ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2017Prävention von Tropischen Infektionskrankheiten: Prophylaxe bei reisenden Medizinern oft nicht adäquat

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prävention von Tropischen Infektionskrankheiten: Prophylaxe bei reisenden Medizinern oft nicht adäquat

Dtsch Arztebl 2017; 114(8): A-373 / B-322 / C-315

Gerste, Ronald D.

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Schon 2014 belegte eine Studie aus den USA, dass medizinisches Fachpersonal bei Reisen in Endemiegebiete für tropische Infektionskrankheiten häufig nicht die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen einhält (1). Fast ein Viertel der Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die in Malariaendemiegebiete reisten, nahm zum Beispiel die Prophylaktika nicht in indizierter Dosierung ein.

Nun ist vom Zentrum für Infektionskrankheiten der Universität Jena eine prospektive Kohortenstudie zum Umgang von medizinischem Fachpersonal wie Ärzten, Krankenschwestern und Medizinstudenten mit Gesundheitsrisiken in den Tropen publiziert worden: als Brief an die Herausgeber (2). 10 % der 546 Teilnehmer waren Ärzte oder vertraten einen medizinischen Beruf. Diese Gruppe war mit durchschnittlich 26,9 Jahren jünger als die übrigen Reisenden (41,8 Jahre): Besucher der Infektionsambulanz.

Die Mediziner und Pflegekräfte hielten sich für durchschnittlich 50 Tage in den Tropen auf. Die Fachkräfte tranken deutlich häufiger Leitungswasser (48,3 %) und unpasteurisierte Milch (15,5 %) als die medizinischen Laien (15,2 % und 4,9 %). Sie badeten etwas häufiger in potenziell von Schistosoma-Erregern besiedelten Gewässern (48,3 % vs. 41,8 %) und verzehrten öfter rohen Salat (86,2 %) und nicht durchgegartes Fleisch/Fisch (15,5 %) als die Laien (76,6 % und 9,4 %). Auch ungeschützter Sex mit neuem Partner war bei den Medizinern mit 3,4 % häufiger als bei den übrigen Tropenreisenden (1,4 %; Δ n.s.). Keinen Unterschied zwischen den Gruppen gab es bei der Compliance in Bezug auf die medikamentöse Malariaprophylaxe (96,7 % vs. 97,7 %) oder den Insektenschutz (75,5 % vs. 74,3 %). Die Autoren schließen allerdings nicht aus, dass lokale Besonderheiten die Ergebnisse mit beeinflusst haben.

Fazit: „Die Erfahrungen der Universitätsklinik Jena machen deutlich, dass medizinische Fachkräfte ebenso eine kompetente reisemedizinische Beratung benötigen wie medizinische Laien“, kommentiert der Infektiologe Prof. Dr. med. Gerd Fätkenheuer von der Klinik I für Innere Medizin der Universität Köln. Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Balaban V, Warnock E, Ramana D, et al.: Health risks, travel preparation, and illness among public health professionals during international travel. Travel Medicine and Infectious Disease 2014; 12: 349–54.
  2. Schleenvoigt BT, Zahlten A: Does medical education predispose to risk behaviour during travel? Travel Medicine and Infectious Disease 2016; http://dx.doi.org/10.1016/j.tmaid.2016.10.01.

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