ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2017Management in professionellen Organisationen: Musiker werden erst zum Orchester, wenn sie zusammen spielen

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Management in professionellen Organisationen: Musiker werden erst zum Orchester, wenn sie zusammen spielen

Dtsch Arztebl 2017; 114(7): [2]

Unger, Jan Hendrik

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Um ein positives Ergebnis für die Patienten zu erzielen, müssen alle Mitarbeiter eines Krankenhauses ihre Leistungen erbringen. Dazu gehören in erster Linie Ärzte, Pflegende und Therapeuten. Interprofessionelle Zusammenarbeit ist eine prägende Charakteristik professioneller Organisationen.

Foto: 123rf/furtseff
Foto: 123rf/furtseff

Die Zusammenarbeit verwirklicht das Selbstverständnis von oftmals akademisch ausgebildeten Berufsträgern, die ihre hohen persönlichen Kenntnisse und Fähigkeiten optimal anwenden. Im englischen Sprachraum wird insofern der Begriff „professional“ verwendet. Krankenhäuser werden entsprechend als Beispiele von sogenannten „professionellen Organisationen“ betrachtet. Dazu zählen auch Anwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften oder auch Berufsorchester.

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Einfluss nehmen auf Strukturen und Prozesse

Bedürfen professionelle Organisationen eines Managements? Die interprofessionelle Zusammenarbeit von Berufsträgern ist eine ihrer prägenden Charakteristiken. In der Vergangenheit betrachtete man die Organisation der Geschäftsprozesse im Krankenhaus als bloße Verwaltungsaufgabe. In den letzten 20 Jahren wird dagegen mehr und mehr eine Managementaufgabe erwartet. „Verwaltung“ wird eher mit einem reaktiven, passiven Verhalten konnotiert. Der Begriff „Management“ symbolisiert dagegen ein aktives Einflussnehmen auf betriebliche Strukturen und Prozesse sowie auf die Umweltbedingungen der Krankenhausorganisation.

Hintergrund sind veränderte Rahmenbedingungen, die auch die Verhältnisse in Krankenhäusern prägen. Die Anforderungen des Gesetz- und Ordnungsgebers regulieren den gesamten Gesundheitssektor detailliert. Ein derzeitiges Beispiel dafür ist das Entlass-Management. Der Reformeifer wird auch in Zukunft anhalten. Insbesondere sind die Anforderungen an das wirtschaftliche Erbringen der Leistungen und damit an den effizienten Mitteleinsatz gestiegen. Zugleich haben Patienten und Angehörige eine klare Erwartungshaltung an die Leistungserbringer und werden darin von der Rechtsprechung oft gestärkt. Auch Mitarbeiter definieren Ansprüche gegenüber ihrem Arbeitgeber.

Zielgerichtetes Zusammenwirken aller im Team

Die Rahmenbedingungen müssen in der professionellen Organisation unter Beachtung ihrer Spezifika umgesetzt werden, sie sind nicht „dirigistisch“ durchführbar. Dennoch kann dies nicht dem einzelnen oder Einzelnen Gruppen überlassen werden. Schon dem Wortsinn nach unterscheidet sich die professionelle Organisation vom einzelnen Berufsträger, indem sie mehr ist. Eine Organisation ist laut Duden eine „der Funktionstüchtigkeit einer Institution oder Ähnlichem dienende (planmäßige) Zusammensetzung, Struktur, Beschaffenheit oder das (Sich-)Zusammenschließen zur Durchsetzung bestimmter Interessen, Zielsetzungen oder einheitlich aufgebauter Verband, Zusammenschluss von Menschen zur Durchsetzung bestimmter Interessen, Zielsetzungen oder Ähnlichem“.

Es geht also um zielgerichtetes Zusammenwirken. Die Musiker werden zum Orchester, wenn sie zusammen spielen. Auch im Krankenhaus führt das Erbringen der Kernleistungen nur miteinander zum Erfolg. Einfluss auf den Erfolg dieser interprofessionellen Teamarbeit hat nicht nur das Fachwissen der Teammitglieder, sondern auch deren Wissen, Fähigkeiten und Einstellungen hinsichtlich der Zusammenarbeit im Team. Erst Mitarbeiter verschiedener Professionen, die in Teams gleichberechtigt komplementäre und ineinandergreifende Leistungen erbringen, garantieren eine patienten- und ergebnisorientierte Gesundheitsversorgung. In Gesundheitseinrichtungen besteht das Team neben den primären Leistungserbringern auch aus den unterstützenden Einheiten: Apotheke, Labore sowie technische und kaufmännische Bereiche. Betrachtet man das Prinzip der interprofessionellen Zusammenarbeit, kommt es auf das „Wie“ der Zusammenarbeit an. Um Teamarbeit effektiv zu gestalten, müssen die Mitglieder auf das Team als entscheidende Einheit setzen.

Player nur an Bord zu holen, reicht nicht

Bedarf es also eines Managements? Wenn nicht nur die Profession des Einzelnen entscheidend ist, ist es nicht ausreichend, im Wege einer elaborierten Personalauswahl die geeigneten „Player“ an Bord zu holen und in der Folge zu „verwalten“. Es bedarf des Managements der Gesamtprozesse.

Professionelle Organisationen funktionieren jedoch nicht deswegen, weil das Management konkrete Anweisungen gibt, sondern wegen der Fähigkeiten, die die Mitarbeiter aufgrund ihrer Profession besitzen. Reicht das nicht aus? Der Orchestermusiker ist nicht nur technisch in der Lage, die ihm vom Komponisten zugedachte Stimme zu spielen. Er kann diese selbstverständlich auch interpretieren und künstlerisch ausfüllen. Der Dirigent muss ihm insofern keine Anweisungen geben. Gleiches gilt vielfach auch in Krankenhäusern.

Sind Krankenhausmanager Manager und will der Krankenhausmanager überhaupt Manager sein? Wie für den Dirigenten des Orchesters mag es in Krankenhäusern herausfordernd sein, das Management gegenüber Mitarbeitern zu vertreten, die mit großer Begabung in ihrer Profession eine außerordentliche Expertise aufgebaut haben. Diese Herausforderung hat aber auch ihren Reiz. So werden sich äußerst erfolgreiche Ergebnisse zeigen, wenn es gelingt, die Begabungen mit dem Ziel reibungsloser Prozesse zu bündeln.

Die Teammitglieder lassen Management zu, selbst wenn sie mit den Entscheidungen nicht übereinstimmen. Im Orchester erwartet der Musiker den klaren Einsatz vom Dirigenten und kann sich darauf verlassen, dass dieser die gesamte Partitur im Blick hat. Sie sind sich als Teammitglieder über die gegenseitige Abhängigkeit bewusst.

Kein bloßes Zuteilen und Verwalten von Budgets

Das Bewusstsein des Managers über seine Aufgabe und Tätigkeit, mag er sie auch das eine Mal als das Hüten von Flöhen und das andere Mal als das Bändigen von Raubkatzen empfinden, stellt sich jedenfalls nicht als das bloße Zuteilen und Verwalten von Budgets dar. Letzteres würde suggerieren, dass das Zusammenspiel in professionellen Organisationen in Harmonie und Eintracht von allein funktioniert. So wie der Dirigent in der Probe nicht allein Taktstock schwingend von der Distanz seines Pultes davon ausgehen darf, dass das Orchester ihm „gehörig“ folgt, sondern er herabsteigen muss, wird auch der Krankenhausmanager die Herausforderung annehmen und das Management aktiv vertreten.

Jan Hendrik Unger

Abteilungsleiter Personal und Recht

Mühlenkreiskliniken AöR

32429 Minden

Mitglied im Initiativkreis neue Personalarbeit in Krankenhäusern (InPaK)

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