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Der Leserbrief von Parzeller, Zedler und Verhoff weist auf zentrale Fragen hin, auch wenn die Kommentierungen nur zum Teil in die richtige Richtung zeigen.

Medizinisch ist der Sachverhalt sehr klar: Die Betreuung eines Patienten, der einen irreversiblen Hirnfunktionsausfall entwickelt oder im Hirntod verstorben ist, erfordert eine intensivmedizinische Therapie, bis eine finale Entscheidung (Organspende, Minimierung der Intensivmaßnahmen) getroffen und umgesetzt worden ist. Unser Artikel (1) soll die intensivmedizinisch tätigen Ärzte in der Betreuung dieser Patienten unterstützen; der Bedarf weiterer Studien ist evident. Eine klare und durchdachte rechtliche Regelung der Voraussetzungen und Grenzen der organprotektiven Intensivtherapie wäre wünschenswert; in der Schweiz bestehen solche Regeln immerhin als konsentierte und rechtlich geprüfte Normen der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (2).

Die rechtliche Zulässigkeit der organprotektiven Intensivtherapie in Deutschland folgt allgemeinen Grundsätzen des Medizinrechts. Trotz des grundsätzlichen Problems, dass Patientenverfügungen und Erklärungen zur Organspende sehr oft nur suboptimal aufeinander abgestimmt sind, gelingt dies bei einigen Formularen hinreichend gut. Die Erklärung in einer Patientenverfügung, dass der Wunsch nach einer Begrenzung intensivmedizinischer Maßnahmen am Lebensende die Organspende nicht unmöglich machen soll, ist eine hinreichende Grundlage dafür, einen mutmaßlichen Willen zur Vornahme begrenzter organerhaltender Maßnahmen annehmen zu dürfen (3, 4). Eine solche Erklärung genügt auch ohne Weiteres den Anforderungen des Bundesgerichtshofs an die Konkretheit der Entscheidung in einer Patientenverfügung.

Recht haben die Autoren des Diskussionsbeitrags damit, dass die Informationen zur Organspende in Deutschland das Thema „organprotektive Intensivtherapie“ weitgehend ausblenden, anstatt die Organspende einschließlich der organerhaltenden Maßnahmen offen als Teilaspekt der Patientenautonomie am Lebensende anzusprechen. Dem abzuhelfen, dient indessen unser Beitrag.

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0137b

Für die Verfasser

Prof. Dr. med. Hartmut H.-J. Schmidt

Klinik für Transplantationsmedizin, Universitätsklinikum Münster

hepar@ukmuenster.de

Prof. Dr. jur. Thomas Gutmann

Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Rechtsphilosophie und Medizinrecht

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Hahnenkamp K, Böhler K, Wolters H, Wiebe K, Schneider D, Schmidt HHJ: Organ-protective intensive care in organ donors. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 552–8 VOLLTEXT
2.
Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften: Feststellung des Todes mit Bezug auf Organtransplantationen. Medizin-ethische Richtlinien vom 24. Mai 2011, www.samw.ch/de/Publikationen/Richtlinien.html.
3.
Schöne-Seifert B, Prien T, Rellensmann G, Roeder N, Schmidt H: Behandlung potenzieller Organspender im Präfinalstadium. Dtsch Arztebl 2011; 108: A 2080–6 VOLLTEXT
4.
Bundes­ärzte­kammer: Arbeitspapier zum Verhältnis von Patientenverfügung und Organspendeerklärung. Dtsch Arztebl 2013; 110: A-572 VOLLTEXT
1.Hahnenkamp K, Böhler K, Wolters H, Wiebe K, Schneider D, Schmidt HHJ: Organ-protective intensive care in organ donors. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 552–8 VOLLTEXT
2.Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften: Feststellung des Todes mit Bezug auf Organtransplantationen. Medizin-ethische Richtlinien vom 24. Mai 2011, www.samw.ch/de/Publikationen/Richtlinien.html.
3.Schöne-Seifert B, Prien T, Rellensmann G, Roeder N, Schmidt H: Behandlung potenzieller Organspender im Präfinalstadium. Dtsch Arztebl 2011; 108: A 2080–6 VOLLTEXT
4.Bundes­ärzte­kammer: Arbeitspapier zum Verhältnis von Patientenverfügung und Organspendeerklärung. Dtsch Arztebl 2013; 110: A-572 VOLLTEXT

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