sich zuweilen in Einklang bringen lässt, was eigentlich gar nicht in Einklang zu bringen ist.

Alles in allem, für jeden in der Medizinindustrie Tätigen eine Lektüre, die sich niederschwellig erschließt, dafür ist Jostberg eben nah genug dran an dem, was klinischen Alltag in den Gesundheitsbetrieben der Gegenwart ausmacht. Aber auch für Leser, die sich von anderem Berufshintergrund her dem Phänomen „Lebensneustart“ annähern möchten im wahrsten Wortsinn heilsame Literatur. Jostberg ist einer, der Worte auf die Feinwaage legt, ein Wortdosierer, dem beim Wortsetzen über die Schulter zu schauen allein schon das Lesen seines Buches mehr als lohnenswert macht.

Auf der Suche nach einem Geschenk? Franz Jostbergs „Hans sein Glück“: kein Buch wie viele, aber ein Buch, das es wert ist, viele zu erreichen. Ich kann es nur empfehlen. Andrea Höfner

Franz Jostberg: Hans sein Glück. Books on Demand, Norderstedt 2016, 332 Seiten, kartoniert, 12,90 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige